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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Berlin’s New Space Hub: Satellite Production Takes Off
Berlin

Berlin’s New Space Hub: Satellite Production Takes Off

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 3, 2026 1:01 p.m.
Julia Becker
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Von Waldbränden bis Meeresverschmutzung: Planet Labs produziert in Berlin-Charlottenburg künftig Satelliten, die globale Veränderungen nahezu in Echtzeit sichtbar machen. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/134210 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.
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Ein neues Zeitalter der Erdbeobachtung beginnt in Charlottenburg. Wo früher der Rüstungsbetrieb der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken stand, entsteht heute eine Hightech-Fertigung für den Blick vom All auf unsere Erde. Der deutsch-US-amerikanische Raumfahrtpionier Planet Labs baut auf rund 5.000 Quadratmetern seinen „European Space Hub“ – eine moderne Produktionsanlage für Satellitenkomponenten und Teleskope. Das auf Bauprojekte spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE steuert das ambitionierte Vorhaben. Dies ist nicht nur ein Prestigeprojekt für den Wirtschaftsstandort Berlin, sondern ein konkreter Schritt in eine Zukunft, in der Satellitendaten unser aller Leben zunehmend prägen werden. Vom Klimamonitoring über die Verkehrssteuerung bis zur Frühwarnung vor Umweltkatastrophen – die hochauflösenden Bilder aus dem All werden zur kritischen Infrastruktur für Städte und Gemeinden.

Der neue Hub in der Sömmeringstraße soll Labor-, Reinraum- und Büroflächen für die Montage, Integration und Prüfung der neuesten Satellitengeneration, der „Pelican“-Satelliten, bieten. Herzstück werden hochspezialisierte Reinräume der ISO-Klassen 6 und 7 sein. Hier, unter strikter Kontrolle von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Partikelkonzentration, entstehen Sensoren, Optiken und Elektronik, die später die Erde in nie dagewesener Detailtiefe und Geschwindigkeit beobachten sollen. „Unser European Space Hub bringt Satellitenfertigung, Engineering, Mission Operations und Business Operations an einem Standort zusammen“, erklärt Martin Polak, Geschäftsführer von Planet Labs Germany, in einer Unternehmensmitteilung. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, Innovationen schneller in operative Fähigkeiten zu überführen und Europas langfristige technologische und industrielle Handlungsfähigkeit im Weltraum zu stärken.“ Für Berlin bedeutet das konkret: Das Team am Standort Kurfürstendamm, seit über zehn Jahren Europazentrale des Unternehmens, soll von derzeit etwa 150 auf bis zu 220 Mitarbeitende wachsen.

Hintergrund: Warum Berlin und warum jetzt?

Die Ansiedlung von Planet Labs in Berlin ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten europäischen Strategie und wachsender staatlicher Nachfrage. Erst im Jahr 2025 schloss das Unternehmen einen Vertrag über Satellitenaufklärung mit der Bundesregierung im Wert von 240 Millionen Euro ab. Dieser Deal unterstreicht den strategischen Wert, den die Politik satellitengestützten Daten beimisst. Planet Labs, 2010 von drei ehemaligen NASA-Wissenschaftlern in San Francisco gegründet und heute an der New Yorker Börse notiert, betreibt die weltweit größte Flotte von Erdbeobachtungssatelliten.

Die Daten werden längst nicht mehr nur für klassische Kartendienste genutzt. Ihre Einsatzgebiete reichen vom Monitoring landwirtschaftlicher Flächen und globaler Lieferketten über die Dokumentation von Umweltverbrechen wie illegaler Müllentsorgung im Meer bis hin zur Unterstützung humanitärer Hilfseinsätze, etwa bei der Analyse von Flüchtlingsbewegungen. Ein lokales Beispiel mit großer Tragweite: Im August 2022 trugen Satellitendaten von Planet Labs maßgeblich dazu bei, die Ursachen des verheerenden Fischsterbens in der Oder zu entschlüsseln. Die Auswertung zeigte erhöhte Chlorophyll-Konzentrationen bereits Wochen vor der Katastrophe nahe der polnischen Stadt Opole – ein Beleg dafür, wie frühzeitige Satellitenanalyse ökologische Krisen hätte antizipieren können. „Je früher ökologische Veränderungen erkannt werden, desto schneller lassen sich Gegenmaßnahmen einleiten“, betont Geschäftsführer Martin Polak.

Berlin positioniert sich mit diesem Projekt bewusst als Hotspot der europäischen „New-Space“-Branche. Diese bezeichnet den von privatwirtschaftlichen Unternehmen und Innovationen getriebenen Sektor der Raumfahrt, der sich von traditionellen, staatlichen Weltraumagenturen abhebt. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger mit dem Titel „Aufholjagd im All“ prognostiziert, dass sich der globale Weltraummarkt bis 2040 von heute knapp 500 Milliarden auf etwa 2.000 Milliarden Euro vervierfachen wird. Für Europa sei die Investition in hochspezialisierte Standorte wie den in Berlin-Charlottenburg eine Voraussetzung, um im Wettrennen mit den USA und China langfristig mithalten zu können. Die Studie mahnt eindringlich zu einem neuen „Mindset“ und mehr Begeisterung für die Potenziale der New-Space-Ökonomie in Deutschland.

Eine Gemeinschaft im Dienst der Wissenschaft: Projektmanagement mit Präzision

Die Verwirklichung einer solchen Hightech-Fertigung ist eine logistische und technische Meisterleistung, die grenzüberschreitendes Teamwork erfordert. Das Projektmanagement liegt bei der Stuttgarter Drees & Sommer SE. „Gerade bei anspruchsvollen Spezialimmobilien und ambitionierten Zeitplänen ist ein präzises Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend“, sagt Rojda Emre, Teamleiterin bei Drees & Sommer. Ihre Teams in Deutschland und den USA koordinieren in enger Abstimmung mit Planet Labs alle Gewerke – von der Bauplanung über die Installation der sensiblen Klimatechnik für die Reinräume bis hin zum Qualitätsmanagement.

Die Anforderungen sind enorm: In den Reinräumen muss die Partikelkonzentration in der Luft dauerhaft auf ein Minimum reduziert werden, um empfindliche Optiken und Elektronik während der Montage nicht zu kontaminieren. „Unsere Erfahrung mit Labor-, Reinraum- und Hightech-Produktions-Projekten stellt sicher, dass wir die ehrgeizigen Qualitätsziele, Terminpläne und technischen Anforderungen zuverlässig in Einklang bringen“, so Emre. Diese Koordination ist die unsichtbare, aber essentielle Grundlage dafür, dass in Charlottenburg künftig Weltraumtechnologie „Made in Berlin“ entstehen kann.

Was bedeutet das für Berlin und seine Bewohner?

Jenseits von Arbeitsplätzen und Wirtschaftsförderung stellt sich die Frage nach dem konkreten Nutzen für die Stadtgesellschaft. Die hier produzierten Satellitenkomponenten liefern Daten, die in Zukunft direkt in das urbane Management einfließen könnten. Stellen Sie sich vor:

  • Die Berliner Verkehrslenkung erhält nahezu in Echtzeit Daten über Staus oder Unfälle
  • Die Grünflächenämter können den Gesundheitszustand der Stadtbäume in allen Bezirken präzise überwachen
  • Die Daten ermöglichen schnelle Reaktionszeiten im Katastrophenschutz
  • Rettungskräfte können überflutete Straßen und beschädigte Infrastrukturen schnell identifizieren
  • Langfristige Stadtplanung wird durch detaillierte Analysen der städtischen Hitzeinsel-Effekte unterstützt
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse können durch satellitengestützte Daten gefördert werden
Einsatzgebiet Beispiele
Klimamonitoring Überwachung von Temperaturveränderungen
Verkehrssteuerung Echtzeitdaten zu Staus
Frühwarnung Analyse von ökologischen Krisen
Landwirtschaft Monitoring von Anbauflächen
Umweltschutz Dokumentation von Umweltverbrechen
Humanitäre Hilfe Analyse von Flüchtlingsbewegungen

Im Katastrophenschutz bieten die Daten lebenswichtige Vorteile. Bei einem schweren Unwetter oder Hochwasser, wie es in Teilen Deutschlands immer häufiger vorkommt, könnten Rettungskräfte auf aktuelle Satellitenbilder zurückgreifen, um überflutete Straßen, beschädigte Infrastrukturen wie Brücken oder abgeschnittene Ortsteile schnell zu identifizieren. Auch für die langfristige Stadtplanung sind die Daten ein Schatz. Sie ermöglichen detaillierte Analysen des städtischen Hitzeinsel-Effekts, der Versiegelung von Flächen oder der Entwicklung von Naturschutzgebieten am Stadtrand. „Nicht zuletzt benötigt die New-Space-Branche individuelle bauliche Lösungen wie Reinräume und Labore, die höchste branchenspezifische Standards erfüllen“, sagt Rojda Emre von Drees & Sommer. „Diese Zukunftsräume wollen wir mit unserer Expertise aktiv mitgestalten.“

Ein Wettlauf mit offenem Ausgang und die Rolle der Gemeinschaft

Das Projekt in Charlottenburg ist ein starkes Signal, aber kein Selbstläufer. Die Roland Berger-Studie warnt deutlich: Europa und insbesondere Deutschland dürfen im globalen Wettbewerb um die Schlüsseltechnologien der Raumfahrt nicht den Anschluss verlieren. Es braucht nicht nur Investitionen, sondern auch eine gesellschaftliche und politische Wertschätzung für die Möglichkeiten, die diese Technologien für Nachhaltigkeit, Sicherheit und wissenschaftlichen Fortschritt bieten.

Hier ist auch die Berliner Stadtgesellschaft gefragt. Solche Hightech-Standorte profitieren von einem lebendigen Ökosystem aus Forschungseinrichtungen wie der Technischen Universität Berlin, innovativen Start-ups und einer offenen, internationalen Atmosphäre. Der Erfolg des European Space Hub wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, talentierte Fachkräfte aus aller Welt nach Berlin zu ziehen und hier zu halten – eine Aufgabe, bei der auch bezahlbarer Wohnraum, gute Schulen und eine funktionierende Infrastruktur eine entscheidende Rolle spielen.

Fazit: Ein Blick vom All für die Probleme auf der Erde

Die neue Satellitenkomponenten-Fertigung in Berlin-Charlottenburg ist mehr als ein weiteres Gewerbegebiet-Projekt. Sie ist ein konkretes Bindeglied zwischen globaler Spitzentechnologie und lokalen Herausforderungen. Die hier entstehenden Geräte werden dabei helfen, den Planeten und damit auch unsere Stadt besser zu verstehen, zu schützen und intelligent zu managen. Von der Frühwarnung vor ökologischen Krisen wie der Oder-Katastrophe bis zur Optimierung des städtischen Lebensraums liegen die potenziellen Anwendungen auf der Hand. Die Aufgabe für Politik und Verwaltung wird nun sein, diese Datenströme für öffentliche Zwecke nutzbar zu machen und sicherzustellen, dass der technologische Fortschritt aus Charlottenburg allen Berlinerinnen und Berlinern zugutekommt. Der Startschuss für diese Reise ins All – und zugleich tief hinein in die irdischen Probleme unserer Zeit – ist in Charlottenburg gefallen.

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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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