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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Düsseldorf > Düsseldorfer Feuerwehr im Einsatz gegen spanische Waldbrände
Düsseldorf

Düsseldorfer Feuerwehr im Einsatz gegen spanische Waldbrände

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 30, 2026 8:39 a.m.
Julia Becker
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Für die 48 Frauen und Männer des Löschzugs Düsseldorf begann der Tag nicht in den heimischen Feuerwachen, sondern auf dem Rollfeld des Flughafens Köln/Bonn. Unter strahlend blauem Himmel verabschiedeten sie sich am frühen Donnerstagmorgen von ihren Familien, bevor sie gemeinsam mit weiteren deutschen Einsatzkräften in Richtung Nordwestspanien aufbrachen. Ihr Ziel: die Region Galicien, wo seit Tagen verheerende Waldbrände wüten und die lokalen Kräfte an ihre absoluten Grenzen bringen.

Dieser Einsatz ist Teil des EU-Mechanismus für den Katastrophenschutz, einer solidarischen Vereinbarung, bei der Mitgliedsstaaten im Ernstfall gegenseitig Hilfe leisten. Die Entscheidung, deutsche Spezialisten anzufordern, fiel in Madrid und Brüssel, doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt vor Ort. Für die Düsseldorfer, allesamt erfahrene Ehrenamtliche, bedeutet dies zwei Wochen intensivster Arbeit unter erschwerten Bedingungen.

Hintergrund: Wenn das Feuer keine Grenzen kennt

Die Waldbrandsaison in Südeuropa beginnt immer früher und wird immer intensiver. Klimaforscher sehen hier einen direkten Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Lange Trockenperioden, kombiniert mit starken Winden, schaffen ideale Bedingungen für sogenannte „Mega-Feuer“, die kaum noch zu kontrollieren sind. Galicien, eigentlich eine grüne, oft regenreiche Region im Nordwesten der Iberischen Halbinsel, ist in diesem Jahr besonders stark betroffen. Die Brände bedrohen nicht nur riesige Waldflächen und die Artenvielfalt, sondern auch Dörfer, Infrastruktur und damit Existenzen.

„Wir beobachten diese Entwicklung mit Sorge“, sagt Lars Möller, Einsatzleiter aus Düsseldorf, noch vor dem Abflug. „Was früher Ausnahmesituationen waren, wird zur neuen Normalität. Die internationalen Hilfseinsätze nehmen deutlich zu.“ Der EU-Mechanismus wurde geschaffen, um genau auf solche grenzüberschreitenden Krisen reagieren zu können. Deutschland stellt dabei regelmäßig sogenannte „Module“ – standardisierte, schnell verlegbare Einheiten mit speziellem Gerät und ausgebildetem Personal. Das Düsseldorfer Kontingent ist Teil eines größeren deutschen Löschmoduls.

Die Aufgabe vor Ort: Mehr als nur Löschen

Was erwartet die Freiwilligen aus der Landeshauptstadt? „Zuerst einmal eine komplett andere Landschaft und Branddynamik“, erklärt Sarah Bergmann, eine der teilnehmenden Feuerwehrfrauen. „Die Topographie in Galicien mit seinen vielen Tälern und Hängen, die Vegetation und die extremen Winde machen die Brandbekämpfung zur enormen logistischen und körperlichen Herausforderung.“

Ihre Aufgaben werden vielfältig sein:

  • Aktiv an der Feuerfront arbeiten
  • Mit speziellen Pumpen und Schläuchen Wasser in unwegsames Gelände bringen
  • Brandschneisen anlegen, um die Ausbreitung zu stoppen
  • Nachlässcharbeit zur Auffindung glimmender Wurzeln betreiben
  • Versteckte Gefahren aufspüren
  • Die erschöpften lokalen Kräfte entlasten

„Wir sind nicht nur da, um zu löschen“, betont Lars Möller. „Wir sind auch da, um die völlig erschöpften lokalen Kräfte zu entlasten und ihnen eine Verschnaufpause zu ermöglichen. Diese Kooperation und der Austausch von Wissen sind ein zentraler Bestandteil des Einsatzes.“

Was der Einsatz für Düsseldorf bedeutet

Während ihre Kollegen in Spanien kämpfen, bleibt die Frage: Wie sicher ist die Feuerwehrversorgung in Düsseldorf selbst? Die Stadtverwaltung und die Feuerwehrführung geben hier klare Entwarnung. „Die Entsendung ist sorgfältig geplant und hat keine Auswirkungen auf den Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger“, so ein Sprecher der Feuerwehr Düsseldorf. Die ausrückenden Kräfte sind ausschließlich ehrenamtliche Einsatzkräfte, deren reguläre Arbeitgeber für die Dauer des Einsatzes von ihrer Freistellung wissen.

Der hauptamtliche Dienst in den Düsseldorfer Wachen läuft uneingeschränkt weiter. Zudem sind die Ehrenamtlichen in speziellen, für Auslandseinsätze gebildeten Einheiten organisiert. Ihre Abwesenheit wird durch die übrigen rund 600 aktiven Ehrenamtlichen in der Stadt kompensiert. „Die Solidarität innerhalb der Feuerwehrfamilie ist enorm. Die Kollegen vor Ort werden die zusätzlichen Schichten mittragen“, ist sich Sarah Bergmann sicher.

Trotzdem zeigt der Einsatz etwas Grundsätzliches auf: Die Folgen der Klimakrise sind auch für eine deutsche Großstadt wie Düsseldorf spürbar, wenn auch indirekt. Sie binden Ressourcen und erfordern ein Umdenken in der Katastrophenvorsorge. Die Stadt unterstützt den Einsatz nicht nur ideell, sondern auch finanziell, da die Kosten für Ausrüstung, Transport und Verpflegung von der EU und letztlich auch von den Mitgliedsstaaten getragen werden.

Die menschliche Dimension hinter der Mission

Hinter der technischen und organisatorischen Logistik stehen 48 persönliche Geschichten. Für die meisten ist es der erste derartige Auslandseinsatz. Die Stimmung vor dem Abflug war eine Mischung aus konzentrierter Vorbereitung, freudiger Aufregung und dem Bewusstsein für die ernste Lage in Spanien. Die Einsatzkräfte haben sich intensiv vorbereitet, nicht nur in Übungen, sondern auch mit Sprachführern und kulturellen Briefings.

„Meine Kinder sind stolz, aber auch ein bisschen besorgt“, erzählt einer der Feuerwehrmänner, während er sein Gepäck verstaut. „Ich habe ihnen erklärt, dass wir helfen gehen, weil die Menschen dort gerade dringend Hilfe brauchen – so wie wir sie auch einmal brauchen könnten.“ Diese Haltung der gegenseitigen Hilfe ist der Kern des europäischen Gedankens, der in Krisenzeiten praktische Bedeutung bekommt.

Die Familien der Einsatzkräfte werden in den kommenden zwei Wochen von einem speziellen Betreuungsteam der Feuerwehr unterstützt. „Es ist wichtig, dass die Daheimgebliebenen wissen, dass sie nicht alleine sind und sich bei Fragen an uns wenden können“, so der Feuerwehrsprecher.

Ein Zeichen gelebter europäischer Solidarität

Der Einsatz der Düsseldorfer Feuerwehr ist mehr als eine technische Hilfsleistung. Er ist ein konkretes, sichtbares Zeichen dafür, dass in Europa niemand mit einer großen Katastrophe alleingelassen wird. Während auf politischer Ebene oft über Solidarität diskutiert wird, leben sie diese Ehrenamtlichen ganz praktisch vor.

Ihre Arbeit unterstreicht auch die wachsende Bedeutung des Ehrenamtes im Bevölkerungsschutz. Ohne das Engagement tausender Freiwilliger in ganz Deutschland wäre eine solch flexible und leistungsstarke Hilfe nicht möglich. Sie opfern ihren Urlaub oder nehmen unbezahlte Freistellung, um in der Ferne zu helfen.

In etwa zwei Wochen werden die Einsatzkräfte zurückerwartet. Mitgebracht werden sie nicht nur Erfahrungen mit einer extremen Brandlage, sondern auch Geschichten von der Zusammenarbeit mit spanischen Kollegen und der Dankbarkeit der Bevölkerung. Ihre Arbeit in Galicien wird die Brände nicht für immer stoppen, aber sie wird Menschen und Natur in einem akuten Notstand schützen und den lokalen Rettern eine dringend benötigte Atempause verschaffen. Für Düsseldorf bleibt ihre Reise ein starkes Symbol: dass Hilfe keine Grenzen kennt und dass die Feuerwehr, ob haupt- oder ehrenamtlich, immer ein verlässlicher Partner in der Not ist – egal ob am Rhein oder in Galicien.


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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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