St. Pauli setzt auch im Pokal auf Nummer eins: Ben Voll bleibt zwischen den Pfosten
In Hamburg gibt es am Millerntor immer etwas zu besprechen. Ob es um den Ausbau der U-Bahn geht, die Zukunft des Kiezes oder die nächste Partie des FC St. Pauli. Letzteres beschäftigt die Fans am Freitag besonders. Trainer Marcel Rapp hat eine klare Personalentscheidung für das DFB-Pokalspiel bekanntgegeben. Stammtorhüter Ben Voll wird auch am Sonntag beim Drittligisten Rot-Weiss Essen im Tor stehen.
Diese Ansage ist bemerkenswert. Im DFB-Pokal ist es nicht unüblich, dass Trainer den zweiten Torwart einsetzen. Es gilt als Chance, Spielern Wettkampfpraxis zu geben und die Nummer eins zu schonen. Marcel Rapp, 47 Jahre alt und seit 2022 Chefcoach, bricht mit dieser Tradition. Für ihn steht der sportliche Erfolg und die Kontinuität klar im Vordergrund. «Ben wird im Tor stehen», sagte Rapp knapp und deutlich.
Damit setzt der Trainer ein klares Zeichen des Vertrauens in Ben Voll. Der 26-jährige Keeper ist seit 2021 bei St. Pauli und hat sich zur unumstrittenen Nummer eins entwickelt. Seine sicheren Paraden und seine Kommunikation mit der Abwehr waren in den vergangenen Spieltagen der 2. Liga ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Rapps Entscheidung unterstreicht, dass der Pokalwettbewerb für den FC St. Pauli keinen geringeren Stellenwert hat als die Liga. Man will weit kommen.
Die Rolle des neuen Ersatzmannes, Dimitar Mitov, wurde damit ebenfalls definiert. Der 29-jährige Bulgare wechselte zu Saisonbeginn vom schottischen Verein Aberdeen FC an die Elbe. Trainer Rapp schätzt ihn als «kommunikativen Typen, der sich seiner Rolle bewusst ist». Gleichzeitig macht er klar: Mitov muss sich erst einfinden. «Er muss bei uns erst noch die Abläufe kennenlernen.» Für den Moment ist und bleibt Ben Voll der klare Fels in der Brandung.
Nicht nur im Tor, auch in der Abwehr gibt es Personalien zu beachten. Eric Smith, der schwedische Neuzugang, ist nach Einschätzung des Trainers «körperlich noch nicht in der Verfassung wie alle anderen». In den ersten beiden Ligaspielen kam der Abwehrspieler nur auf knapp eine halbe Stunde Spielzeit. Auch gegen Essen wird er wohl nicht von Beginn an auf dem Platz stehen. Rapp baut auf die bewährten Strukturen.
Der Gegner aus dem Ruhrgebiet darf nicht unterschätzt werden. Rot-Weiss Essen, gegründet 1907, ist ein traditionsreicher Verein mit einer leidenschaftlichen Fangemeinde. In der vergangenen Saison verpasste die Mannschaft von der Hafenstraße nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga. Sie scheiterte als Drittplatzierter in der Relegation an der SpVgg Greuther Fürth. Der Start in diese Saison verlief durchwachsen: einer 2:5-Niederlage gegen den 1. FC Saarbrücken folgte ein 1:0-Erfolg über den TSV Havelse.
Trainer Rapp hat den Gegner studiert und respektiert ihn. Er bezeichnete Essen als eine Mannschaft, die «Fußballspielen kann». Das ist mehr als nur eine Floskel. Es warnt davor, in das Stadion an der Hafenstraße mit der Einstellung eines klaren Favoriten zu fahren. Pokalspiele sind bekannt für ihre Überraschungen, und unterklassige Teams kämpfen mit besonderem Einsatz gegen die vermeintlich stärkeren Clubs aus den höheren Ligen.
Auf die klassische Pokal-Frage nach dem Elfmeter-Training antwortete Rapp schließlich mit einem Lächeln. «Ja, wir haben Elfmeter trainiert. Und die Quote war herausragend.» Diese Aussage ist eine klare Botschaft an die Mannschaft und die Fans. Sollte es am Sonntag tatsächlich zu einem dramatischen Elfmeterschießen kommen, ist St. Pauli vorbereitet. Man hat an alles gedacht.
Für die St.-Pauli-Fans in St. Pauli, Altona und ganz Hamburg ist diese klare Linie des Trainers wichtig. Sie schätzen die Ehrlichkeit und Direktheit von Marcel Rapp. In einem Stadtteil, der für seine offene Kommunikation und seine solidarische Gemeinschaft bekannt ist, passt dieser Führungsstil perfekt. Der Verein ist mehr als nur ein Fußballclub, er ist ein identitätsstiftender Teil des Kiezes. Jede Entscheidung wird daher genau beobachtet und diskutiert.
Die Pokalpartie in Essen ist der nächste Schritt in einer ambitionierten Saison. Der FC St. Pauli will sich in der 2. Liga festsetzen und gleichzeitig im DFB-Pokal eine gute Rolle spielen. Die Entscheidung, mit der besten verfügbaren Mannschaft und insbesondere mit Stammtorhüter Ben Voll anzutreten, zeigt den ernsthaften Willen dazu. Es geht nicht darum, Spielern Gelegenheit zu geben. Es geht darum, zu gewinnen.
Am Sonntag um 18 Uhr fällt in Essen der Anpfiff. Die Augen vieler Hamburger werden auf dem Spiel ruhen. Sie vertrauen auf die bewährte Sicherheit von Ben Voll zwischen den Pfosten und auf die klare Strategie ihres Trainers. In St. Pauli weiß man: Im Pokal ist alles möglich. Aber man ist gut vorbereitet.
- Ben Voll bleibt im Tor
- Trainer Marcel Rapp betont den sportlichen Erfolg
- Ersatzmann Dimitar Mitov muss sich einfinden
- Eric Smith ist noch nicht in Topform
- Rot-Weiss Essen ist ein tradierter Gegner
- Elfmetertraining war erfolgreich
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Trainer | Marcel Rapp |
| Stammtorhüter | Ben Voll |
| Ersatzmann | Dimitar Mitov |
| Gegner | Rot-Weiss Essen |
| Spielzeit | Sonntag um 18 Uhr |
| Wettbewerb | DFB-Pokal |