Es war dieser Moment der Stille, kurz bevor der erste Zaubertrick beginnt, der die besondere Atmosphäre im Apollo Varieté ausmacht. Das gedimmte Licht, das samtrote Interieur, die erwartungsvolle Spannung im Saal. Und dann, am vergangenen Wochenende, passierte es wieder: Auf der Bühne verschwand ein Mensch buchstäblich in Rauch, eine riesige Eis-Skulptur zerfiel zu nichts als einem zarten Nebelschleier, und eine simple Rolle Toilettenpapier tanzte ein Eigenleben, das das Publikum zwischen ungläubigem Staunen und herzhaftem Lachen hin und her riss. Die Premiere der neuen Show „It’s a Kind of Magic“ war mehr als nur eine Theateraufführung; sie war ein lebendiges Versprechen an die Düsseldorfer Kulturlandschaft, dass die Magie des Live-Erlebnisses hier in der Altstadt weiterhin ihren festen Platz hat.
In einer Zeit, in der digitale Unterhaltung jederzeit verfügbar ist, setzt das traditionsreiche Haus am Apollo-Platz bewusst auf das Analoge, das Handgemachte, das direkt vor den Augen des Publikums passiert. „Wir wollen die Menschen wieder daran erinnern, wie es sich anfühlt, live dabei zu sein, wenn etwas Unmögliches möglich wird“, erklärt Hausdirektorin Lena Schröder in der Pause. „Das teilt man nicht auf dem Handy, das atmet man im gemeinsamen Saal.” Das Konzept geht auf. Seit der Wiedereröffnung des Hauses nach umfangreichen Renovierungen vor drei Jahren verzeichnet das Varieté steigende Besucherzahlen. Über 70.000 Gäste sahen im vergangenen Jahr die Shows – ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein klares Signal, dass der Wunsch nach gemeinsamem, staunendem Erleben in Düsseldorf ungebrochen ist.
Die neue Produktion „It’s a Kind of Magic“ ist eine Hommage an die klassische Zauberkunst, die jedoch mit modernen, oft komödiantischen Elementen bricht. Statt des mysteriösen Magiers im Frack ist es ein charmant überforderter Illusionist, gespielt vom Berliner Künstler Felix Wunderlich, der das Publikum auf eine Reise durch die Absurdität des Alltags mitnimmt. „Die größte Magie ist oft die, die wir übersehen,” sagt Wunderlich nach der Show. „Eine Rolle Klopapier, die nicht tut, was sie soll – das kennt doch jeder.” Wir übertreiben es nur ein bisschen und machen daraus eine Illusion.“ Dieser Ansatz, Magie aus dem Alltäglichen zu schöpfen, kommt an. Besonders die Familien und jüngeren Besucher in den vorderen Reihen folgten der turbulenten Handlung mit sichtlicher Begeisterung.
Doch hinter der scheinbar mühelosen Leichtigkeit auf der Bühne steckt harte Arbeit und ein klares kulturelles Bekenntnis der Stadt. Das Apollo Varieté wird durch ein Mix aus privaten Betreibern und städtischen Fördermitteln am Leben erhalten. Die Location im Herzen der Altstadt ist nicht irgendeine Spielstätte; sie ist ein kulturhistorisches Wahrzeichen, das wie kaum ein zweiter Ort das lebendige, unterhaltsame Düsseldorf verkörpert. „Die Entscheidung, dieses Haus nicht nur zu erhalten, sondern aktiv zu fördern, war eine bewusste Weichenstellung für die Kulturvielfalt unserer Stadt,” betont Kulturamtsleiter Dr. Markus Vogel. „Es geht um mehr als Unterhaltung. Es geht um einen Ort der Gemeinschaft, der Menschen aller Generationen zusammenbringt.”
Genau diese Gemeinschaft war bei der Premiere greifbar. Vom begeisterten Grundschulkind bis zum älteren Ehepaar, das bereits die Shows der 80er Jahre im Apollo kennt – das Publikum war so bunt gemischt wie die Tricks auf der Bühne. „Ich komme seit meiner Kindheit hierher,” erzählt der 68-jährige Düsseldorfer Walter Graef. „Früher mit meinen Eltern, heute mit meinen Enkeln. Die Magie ist dieselbe, nur die Art, sie zu erzählen, hat sich verändert. Das ist gut so. Es hält das Haus jung.” Diese generationenübergreifende Anziehungskraft ist ein wesentlicher Pfeiler des Erfolgs. In einer sich ständig wandelnden Stadt wie Düsseldorf, in der Neubauten das Bild prägen, bietet das Apollo eine Konstante – einen vertrauten Ort für neue Wunder.
Die Show selbst besticht durch ihre Vielfalt. Nach der komödiantischen Zauberei folgt eine atemberaubende Manipulationsnummer, bei der Spielkarten in den Händen des Künstlers zu leben scheinen. Anschließend verwandelt eine Tänzerin ihren Körper in scheinbar unmöglichen Posen, begleitet von einer live gespielten Filmmusik-Komposition. Es ist dieser Mix aus Disziplinen – Zauberei, Musik, Tanz und Schauspiel –, der das Varieté-Format so einzigartig macht. Regisseurin Clara Bergmann beschreibt es als „kulinarischen Abend für die Sinne.” Wir servieren keine Hauptspeise, sondern viele kleine, überraschende Gänge. Jeder findet etwas, das ihn berührt.
Für die Stadt Düsseldorf ist der anhaltende Erfolg des Apollo Varieté auch ein wichtiger wirtschaftlicher und touristischer Faktor. Das Haus beschäftigt über 50 feste und freie Mitarbeiter, von Technikern über Gastronomen bis zu den Künstlern. Es zieht nicht nur Locals an, sondern auch Touristen, die neben der Altstadt-Kneipentour auch ein hochwertiges Kulturprogramm suchen. In einer aktuellen Besucherbefragung gaben 22 Prozent der Gäste an, extra für den Varieté-Besuch nach Düsseldorf gereist zu sein. Das unterstreicht die Strahlkraft des Hauses weit über die Stadtgrenzen hinaus.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Besucherzahlen 2022 | 70,000 |
| Prozentuale Steigerung | 15% |
| Mitarbeiter | 50+ |
| Künstler | Verschiedene Disziplinen |
| Besucher aus anderen Städten | 22% |
| Renovierung | Vor drei Jahren |
Am Ende des Premierenabends steht das Publikum zu einer minutenlangen stehenden Ovation auf. Der Zauber hat gewirkt. Menschen, die sich vor zwei Stunden fremd waren, tauschen lächelnd Blicke des gemeinsamen Erstaunens aus. In einer oft gespaltenen Welt schafft es diese simple, alte Kunstform, einen Raum der puren, unverfälschten Verwunderung zu schaffen. „It’s a Kind of Magic” ist mehr als ein Titel. Es ist eine Einladung, das Wunder im Alltäglichen wiederzuentdecken – und dafür einen der schönsten Kulturorte Düsseldorfs zu nutzen. Die Show läuft vorerst bis Ende der Spielzeit 2025. Und wer weiß, welche alltäglichen Gegenstände bis dahin noch ein unerwartetes Eigenleben auf der Bühne am Apollo-Platz entwickeln werden. Die Magie, so scheint es, ist zurück in der Altstadt.