Sie stehen dicht gedrängt auf dem Geschwister-Scholl-Platz. Die Luft vibriert vor Enttäuschung und Energie. Etwa 4.000 junge Menschen, so schätzt es die Münchner Polizei, sind am Samstag dem Aufruf des Bündnisses «Gen Z regelt» gefolgt. Sie sind gekommen, um ihrer Wut über politische Entscheidungen eine kollektive Stimme zu geben. Vor der monumentalen Fassade der Ludwig-Maximilians-Universität skandieren sie, was viele von ihnen privat schon lange denken. «Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt», steht auf einem Banner im Zentrum der Menge.
Die Bewegung «Gen Z regelt» hatte bundesweit zu einem Aktionstag für mehr Generationengerechtigkeit aufgerufen. In München blieb die Kundgebung friedlich. Das war nicht selbstverständlich. Nach Ausschreitungen bei ähnlichen Protesten in Frankreich und Italien gab es auch hier Sorgen. In der noblen Maximilianstraße hatten einige Geschäftsleute vorsorglich ihre Schaufenster mit Holzplatten verbarrikadiert. Die Organisatoren hatten sich jedoch klar von Gewalt distanziert. «Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme», betonten sie. Die Münchner Polizei überwachte das Geschehen. Ihre Bilanz am Ende des Tages war ruhig.
Die Redner auf der Bühne trafen den Nerv der Versammelten. «Was geht Gen Z?», rief die erste Rednerin in die Menge. Die Antwort lieferten die Plakate im Publikum. «Für unsere Zukunft» war dort zu lesen. Oder auch «Geht selbst an die Front». Die Themen sind für diese Generation existenziell. Sie fordern:
- mehr Teilhabe an politischen Entscheidungen
- Investitionen in marode Schulen
- ein funktionierendes Bildungssystem
- keine Wiedereinführung der Wehrpflicht
- ernsthaften Klimaschutz
- eine friedliche, schöne und bezahlbare Zukunft
Elma Sacirovic ist 29 Jahre alt und hält ein selbstgemaltes Plakat hoch. Darauf ist Bundeskanzler Friedrich Merz als Clown zu sehen. «Der Merz ist ein Scherz!» steht daneben. «Ich bin hier, weil wir jungen Menschen keine Zukunft mehr haben», sagt sie. Ihre Sorge ist konkret. «Bei den Reformen, beim Klimaschutz und bei der Wehrpflicht ist die Jugend vergessen worden. Wir wollen keinen Krieg. Wir wollen eine friedliche, schöne und bezahlbare Zukunft.» Für sie ist die Demonstration ein notwendiges Signal an die Machthaber in Berlin. Ein Signal, das nach ihrer Wahrnehmung sonst nicht ankommt.
Dieses Gefühl, nicht gehört zu werden, verbindet viele hier. Bjarne Wolter ist 22. Er sieht die Proteste als logische Konsequenz politischer Ignoranz. «Es geht auch um meine Zukunft. Denn wir sind die Menschen, die dieses Land erben werden.» erklärt er. Er vermisst echte Vertretung. «In der aktuellen Bundesregierung gibt es niemanden, der die Meinungen junger Menschen repräsentiert. Wir fühlen uns nicht gehört. Deshalb sind wir heute hier.» Seine Kritik richtet sich nicht gegen eine einzelne Partei. Sie zielt auf ein System, das junge Wähler und ihre Lebensrealitäten oft als Randthema behandelt.
Das Publikum ist überwiegend jung, viele sind deutlich unter 30. Doch man sieht auch ältere Gesichter in der Menge. Menschen, die mit eigenen Plakaten ihre Solidarität bekunden. Die Sicherheitsbehörden hatten vor einer möglichen Unterwanderung durch extremistische Gruppen gewarnt. In München blieb diese Befürchtung am Samstag jedoch folgenlos. Der Protest trug das klare Gesicht einer enttäuschten, aber politisch wachen Jugend.
Die Stimmung ist weniger hasserfüllt als vielmehr von einer tiefen Frustration geprägt. Eine junge Frau bringt es auf der Bühne auf den Punkt. «Wir sind es leid, dass ausgerechnet bei uns gespart wird, während die Superreichen weiterhin um die Welt jetten», ruft sie. Sie spricht die kaputten Schultoiletten an, die undichten Dächer, die veraltete Technik. Diese Zustände seien ein Sinnbild dafür, «was wir der Politik wert sind – nämlich gar nichts.» Sie wehrt sich gegen das Klischee der unmündigen, nur am Handy hängenden Generation. «Tatsächlich erheben wir jetzt die Stimme. Und das lautstark, damit das auch der letzte Boomer checkt.»
Nach den Reden setzte sich ein Demonstrationszug in Bewegung. Er zog von der Universität die Leopoldstraße hinauf zur Münchner Freiheit und wieder zurück. Der Verkehr wurde kurzzeitig umgeleitet. Anwohner schauten aus den Fenstern. Es war ein lautstarker, aber geordneter Spaziergang durch das Herz von Schwabing. Die Polizei begleitete den Zug. Es gab keine Zwischenfälle.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | Gen Z regelt – Aktionstag für mehr Generationengerechtigkeit |
| Teilnehmerzahl | ca. 4.000 |
| Hauptforderungen | Bildung, Klimaschutz, Teilhabe |
| Veranstaltungsort | Geschwister-Scholl-Platz, München |
| Organisatoren | Bündnis Gen Z regelt |
| Stimmung | Friedlich, lautstark, frustriert |
Die Demonstration von «Gen Z regelt» in München ist mehr als ein einzelnes Event. Sie ist ein Symptom für eine wachsende Kluft. Auf der einen Seite steht eine Generation, die mit multiplen Krisen aufwächst: Klimawandel, Pandemie, Wohnungsnot, internationale Konflikte. Auf der anderen Seite erleben sie eine Politik, die aus ihrer Sicht zu langsam, zu halbherzig oder an ihren Bedürfnissen vorbei agiert. Der Protest auf dem Geschwister-Scholl-Platz war die Bühne für diesen Konflikt. Die jungen Menschen fordern nicht nur symbolische Gesten. Sie fordern einen grundlegenden Kurswechsel. Sie wollen, dass ihre Zukunft nicht länger verhandelbar ist.
Ob die Politik in Berlin oder im Münchner Rathaus diese Botschaft hört, bleibt offen. Die rund 4.000 Demonstrierenden in München haben ihr Anliegen jedenfalls unüberhörbar gemacht. Sie sind von ihren Bildschirmen auf die Straße gegangen. Sie haben gezeigt, dass ihre politische Energie sehr real ist. Jetzt liegt es an den Entscheidungsträgern, zu beweisen, dass sie diese Energie ernst nehmen. Die Generation Z wird genau hinschauen. Sie hat deutlich gemacht, dass sie bereit ist, laut zu werden, wenn man sie weiter ignoriert.