ADAC warnt: Keine Elterntaxis zum Schulstart
Die letzte Sommerferienwoche in Düsseldorf geht zu Ende. Am Dienstag, dem 2. September, füllen sich die Schulhöfe in allen Stadtteilen wieder mit Leben. Mit dem nahenden Schulbeginn richtet der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) einen dringenden Appell an alle Eltern: Bitte verzichten Sie auf das sogenannte Elterntaxi und bringen Sie Ihre Kinder nicht mit dem Auto bis vors Schultor.
Diese wiederholte Mahnung ist mehr als nur ein freundlicher Ratschlag. Sie zielt auf ein verkehrspolitisches und soziales Problem, das jedes Jahr zu Schulbeginn in Düsseldorf wie in vielen anderen deutschen Städten deutlicher wird. Die morgendliche Verkehrssituation vor Grundschulen wie der GGS Südallee in Oberkassel, der Paul-Klee-Schule in Gerresheim oder der Katholischen Grundschule Mettmanner Straße in Flingern wird durch dicht gedrängte Autos, riskante Wendemanöver und hetzende Eltern gefährlich unübersichtlich.
Die konkrete Gefahr vor dem Schultor
„Das Elterntaxi kann gefährlich für andere Schulkinder werden“, bringt es ADAC-Sprecher Thomas Müther auf den Punkt. Die Statistik gibt ihm Recht. Laut einer Erhebung der Deutschen Verkehrswacht sind die Schulwege von Kindern im Grundschulalter besonders gefährdet. Obwohl die Unfallzahlen insgesamt sinken, passieren immer noch rund 30 Prozent aller Schulwegunfälle in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr morgens – der klassischen „Bring-Zeit“. In Nordrhein-Westfalen verunglückten im letzten erfassten Jahr über 700 Kinder auf dem Schulweg im Straßenverkehr.
In Düsseldorf verdichten sich diese Risiken vor den Schulgebäuden. Der Verkehr staut sich in engen Seitenstraßen in Pempelfort, Bilk oder Rath. Kinder, die zu Fuß kommen, müssen sich zwischen parkenden und anfahrenden Autos hindurchschlängeln. Die Sicht für alle wird durch die vielen Fahrzeuge blockiert. Ein aus der Tür springendes Kind oder ein zwischen Autos hervorlaufender Schüler wird für andere Autofahrer zur unsichtbaren Gefahr. „Aber auch dem eigenen Kind hilft das nicht“, ergänzt Müther. Diese tägliche Fahrt bis zur Schultür verwehrt Kindern eine entscheidende Lernerfahrung.
Der Verlust an Selbstständigkeit und Gemeinschaftsgefühl
Was auf den ersten Blick wie fürsorgliche Bequemlichkeit aussieht, hat langfristige soziale Folgen für die Kinder und das Stadtleben. Kinder, die regelmäßig gefahren werden, lernen nicht, sich selbstständig und sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Sie entwickeln kein Gefühl für Entfernungen, Geschwindigkeiten und Risiken. Diese Kompetenz ist jedoch essenziell, nicht nur für den Schulweg, sondern für ihre gesamte Mobilität in der Stadt.
Zudem fehlt ihnen ein wichtiges Stück sozialen Lernens und Gemeinschaftsgefühls. Der gemeinsame Fußweg mit Klassenkameraden von der Haltestelle der Rheinbahn oder aus dem eigenen Stadtteil ist mehr als nur Fortbewegung. Hier werden Freundschaften gepflegt, die neuesten Ereignisse besprochen und ein erstes Stück Unabhängigkeit von den Eltern erlebt. Diese informellen, nicht organisierten Sozialkontakte sind ein wertvoller Kitt für die Klassengemeinschaft und das Leben im Stadtteil. Sie finden im Elterntaxi nicht statt.
Praktische Alternativen und der „Hol- und Bring-Zonen“-Kompromiss
Der ADAC und zahlreiche Düsseldorfer Initiativen wie „Zu Fuß zur Schule“ wissen, dass es nicht immer einfache Alternativen gibt. Berufstätige Eltern unter Zeitdruck, lange oder als unsicher empfundene Schulwege, etwa an vielbefahrenen Straßen wie der Grafenberger Allee oder der Ludenberger Straße, sind realistische Herausforderungen.
Für diese Fälle hat der ADAC eine klare und praktikable Empfehlung: „Wenn es keine Alternative zum Elterntaxi gibt, sollten Eltern ihre Kinder ein Stück entfernt von der Schule absetzen.“ Diese Idee wird in vielen Kommunen, auch in ersten Ansätzen in Düsseldorf, als „Hol- und Bring-Zone“ umgesetzt. Dabei werden etwa 200 bis 300 Meter vor der Schule legale Haltezonen eingerichtet oder empfohlen.
Der Effekt ist mehrfach positiv: Vor der Schule selbst wird es übersichtlicher und sicherer, weil der dichte Autoverkehr fehlt. Die Kinder legen den letzten Teil des Weges gemeinsam zu Fuß zurück und sammeln so doch noch wichtige Erfahrungen. Sie lernen, eine Straße selbstständig zu überqueren, auf Gehwege zu achten und mit anderen Fußgängern zu interagieren. „Dann ist es vor der Schule übersichtlicher und die Kinder lernen, selbstständig im Straßenverkehr zu werden“, so Müther.
Was die Stadt Düsseldorf tun kann – und was Eltern jetzt sofort umsetzen können
Die Lösung des Elterntaxi-Problems liegt in einem gemeinsamen Ansatz aus Stadtplanung, Schulinitiativen und elterlicher Einsicht. Die Stadt kann durch verkehrsberuhigte Zonen vor Schulen, klar markierte und sichere Fußgängerüberwege sowie die Förderung von Schülerlotsendiensten die Infrastruktur verbessern. Projekte wie „walking buses“, bei denen Kinder in einer Gruppe entlang einer festen Route zur Schule laufen, verdienen mehr Unterstützung.
- Verkehrsberuhigte Zonen vor Schulen
- Klare Markierung von Fußgängerüberwegen
- Förderung von Schülerlotsendiensten
- Einführung von „walking buses“
- Schaffung sicherer Haltezonen
- Aufklärung über Schulwegsicherheit
Eltern können bereits in dieser letzten Ferienwoche aktiv werden. Probieren Sie den Schulweg mit Ihrem Kind gemeinsam zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus aus. Identifizieren Sie sichere Wege und potenzielle Gefahrenstellen. Sprechen Sie mit anderen Eltern aus der Nachbarschaft über eine Fahrgemeinschaft für den Fall der Fälle, die aber an einer Hol-Zone endet. Organisieren Sie sich vielleicht sogar für einen alternativen „Laufbus“.
Die Entscheidung gegen das Elterntaxi ist am Ende eine Entscheidung für die Sicherheit aller Kinder vor der Schultür, für die Selbstständigkeit des eigenen Nachwuchses und für ein lebenswerteres, weniger verstopftes und stressfreieres Düsseldorf in den Morgenstunden. Der Schulbeginn ist eine gute Gelegenheit, neue Routinen einzuüben – Routinen, die Kindern Flügel verleihen, anstatt sie immer nur hinters Steuer zu setzen.
| Aspekte | Vorteile |
|---|---|
| Verkehrsberuhigte Zonen | Erhöhung der Sicherheit für Kinder |
| Fußgängerüberwege | Verbesserte Sichtbarkeit und Sicherheit |
| Schülerlotsendienste | Unterstützung beim Überqueren der Straße |
| Walking Buses | Förderung sozialer Kontakte |
| Haltezonen | Entlastung des Schulverkehrs |
| Gemeinsame Schulwege | Stärkung der Selbstständigkeit von Kindern |