Berlin-Köpenick. Zum Auftakt der neuen Fußball-Bundesliga-Saison der Frauen stand für die Spielerinnen des 1. FC Union ein echtes Mammutprogramm an. Der Gegner am Freitagabend im voll besetzten Stadion An der Alten Försterei war kein Geringerer als der amtierende Meister und Serienjäger FC Bayern München. Vor knapp 17.000 lautstarken Fans lieferten die Berlinerinnen über eine Halbzeit lang einen beherzten Kampf, mussten sich am Ende aber den routinierten Bayern mit 1:4 geschlagen geben.
Das Endergebnis täuscht über große Teile des Spiels hinweg. Union, neu aufgestellt mit Trainerin Marie-Louise Eta und vier Debütantinnen in der Startelf, zeigte von der ersten Minute an Mut und klare Absicht. Statt sich tief einzugraben, gingen die Berlinerinnen aktiv auf Pressing und suchten den frühen Schock. Der haushohe Favorit aus München wirkte anfangs sichtlich unwohl unter diesem Druck.
Die erste große Torchance der Partie gehörte sogar Union. In der 7. Minute nutzte Eileen Campbell einen perfekten Steilpass, brach allein auf Bayerns Torhüterin Ena Mahmutovic zu und zirkelte den Ball nur knapp am Pfosten vorbei. Neun Minuten später zwang Tomke Schneider Mahmutovic mit einem wuchtigen Distanzschuss zu einer starken Parade. Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur hier sind, um zu verteidigen, sagte Union-Trainerin Marie-Louise Eta nach dem Spiel. Die ersten 30 Minuten waren genau das, was wir uns vorgenommen hatten: mutig, mit Ball und ohne.
Doch dann traf die bittere Lektion der Effizienz des Spitzenklubs. In der 18. Minute verwandelte Nationalspielerin Klara Bühl einen Freistoß von der Strafraumgrenze perfekt ins Torwarteck – ein Treffer, gegen den Torhüterin Cara Bösl keine Chance hatte. So eine Qualität bestraft jeden kleinen Fehler sofort, kommentierte Unions Innenverteidigerin Samantha Steuerwald den Schlagabtausch.
Nach der Pause drehte Bayern dann deutlich auf. Ein folgenschwerer Berliner Fehlpass landete in der 47. Minute direkt am Fuß der Bayern-Starstürmerin Pernille Harder, die aus 16 Metern zum 0:2 eiskalt verwandelte. Dieser Treffer schien Union zunächst den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das zuvor so disziplinierte Pressing riss, Fehler häuften sich, und der Spielball gehörte fast ausschließlich den Gästen. Glodis Viggosdottir erhöhte nach einem Freistoß in der 60. Minute auf 0:3.
Doch anders als in vergangenen Begegnungen knickten die Unionerinnen nicht komplett ein. Das lautstarke Köpenicker Publikum, das den gesamten Abend eine fantastische Kulisse bildete, feuerte seine Mannschaft weiter an. Die Energie aus den Rängen hat uns enorm geholfen, wieder in das Spiel zu finden, sagte Nele Bauereisen, die später noch zur Heldin des Anschlusstors werden sollte.
Tatsächlich fand Union zurück zu mehr Offensivaktionen. Nach einer Ecke schoss Steuerwald in der 66. Minute nur hauchdünn über das Tor. Der verdiente Lohn folgte schließlich in der 79. Minute: Nach einem schnellen Konter flankte Sophie Weidauer präzise auf die eingewechselte Nele Bauereisen, die per Kopf zum 1:3 einköpfte. Das Stadion explodierte und für kurze Zeit lag sogar das 2:3 in der Luft. Die letzte Wortgewalt behielten jedoch die Bayern, die in der Nachspielzeit durch Sophie Proost zum 1:4-Endstand konterten.
Trotz der Niederlage überwog in Köpenick am Ende das Gefühl eines wichtigen Schritts nach vorn. Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können, fasste Trainerin Eta zusammen. Gegen Bayern verliert man oft hoch. Aber wir haben eine Halbzeit auf Augenhöhe gespielt, haben uns getraut und am Ende sogar ein Tor erzielt. Das sind die Punkte, an denen wir anknüpfen werden.
- Erster Auftritt der Frauen-Bundesliga-Saison
- Gegner: FC Bayern München
- Stadium: An der Alten Försterei
- Fans: Knapp 17.000
- Endergebnis: 1:4
- Trainerin: Marie-Louise Eta
| Spielminute | Ereignis |
|---|---|
| 7 | Eileen Campbell verfehlt das Tor |
| 18 | Klara Bühl trifft für Bayern |
| 47 | Pernille Harder erhöht auf 0:2 |
| 60 | Glodis Viggosdottir trifft zum 0:3 |
| 79 | Nele Bauereisen erzielt das 1:3 |
| 90+ | Sophie Proost erhöht auf 1:4 |
Die Frauen des 1. FC Union haben mit dieser Leistung ein deutliches Signal gesendet: Sie sind nicht nur Teilnehmerinnen, sondern wollen in dieser Saison mitmischen. Die nächste Gelegenheit, dieses Selbstvertrauen in Punkte umzumünzen, kommt bereits nächste Woche.