Es ist erschreckend, wenn aufgebrachte Menschenmengen durch die Straßen ziehen und du dir plötzlich fragst: Wer steht hier eigentlich auf welcher Seite? Der kürzlich veröffentlichte Bericht der Recherchestelle Rias Thüringen zeigt ein düsteres Bild. Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr, sondern Alltag für viele Jüdinnen und Juden im Freistaat. Mit 418 gemeldeten Vorfällen in 2025 erreichen die Zahlen einen traurigen Höchststand.
Besonders bedrückend ist die schiere Bandbreite der Aggression. Timo Galki von Rias Thüringen fasst es nüchtern zusammen: „Der Antisemitismus sei inzwischen alltagsprägend für viele Betroffene.“ Es reicht von 45 Sachbeschädigungen bis hin zu vier brutalen körperlichen Angriffen. Ein junger Mann in Erfurt wurde allein wegen seiner Davidsternkette zusammengeschlagen. Zugleich greife, so Galki, ein rechtsextremer Antisemitismus gezielt die Erinnerungskultur an. Michael Panse, der Landesbeauftragte, beobachtet eine sinkende Hemmschwelle: „Es muss klar werden, dass es eine rote Linie gibt.” Besonders verstörend waren für ihn Vorfälle bei den Demokratieprotesten gegen die AfD in Erfurt. Hier wurden sogar Informationsstände von Rias angefeindet. Panse sagt deutlich: „Ich habe kein Verständnis dafür, wenn Antisemiten vor der Halle gegen Antisemiten in der Halle demonstrieren.”
Ich erinnere mich an eine Gedenkveranstaltung in Weimar, bei der die Stille von bedrohlichen Parolen aus der Ferne gestört wurde. Es ist ein beklemmendes Gefühl, wenn Hass so allgegenwärtig wird. Die vier Erfurter Bundestagsabgeordneten fordern zu Recht von allen Protestierenden eine kritische Aufklärung, denn: Diese klare Haltung ist heute wichtiger denn je. Der Bericht zeigt, dass der Kampf gegen Judenhass keine Frage der politischen Couleur ist, sondern eine grundlegende Prüfung für unsere gesamte Gesellschaft. Die Frage ist nicht mehr, ob es ihn gibt, sondern wie wir ihm entschlossener als je zuvor entgegentreten.
- 418 gemeldete Vorfälle in 2025
- 45 Sachbeschädigungen
- 4 brutale körperliche Angriffe
- Angriff auf einen jungen Mann wegen Davidsternkette
- Sinkende Hemmschwelle bei antisemitischen Vorfällen
- Proteste gegen AfD und deren Verbindung zu Antisemitismus
| Vorfall | Anzahl |
|---|---|
| Sachbeschädigungen | 45 |
| Körperliche Angriffe | 4 |
| Gesamtzahl der Vorfälle | 418 |