Das Dröhnen der Triebwerke wurde zu einem ängstlichen Brüllen, das über die Münchner Bezirke um den Flughafen schallte. Am Samstagnachmittag verwandelte sich eine Routine für Tausende Reisende in einen Albtraum, als ein Boeing 787-10 Dreamliner der Vietnam Airlines auf dem Flug VN30 von München nach Hanoi nur knapp einer Katastrophe entging. Die Maschine rollte bei ihrem Start über das Ende der 4000 Meter langen Startbahn 08R hinaus, hob im allerletzten Moment schwerfällig ab und kehrte nach einer dramatischen Notfallprozedur zwei Stunden später auf die nördliche Landebahn zurück. Mehr als 250 Menschen an Bord erlebten Minuten der Todesangst. Alle blieben unverletzt, aber der Vorfall wirft drängende Fragen zur Sicherheit und zu den Abläufen an einem der wichtigsten deutschen Drehkreuze auf.
Nach ersten Erkenntnissen der vietnamesischen Luftfahrtbehörde (CAAV) und der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) deutet vieles auf einen sogenannten Tailstrike und Probleme mit den Fahrwerken hin. Die Plattform „Aviation Herald“ berichtet von Hinweisen auf blockierte Bremsen auf der rechten Seite. „Das hätte einen Feuerball mit Hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten“, ordnet der erfahrene Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Schwere des Vorfalls ein. Die BFU hat die Flugdatenschreiber und Cockpit-Voice-Recorder sichergestellt; die Untersuchung in Braunschweig wird Wochen in Anspruch nehmen. Für die Passagiere, die in Sicherheit gebracht wurden, bleibt das Ereignis traumatisch. Eine Frau an Bord sagte dem „Münchner Merkur“: „Wir dachten, unser letztes Stündlein hätte geschlagen.“ Sie schilderte, wie alle zur Landung ihre Schuhe ausziehen und die Notfallposition einnehmen mussten.
- Dröhnen der Triebwerke
- Boeing 787-10 Dreamliner
- Flug VN30 von München nach Hanoi
- Überlauf der Startbahn 08R
- 60 Tonnen Kerosin abgelassen
- Vorfall als Flugunfall eingestuft
Die Startbahnlänge selbst kann laut Experten nicht der Grund gewesen sein. Mit 4000 Metern ist die Bahn 08R am Flughafen München für Maschinen vom Typ Boeing 787-10 mehr als ausreichend dimensioniert. Vielmehr rücken nun die technischen Systeme des Flugzeugs und die Handlungen im Cockpit in den Fokus. Um nach dem missglückten Start Gewicht zu verlieren und eine sichere Landung in München zu ermöglichen, flog der Pilot mehrere Schleifen über dem Münchner Umland und ließ etwa 60 Tonnen Kerosin ab. Bei der schließlich durchgeführten Landung wurden Reifen eines Fahrwerks zerfetzt. Das Flugzeug beschädigte laut „Süddeutscher Zeitung“ auch Teile der Anflugbefeuerung hinter dem Startbahnende. Die Bilder einer aufsteigenden Staubwolke und geplatzter Reifen gingen um die Welt.
| Vorfall | Details |
|---|---|
| Flughafen | München |
| Fluggesellschaft | Vietnam Airlines |
| Flugzeugtyp | Boeing 787-10 |
| Betroffene Passagiere | Über 250 |
| Problem | Tailstrike und Probleme mit den Fahrwerken |
| Sicherheitsstatus | Flugunfall eingestuft |
Vietnam Airlines selbst nannte in einer ersten Mitteilung lediglich ein „technisches Problem“ als Grund. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung stufte den Vorfall offiziell als Flugunfall ein. Dieser Schritt unterstreicht die Ernsthaftigkeit. Während die Ermittlungen laufen, betont Luftfahrtexperte Großbongardt, der Vorfall gebe keinen Anlass für grundsätzliche Zweifel an der Dreamliner-Reihe. „Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug“. Die Aufmerksamkeit liegt nun auf den spezifischen Umständen dieses einzelnen Fluges und den Lehren, die daraus für die Sicherheit aller zukünftigen Starts und Landungen in München gezogen werden können. Für die Anwohner in Freising, Hallbergmoos oder Marzling, die das tiefe Dröhnen der notlandenden Maschine hörten, ist es ein beunruhigender Reminder daran, dass der Flughafen im Herzen ihrer Region nicht nur Wirtschaftskraft, sondern auch ein permanentes Risiko bedeutet.