Es ist kurz vor 21 Uhr in der Dortmunder „Roten Erde“. Der Duft von Bratwurst und Bier hängt noch in der Luft, doch die Blicke sind auf den Rasen gerichtet. Dort springt Alexandra Popp (35) singend vor der Südtribüne mit ihren Teamkolleginnen auf und ab. Die Stimmung ist elektrisierend, ein Gefühl, das an viele große Abende im benachbarten Signal-Iduna-Park erinnert, aber heute einem neuen Kapitel gilt: Popps Heimspieldebüt für Borussia Dortmunds Frauenfußball-Team.
Mit zwei Kopfballtoren hatte die Olympiasiegerin und ehemalige Nationalspielerin maßgeblich zum 3:0-Auftaktsieg gegen die Arminia aus Bielefeld beigetreten. Das Finale war jedoch eine ausgedehnte „dritte Halbzeit“ mit den Fans. „Die Popp-Mania hat Dortmund erreicht“, stellt ein Vereinsvertreter fest. Und sie verändert sichtbar die Landschaft des Frauenfußballs in der Region.
Ein neues Publikum und eine veränderte Dynamik
Der Andrang an diesem Donnerstagabend war außergewöhnlich. Über 4.500 Zuschauer füllten das urige Stadion Rote Erde, das normalerweise der U23 der Männer als Heimspielstätte dient. Diese Zahl übertrifft die Zuschauerzahlen fast aller Bundesligisten in der Frauen-Bundesliga und wird in der 3. Liga nur von den Bundesligisten Union Berlin und dem Hamburger SV getoppt. Rund 1.700 davon sind Dauerkarteninhaber – eine treue Basis, die nun um viele neue Gesichter erweitert wird.
„Das sieht nach Vorfreude aus, Alex“, hatte ein Reporter sie vor dem Spiel begrüßt. „Ja, natürlich“, antwortete Popp mit einem Grinsen. Diese Vorfreude war gegenseitig. Schon vor Anpfiff zeigte sich der „Popp-Effekt“ am Fanartikel-Truck. Das Trikot mit der Nummer 11 und ihrem Namen auf dem Rücken liegt laut Verkäufern aktuell unter den Top Ten der gefragtesten Dortmunder Trikots – und das in einem Umfeld, das von den Stars der Männer-Bundesliga dominiert wird.
- Alexandra Popp singt vor der Südtribüne.
- 3:0-Sieg gegen Bielefeld.
- Über 4.500 Zuschauer im Stadion.
- Trikot mit Nummer 11 unter den Top Ten.
- 1.700 Dauerkarteninhaber.
- Neue Gesichter unter den Fans.
„Poppi war schon immer mein Idol, und ich bin schon lange BVB-Fan“, erklärt die 15-jährige Nina Rennebaum aus Menden, die stolz ihr neues Trikot trägt. „Als sie gesagt hat, dass sie zu uns wechselt, dachte ich nur: Wow! Jetzt sind ihre Spiele viel näher bei uns.“ Diese Aussage spiegelt einen zentralen Punkt wider: Popp, gebürtig aus dem nahen Gevelsberg, bringt den Weltklassefußball nicht nur sportlich, sondern auch emotional nach Hause ins Ruhrgebiet. Für viele junge Mädchen und Jungen wird ein Role Model plötzlich greifbar.
Mehr als ein sportlicher Coup: Ein kulturelles Signal
Die Verpflichtung von Alexandra Popp durch Borussia Dortmund im Sommer war weit mehr als ein sportlicher Transfer. Es war ein deutliches Statement des Vereins, den Frauenfußball ernst zu nehmen und ihm eine prominente Bühne zu bieten. Popp selbst, eine der identitätsstiftendsten Figuren des deutschen Frauenfußballs der letzten Jahre, spricht klar aus, was sie damit verbindet: „Wir sind Borussia Dortmund. Und wenn wir erfolgreich sein wollen, heißt es malochen. Wenn Borussia Dortmund für etwas steht, dann ist es malochen.“
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Spieltag | Bielefeld gegen Dortmund |
| Torhüter | Alexandra Popp |
| Fans | Über 4.500 |
| Dauerkarteninhaber | 1.700 |
| Journalisten | 45 akkreditiert |
| Internationales Echo | Vertreter von „The Athletic“, „New York Times“ und „UOL“ |
Die Herausforderung: Erwartungen managen und nachhaltig aufbauen
Die Euphorie ist groß, doch sie bringt auch Herausforderungen mit sich. Das Team um Trainer Högner spielt in der 3. Liga und muss sich sportlich erst für höhere Gefilde empfehlen. Der Druck, jede Woche vor vollen Rängen zu spielen und mit Popp sofort durchzustarten, ist da. Das Spiel gegen Bielefeld war, wie Popp selbst sagte, ein „Geduldsspiel“. Der Gegner verteidigte lange gut, Chancen wurden vergeben.
„Alex war manchmal zu tief, weil sie Bälle haben wollte. Das verstehe ich, aber wir wollen sie in der Box haben“, analysierte Högner. Am Ende fanden sie sie dort – zweimal per Kopf. Diese Effizienz wird entscheidend sein. Die Erwartungshaltung der neuen Fans, die vielleicht primär wegen Popp kommen, muss mit der Realität eines jungen Teams in einem sportlich harten Wettbewerb in Einklang gebracht werden.
Auch der Verein steht vor logistischen Fragen. Die Nachfrage nach Tickets und Fanartikeln übertrifft möglicherweise die Planungen. Popp musste nach dem Spiel junge Fans enttäuschen, die ein signiertes Trikot von ihr erbaten: Als Drittligist hat der BVB pro Spielerin nur zwei Trikots pro Saison eingeplant. „Wir dürfen es also nicht weggeben. Aber am Saisonende bekommt es mein Bruder“, erklärte sie mit einem Augenzwinkern. Solche kleinen Episoden zeigen, wie schnell die neue Popularität auch neue Anfragen und Bedürfnisse schafft.
Eine Chance für den Dortmunder Sport und die Gemeinschaft
Langfristig bietet der „Popp-Effekt“ eine historische Chance. Er kann helfen, den Frauenfußball in Dortmund und dem gesamten Ruhrgebiet dauerhaft in der öffentlichen Wahrnehmung und in den Herzen der Menschen zu verankern. Die Bilder von Popp, die nach dem Spiel unzählige Selfies macht und Autogramme gibt, sind dabei genauso wichtig wie ihre Tore. Sie zeigt Präsenz, Verbundenheit und schafft persönliche Momente.
„Es sind so viele im Stadion“, sagte sie bewegt. „Die mehr als 300 Kilometer nach Wolfsburg zu fahren, war nicht immer so einfach. Schön, jetzt alle bei sich zu haben. Auch das macht es besonders.“ Diese regionale Verwurzelung ist ein starkes Fundament. Für die Stadt Dortmund bedeutet es ein zusätzliches, hochkarätiges Sportevent, das Familien anlockt und Gemeinschaft stiftet. Für junge Sportlerinnen in den Vereinen der Region schafft es ein nahes, greifbares Vorbild.
Als Alexandra Popp kurz vor 22 Uhr schließlich in die Kabine geschickt wurde, „damit die Popp-Mania gar kein Ende nimmt“, wie es hieß, ging ein erster, beeindruckender Akt zu Ende. Die Mission, Borussia Dortmunds Frauenfußball neu auf die Karte zu setzen, ist mit diesem Debüt spektakulär gestartet. Der Weg nach oben in der Liga ist noch lang, aber die Reise hat vor heimischem Publikum und mit einer begeisterten Gemeinschaft begonnen. Die Rote Erde hat an diesem Abend nicht nur ein Fußballspiel gesehen, sondern den Beginn einer neuen Ära.