Die Düsseldorfer Kultur schützt ihre Freiheit
Am Montagnachmittag sah die Düsseldorfer Königsallee nicht aus wie gewohnt. Statt vornehmer Shopping-Stimmung herrschte lauter Protest. Vor dem Goethe-Museum in der Jacobistraße hatten sich Hunderte Menschen versammelt. Ihr Ziel war klar. Sie wollten sich einer Veranstaltung der Düsseldorfer AfD entgegenstellen.
Die AfD hatte zu einem sogenannten Kulturrundgang mit Matthias Helferich eingeladen. Helferich ist Bundestagsabgeordneter und gilt als äußerst rechter Politiker. Die nordrhein-westfälische AfD versuchte erfolglos, ihn aus der Partei auszuschließen. Der Rundgang sollte an bedeutenden Kulturorten der Stadt vorbeiführen und im Palais Wittgenstein in der Carlstadt enden. Dort wollte Helferich einen Vortrag über «Kulturpolitik von rechts» halten.
Die Düsseldorfer Kulturszene reagierte sofort und deutlich. Ein Bündnis aus Künstlern, Theatermachern und anderen Kulturschaffenden rief zum Protest auf. Ihr Motto war «Düsseldorfer Kultur für Demokratie». Ihre Botschaft war einfach. Kunst und Kultur lassen sich nicht für eine rechte Ideologie vereinnahmen.
Rund 700 bis 800 Menschen folgten dem Aufruf. Damit überflügelten sie die etwa 40 angemeldeten Teilnehmer des AfD-Rundgangs bei Weitem. Als Helferich am Goethe-Museum, dem Startpunkt der AfD, auftauchte, empfingen ihn Pfiffe und Rufe. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Sie musste die Gruppen trennen und begleitete den AfD-Spaziergang durch die Innenstadt. Laut Polizeiberichten und Augenzeugen kam es dabei zu Rangeleien.
Die Gegendemonstranten folgten der AfD-Gruppe und veranstalteten ihr eigenes, spontanes Kulturprogramm. Sie lasen Gedichte, machten Musik und zeigten Theater. Es war eine lebendige Demonstration der Werte, die sie verteidigen wollten.
Andreas Karlaganis, der Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, warnte mit deutlichen Worten. Wer von «rechter Kulturpolitik» träume, stehe außerhalb unserer Verfassung, sagte er. Kunst und Wissenschaft seien nach dem Grundgesetz frei. «Und wo Kunst und Kultur für ideologische Zwecke eingespannt, diesen Zwecken dienstbar gemacht und untergeordnet werden sollen, hören sie auf zu existieren», erklärte Karlaganis vor der Menge.
Der Streit um Helferichs Auftritt hatte bereits Tage zuvor begonnen. Ursprünglich sollte er im Heinrich-Heine-Institut sprechen. Diese Veranstaltung sagte das Institut ab. Offizieller Grund waren anstehende Umbauarbeiten. Die symbolische Bedeutung war jedoch kaum zu übersehen.
Das Heinrich-Heine-Institut widmet sich dem Werk des großen Düsseldorfer Dichters. Heine war im 19. Jahrhundert vor Antisemiten und Nationalisten aus Deutschland nach Paris geflohen. Er war ein scharfer Kritiker von Nationalismus und engstirnigem Deutschtum. Die Düsseldorfer AfD verwendet auf ihrer Website ein Bild von Heinrich Heine. Dieser Kontrast zwischen Vereinnahmung und tatsächlichem Erbe des Dichters sorgt für besondere Empörung.
Die Protestierenden machten eines deutlich. Die Freiheit der Kunst ist für sie nicht verhandelbar. In ihrem Aufruf hieß es «Kunst ist Widerspruch, Vielfalt und Freiheit». Sie müsse sich jeder Vereinnahmung durch Ideologien widersetzen. Das bedeute auch, das Uneindeutige und Komplexe aushalten zu können.
Die Bilder vom Montag zeigen eine Stadt, die um ihre kulturelle Identität kämpft. Düsseldorf versteht sich als weltoffene Kunst- und Modemetropole. Die Vorstellung, dass eine Partei wie die AfD diese Kultur für ihre Zwecke instrumentalisieren will, stößt hier auf massiven Widerstand.
Die großen Kulturinstitutionen der Stadt, von den Museen bis zu den Theatern, stehen geschlossen hinter dieser Haltung. Sie sehen sich als Hüter eines demokratischen Grundkonsenses. Zu diesem Konsens gehört die Freiheit der Kunst von politischer Indoktrination.
Für Sie als Bürger dieser Stadt bedeutet dieser Tag etwas Konkretes. Er zeigt, dass die Verteidigung demokratischer Werte nicht nur in Berlin stattfindet. Sie geschieht direkt vor Ihrer Haustür, auf den Straßen und Plätzen, die Sie jeden Tag sehen. Die Kulturschaffenden, die Sie vielleicht aus dem Theater oder von Ausstellungen kennen, ergreifen hier Partei. Sie tun das, weil sie glauben, dass die Kunstfreiheit unser aller Freiheit ist.
Der Protest war friedlich und kreativ. Er wurde getragen von der Überzeugung, dass unsere Kulturvielfalt keine politische Richtung kennt. Sie gehört allen. Die laute Reaktion auf den AfD-Rundgang sendet ein Signal. In Düsseldorf ist die kulturelle Landschaft fest in der Hand derer, die sie für offen und frei halten wollen.
Was bleibt, ist die Frage, wie wir mit solchen Provokationen umgehen. Die Antwort der Düsseldorfer Kultur war klar. Sie stellt sich nicht stumm an den Rand. Sie geht laut und sichtbar in die Mitte. Sie nutzt ihre eigenen Mittel, die Sprache der Kunst, um für ihre Freiheit einzustehen. Das ist vielleicht die stärkste Botschaft eines solchen Tages. Die Verteidigung der Demokratie kann auch musikalisch, theatral und poetisch sein. Sie ist dann am überzeugendsten, wenn sie aus der Mitte der Gesellschaft selbst erklingt.
- Künstler und Theatermacher vereinen sich im Protest
- Rund 700 bis 800 Menschen demonstrieren gegen die AfD
- Kunst und Kultur sind für alle da, nicht für Ideologien
- Die Freiheit der Kunst ist unantastbar
- Politische Indoktrination hat keinen Platz in der Kultur
- Die Düsseldorfer Kultur sieht sich als Hüter demokratischer Werte
| Stadt | Protestteilnehmer | AfD-Teilnehmer |
|---|---|---|
| Düsseldorf | 700 – 800 | 40 |