Jeder Dortmunder kennt das Azad-Haus am Hansaplatz. Es ist mehr als ein Geschäft. Es ist ein Wahrzeichen. Ein großer, heller Bau mit großen Buchstaben davor. Hier gibt es Teppiche. Viele Teppiche. Seit über 50 Jahren. Doch die Geschichte dahinter kennt kaum einer. Es ist die Geschichte einer Familie. Eine Geschichte von harter Arbeit, von großen Erfolgen und von tiefen Brüchen. Wir haben die Familie Azad besucht. In einer Zeit, in der sich alles wieder neu erfindet.
Azad ist ein kurdisches Wort. Es bedeutet „frei sein“. So heißt das Unternehmen. So heißt die Familie. Vor über fünfzig Jahren kam Familie Azad aus dem Iran nach Deutschland. Zuerst nach Aachen. Dann zog sie nach Dortmund. 1974 eröffnete Vater Sadegh Azad seinen ersten kleinen Teppichladen in der City. Er arbeitete Tag und Nacht. Die Familie wuchs. Der Sohn Kianoush kam. Die Tochter Regina kam. Das Geschäft wuchs auch. 1997 zog die Familie in das große Haus am Hansaplatz. Es wurde zum Zentrum. Ein Familienunternehmen mit über 30 Mitarbeitern. Ein Erfolg.
Doch Erfolg hat seinen Preis. Regina Azad erzählt von ihrer Kindheit. „Meine Eltern haben nur gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet“, sagt sie. Der Teppichladen war alles. Das Familienleben blieb oft auf der Strecke. Die Geschwister Regina und Kianoush übernahmen später das Geschäft. Aber der Druck war groß. Die Erwartungen waren hoch. Vor einigen Jahren brach der Kontakt zwischen den Geschwistern komplett ab. Eine Familien-Dynastie war zerrissen. Das geschah hinter den Kulissen des erfolgreichen Geschäfts.
Dann kam Corona. Die Pandemie traf das Einzelhandelsgeschäft hart. Besonders das Teppichgeschäft. Menschen kauften weniger. Sie kauften anders. Das ohnehin geschwächte Geschäft wurde halbiert. Die Familie Azad stand vor einer riesigen Herausforderung. Sie musste sich neu finden. Nicht nur das Geschäft. Auch die Familie.
Heute leitet Regina Azad das Unternehmen. Ihr Bruder Kianoush ist nicht mehr dabei. Die Geschwister sprechen nicht miteinander. Das ist der schmerzhafte Teil der Geschichte. Aber Regina Azad blickt nach vorn. Sie hat das Geschäft modernisiert. Sie verkauft nicht mehr nur Teppiche. Das Azad-Haus ist heute ein Möbelhaus. Es gibt:
- Design
- Beratung
- Ein neues Konzept
- Moderne Sofas
- Helle Lampen
- Die alten Teppiche
Die Kunden merken den Wandel. Früher kam man für einen Perserteppich. Heute kommt man für ein komplettes Wohnzimmer. Regina Azad hat verstanden, dass sich die Welt ändert. Ein Familienunternehmen muss das auch tun. Selbst wenn die Familie selbst gerade eine schwere Zeit durchmacht.
Die Azad-Dynastie zeigt etwas sehr Deutliches. Erfolg ist nicht nur Geld und ein großes Haus. Erfolg ist auch, schwere Zeiten zu überstehen. Sich immer wieder neu zu erfinden. Auch wenn die Familie zerbricht, muss das Geschäft weitergehen. Das ist der Auftrag. Das ist das Erbe von Vater Sadegh Azad.
| Jahr | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1974 | Eröffnung des ersten Teppichladens | Start des Familienunternehmens |
| 1997 | Umzug ins Azad-Haus am Hansaplatz | Erweiterung des Geschäftes |
| 2019 | Ausbruch der Corona-Pandemie | Herausforderung für den Einzelhandel |
| 2020 | Reformierung des Geschäftsmodells | Modernisierung und Diversifizierung |
| 2023 | Regina leitet das Unternehmen | Fortdauer des Erbes |
| Aktuell | Fokus auf Möbel und Design | Wandel zur zeitgemäßen Einrichtung |
Am Hansaplatz steht das Haus weiter. Die Buchstaben leuchten. Drinnen arbeitet Regina Azad. Sie kämpft für den Namen ihrer Familie. Für die Zukunft ihres Unternehmens. Die Geschichte der Teppich-Dynastie Azad ist noch nicht zu Ende. Sie schreibt gerade ein neues Kapitel. Ein schwieriges Kapitel. Aber ein notwendiges. Jeder Dortmunder, der vorbeigeht, sieht jetzt mehr als nur einen Teppichladen. Er sieht eine Familie im Wandel.