Sie kennen das vielleicht. Sie fahren auf einer Straße und sehen plötzlich ein ganzes Sammelsurium an Verkehrsschildern. Tempo 30. Lkw-Verbot. Anlieger frei. Und dann noch einige Meter weiter dasselbe Spiel. Auf dem Allermöher Deich in Bergedorf ist das keine Seltenheit, sondern Alltag. Die FDP in Bergedorf hat sich die Mühe gemacht und nachgezählt. Auf einem 5,4 Kilometer langen Abschnitt stehen 116 Verkehrsschilder. Das sind mehr als 21 Schilder pro Kilometer. Mitten in diesem Schilderwald gilt auch noch Tempo 30. Der dort aufgestellte mobile Blitzer hat in der Vergangenheit sicherlich viele Fahrer erwischt, die die Übersicht verloren.
Die zentrale Frage ist aber: Kann ein Autofahrer diesen Wust aus Vorschriften überhaupt noch erfassen und befolgen? Oder sind Verstöße hier fast unvermeidbar? Die FDP kommt zu einem klaren Urteil. „Der Schilderwald ist so dicht, dass die einzelnen Regelungen unsichtbar werden“, sagt die Partei. Der Grund sei nicht, dass Schilder fehlten, sondern dass es einfach zu viele seien. Diese Überregulierung habe Folgen. „Verkehrsregeln funktionieren nur, wenn sie verstanden werden und nachvollziehbar bleiben. Eine Regelungsdichte, die ins Absurde geht, untergräbt die Akzeptanz eben dieser Regeln und lässt sich kaum zuverlässig befolgen.“ Mit anderen Worten: Wenn die Beschilderung zu komplex wird, ignoriert sie am Ende jeder. Das schafft Unsicherheit und Frust statt Sicherheit.
Die FDP hat das Bezirksamt Bergedorf deshalb direkt gefragt. Was soll das am Allermöher Deich? Und wie lange soll das Tempo 30 dort noch gelten? Die Antwort der Verwaltung liefert Erklärungen, aber wenig Hoffnung auf schnelle Besserung. Die Tempo-30-Schilder und das Lkw-Durchfahrtsverbot seien aufgrund von Straßenschäden angeordnet worden. Diese Schäden gibt es wirklich. Wer die Strecke kennt, weiß um die holprigen Abschnitte. Durch den zusätzlichen Umleitungsverkehr für die inzwischen beendeten Bauarbeiten auf der A25 sind weitere Schäden dazugekommen. Das Amt prüft derzeit das genaue Ausmaß.
Die Perspektive für alle, die auf den Deich angewiesen sind, ist ernüchternd. Die Behörde plant, „zumindest Teile der Schäden“ erst im November 2026 zu beheben. Erst dann könnten die Geschwindigkeitsbegrenzungen wieder aufgehoben werden. Bis dahin bleibt also alles beim Alten. Das Bezirksamt sieht kein Problem in der großen Zahl der Schilder. In seiner nüchternen Antwort heißt es: „Die Erforderlichkeit der angeordneten Schilder ist nach wie vor angemessen.“
Hier prallen zwei Welten aufeinander. Die Sicht der täglichen Nutzer, vertreten durch die FDP, die eine praxisferne und unübersichtliche Regelung kritisiert. Und die Sicht der Verwaltung, die sich auf formal korrekte Gründe beruft und den Status quo verteidigt. Die Frage ist, ob „Erforderlichkeit“ auch „Verständlichkeit“ und „Akzeptanz“ mit einschließt. Ein Schild, das keiner mehr wahrnimmt, weil es in einem Meer von anderen untergeht, verfehlt seinen Zweck.
Für Sie als Anwohner oder regelmäßigen Fahrer bedeutet das konkret: Sie müssen noch mindestens zwei Jahre mit den Einschränkungen leben. Tempo 30 bleibt. Das Lkw-Verbot bleibt. Und der Blitzer steht wohl auch weiterhin gelegentlich da. Sie sind gezwungen, sich durch den Schilderwald zu kämpfen. Das ist lästig und kostet Aufmerksamkeit, die eigentlich für den Verkehr gebraucht wird. Die Verwaltung schiebt die Lösung auf die lange Bank. Die geplante Teilsanierung 2026 ist kein Versprechen auf eine vollständige Rückkehr zur Normalität.
Was können Sie tun?
- Dokumentieren Sie das Problem.
- Melden Sie sich bei Ihrer Bezirksversammlung oder Ihrer Ortsgruppe.
- Teilen Sie Ihre Bedenken mit der FDP.
- Sammeln Sie weitere Beschwerden von Bürgern.
- Fragen Sie nach Vereinheitlichung oder Reduzierung der Schilder.
- Setzen Sie sich für Verkehrssicherheit mit klaren Regeln ein.
Verkehrssicherheit sollte durch klare, einfache Regeln entstehen, nicht durch einen undurchdringlichen Wald aus Verboten. Das ist am Ende auch eine Frage des gesunden Menschenverstands.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Länge des Abschnitts | 5,4 Kilometer |
| Verkehrsschilder | 116 |
| Schilder pro Kilometer | Über 21 |
| Tempo 30 | Gilt weiterhin |
| Geplante Teilsanierung | November 2026 |
| Aktuelle Situation | Unübersichtlichkeit bleibt |