In Düsseldorf konnte man am Montagabend sehen, wie eine Stadt ihre kulturelle Seele verteidigt. Auf der Jacobistraße drängten sich Hunderte Menschen hinter roten Absperrgittern. Sie alle waren gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Der Anlass war ein Besuch des AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Sein Kreisverband hatte ihn zu einem Spaziergang entlang der Düsseldorfer Museumsmeile eingeladen, gefolgt von einem Vortrag über „Kulturpolitik von rechts“ im Palais Wittgenstein. Die Antwort der Düsseldorfer Kulturszene ließ nicht lange auf sich warten. Sie formierte sich schnell und deutlich sichtbar.
Ein bunter Fisch aus Pappmaché, gebaut vom bekannten Karnevalswagenbauer Jacques Tilly, schwamm symbolisch durch die Menge. Er war als Anti-AfD-Symbol gedacht. Die eigentliche Bühne des Widerstands aber war das Programm selbst. Mehrere große Kulturinstitutionen der Stadt hatten sich zusammengetan. Das Zakk, das Forum Freies Theater, die Deutsche Oper am Rhein und das Schauspielhaus organisierten ein einstündiges öffentliches Kulturprogramm genau dort, wo Helferich unterwegs war. Ihre Botschaft war klar. Sie wollten mit Kunst auf den vermeintlichen Angriff auf die Kunstfreiheit antworten.
Das Programm bestand aus Musik von Friedrich Hollaender und Texten von Erasmus von Rotterdam und Joseph Beuys. Einige der auftretenden Künstlerinnen und Künstler trugen laminierte Schilder auf dem Rücken. Darauf standen Zitate von Heinrich Heine. Eines lautete: „Das Herz wird enger, das das Fremdländische hasst.“ Birgit Lengers vom Rat der Künste brachte die Haltung der Veranstalter auf den Punkt. „Wir sind überzeugt, Kultur darf verstören. Kultur darf widersprechen.“ Sie erklärte, Kunst dürfe neue Welten erfinden. Diese Vielfalt sei die DNA der Stadt Düsseldorf.
Andreas Karlaganis, der Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, ging noch einen Schritt weiter. „Rechte Kulturpolitik kann es nach unserer Verfassung gar nicht geben“, sagte er. Er verwies auf das Grundgesetz, das die Freiheit der Kunst garantiere. Um genau diese Freiheit zu schützen, stehe er hier als Teil dieses spontanen Zusammenschlusses. Unter den Besuchern war auch Dagmar Tiedge. Die Kunstlehrerin hatte selbst Flugblätter gebastelt. Nach dreißig Jahren im Schuldienst liegt ihr das Thema besonders am Herzen. „Kunstfreiheit ist kein Luxus, sondern ein demokratisches Fundament“, sagte sie. Sie kritisierte scharf, was sie als AfD-Forderung nach einem fehlenden Diversitätsanspruch in der Kunst versteht. Das führe zu einem verengten Menschenbild. „Das ist menschenverachtend“, so Tiedge.
Parallel zu dieser künstlerischen Intervention begleitete das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ den Rundgang der AfD mit einem deutlichen Protest. Der Weg führte vom Schloss Jägerhof über den Grabbeplatz zum Palais Wittgenstein. Überall machten Menschen ihrem Unmut Luft. Für Matthias Helferich selbst war der Besuch Teil eines größeren politischen Projekts. Im Vorfeld äußerte er sich gegenüber unserer Redaktion. „Die politische Linke hat die Kulturpolitik in Deutschland lange dominiert. Wir beantworten diesen Kulturkampf mit einer Kulturpolitik, die das Schöne, Wahre, Gute und Deutsche fördert.“ Diese Rhetorik des „Kulturkampfes“ pflegt Helferich auch in den sozialen Medien. Für den Düsseldorfer Abend warb er auf Instagram mit dem Slogan „White Lives Matter“. Dieser Satz ist eine gezielte Abwandlung der internationalen antirassistischen Parole „Black Lives Matter“.
Was in Düsseldorf stattfand, war mehr als eine einzelne Protestveranstaltung. Es war eine unmissverständliche Standortbestimmung. Die etablierten Kulturhäuser, normalerweise eher im Wettbewerb miteinander, stellten sich geschlossen hinter ein Prinzip. Sie verteidigten die Kunstfreiheit nicht nur mit Worten, sondern mit der Praxis der Kunst selbst. Die riesige Resonanz in der Bevölkerung zeigt, wie tief dieses Anliegen in der Stadt verwurzelt ist. Menschen jeden Alters kamen, um ihre Solidarität zu zeigen. Sie verstanden die Veranstaltung als notwendige demokratische Handlung.
Der Abend hinterlässt eine klare Frage. Wie geht eine offene Gesellschaft mit politischen Kräften um, die genau diese Offenheit in Frage stellen? Düsseldorf gab eine Antwort. Die Stadt setzte der politischen Inszenierung eine lebendige, vielfältige und laute kulturelle Realität entgegen. Sie erinnerte daran, dass Kunst kein schmückendes Beiwerk ist. Kunst ist der Puls einer freien Gesellschaft. Wo dieser Puls angegriffen wird, wehrt sich die Stadt. Nicht mit Gewalt, sondern mit der kraftvollen und kreativen Energie, für die Düsseldorf seit jeher bekannt ist. Diese Energie war am Montagabend für alle spürbar. Sie füllte die Jacobistraße und sendete ein Signal weit über die Stadtgrenzen hinaus.
- Kulturelle Verteidigung in Düsseldorf
- Besuch von Matthias Helferich
- Öffentliches Kulturprogramm
- Proteste gegen rechte Kulturpolitik
- Vielfalt als DNA der Stadt
- Kunstfreiheit als demokratisches Fundament
| Institution | Event | Beitrag |
|---|---|---|
| Zakk | Kulturprogramm | Musik von Hollaender |
| Forum Freies Theater | Kulturprogramm | Texte von Erasmus von Rotterdam |
| Deutsche Oper am Rhein | Kulturprogramm | Musik und Performances |
| Schauspielhaus | Kulturprogramm | Vielfalt in der Kunst |