Es ist eine seltene Ehre, wenn Dortmund außerhalb des Fußballs als Positivbeispiel genannt wird. Für die britische BBC hat Autorin Katja Hoyer genau das getan. In einer Radio-Dokumentation reiste sie durchs Ruhrgebiet, um die Spuren des Endes von Kohle und Stahl zu suchen. Was sie in Dortmund fand, hat sie beeindruckt. Doch sie machte auch eine deutliche Warnung aus.
Warum gilt Dortmund als Vorbild? Hoyer erklärt, die Stadt habe früh versucht, den wirtschaftlichen Wandel aktiv zu gestalten. Man habe neue Branchen angesiedelt, etwa IT, Logistik und Mikrosystemtechnik. Diese Dynamik spüre man heute, sagt sie. Junge Menschen erzählten ihr, sie könnten sich ein Leben außerhalb Dortmunds kaum vorstellen. Sie lobten die vielen Grünflächen, die guten Bedingungen für Fahrradfahrer und die vorhandene Kinderbetreuung.
Überrascht war Hoyer vor allem von der Stimmung. Selbst Menschen, die durch den Strukturwandel Schwierigkeiten erlebten, seien überzeugt. Sie finden es richtig, dass die Veränderungen früh angepackt wurden. Im Vergleich zu anderen alten Industrieregionen, die Hoyer kennt, ist die Atmosphäre in Dortmund eine andere. Die gedrückte und teilweise wütende Stimmung, die sie etwa aus ostdeutschen Regionen kennt, habe sie hier nicht erlebt. Das ist für sie der größte Erfolg.
Doch nicht alles ist gelungen. Hoyer zeigt sich besonders überrascht von den sozialen Gegensätzen in Dortmund. Vom sogenannten Sozial Äquator entlang der A40 hatte sie gehört. In der Realität seien die Unterschiede zwischen Nord und Süd aber noch deutlicher als erwartet. Während neue Unternehmen und Zukunftsbranchen angesiedelt wurden, gerieten Menschen in den alten Arbeitervierteln teilweise aus dem Blick. Hoyer fasst es so zusammen. Ihr scheint, als habe man die Menschen in den alten Arbeitersiedlungen vergessen. Und damit auch ein Stück der dortigen Kultur.
Trotz dieser Probleme hat Dortmund in Großbritannien einen Ruf. Es gilt dort als Musterbeispiel für gelungene Transformation. Besonders für Städte im Norden Englands ist Dortmund ein wichtiges Vorbild. Dort ziehen junge Menschen nach der Deindustrialisierung weg. Die Bevölkerung altert und radikalisiert sich teils. Dortmund zeigt einen anderen Weg. Die Stadt beweist, dass ein Strukturwandel nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial gelingen kann. Doch der Weg ist nicht zu Ende. Die großen sozialen Unterschiede bleiben eine der zentralen Herausforderungen für die nächsten Jahre.
- Aktiver wirtschaftlicher Wandel
- Ansiedlung neuer Branchen
- Gute Bedingungen für Fahrradfahrer
- Vielfältige Grünflächen
- Stabile Kinderbetreuung
- Optimistische Stimmung in der Bevölkerung
| Aspekt | Dortmund | Ostdeutsche Regionen |
|---|---|---|
| Stimmung | Optimistisch | Gedrückt und wütend |
| Wirtschaftlicher Wandel | Aktiv gestaltet | Teils ignoriert |
| Soziale Unterschiede | Vorhanden | Teils dramatisch |
| Junge Bevölkerung | Bleibt | Zieht weg |
| Vorbild für andere Städte | Ja | Nein |