Die Sommersonne brennt auf die Dächer der sächsischen Landeshauptstadt, die Luft flimmert über dem Asphalt. Während die meisten Dresdner nach einem kühlen Getränk oder einem schattigen Plätzchen suchen, duftet es in einigen Backstuben der Stadt bereits nach Butter, Rosinen und Kardamom – den unverwechselbaren Zutaten des Dresdner Christstollens. Mitten in der Sommerhitze laufen die Öfen an, um den traditionellen Weihnachtskuchen Monate vor der Adventszeit zu backen. Besonders Betriebe, die exportieren oder den Lebensmitteleinzelhandel beliefern, haben keine andere Wahl, als jetzt zu starten. Die langen Lieferwege und Vorlaufzeiten auf internationalen Märkten erlauben keinen späteren Beginn. Ein Betrieb hat nach Angaben des Schutzverbandes Dresdner Stollen bereits im Juni mit der Produktion begonnen, unter anderem für Kunden in den USA.
Karoline Marschallek, Geschäftsführerin des Schutzverbandes Dresdner Stollen, bestätigt diesen ungewöhnlichen Arbeitsrhythmus. «Es ist nicht unüblich, dass bei hochsommerlichen Temperaturen bereits Dresdner Christstollen gebacken werden», sagt sie. «Gerade Betriebe, die den Lebensmitteleinzelhandel beliefern oder exportieren, müssen frühzeitig mit der Produktion beginnen.» Dieser frühe Start ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die regionale Backbranche und sichert Arbeitsplätze über das ganze Jahr. Im vergangenen Jahr wurden nach Verbandsangaben rund fünf Millionen Dresdner Christstollen verkauft – ein Beleg für die anhaltende Beliebtheit des Produkts, das strengen Schutzvorschriften unterliegt, um den Namen „Dresdner Stollen“ tragen zu dürfen.
Besonders auffällig ist nach Verbandsangaben die steigende Nachfrage aus Japan. «Dort hat sich rund um den Dresdner Christstollen ein regelrechter Hype entwickelt», so Marschallek. Genaue Exportzahlen erfasst der Verband zwar nicht, doch die Begeisterung in Ostasien ist ein wesentlicher Treiber für die frühe Produktion. Als weitere wichtige Absatzmärkte nennt der Schutzverband:
- Österreich
- Schweiz
- Polen
- Neuseeland
- USA
- Japan
Der internationale Erfolg des Stollens ist auch eine Erfolgsgeschichte für den Schutzverband selbst, dem derzeit 98 Backbetriebe angehören. Er überwacht die Einhaltung des speziellen Rezepts und der Qualitätsrichtlinien, die seit 2010 durch eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) auf EU-Ebene gesichert sind.
| Land | Nachfrage |
|---|---|
| Japan | steigende Nachfrage |
| Österreich | konstant |
| Schweiz | konstant |
| Polen | konstant |
| Neuseeland | aufstrebend |
| USA | exportiert |
Während in den Backstuben schon jetzt Weihnachtsstimmung herrscht, freut sich die Stadt auf die öffentlichen Höhepunkte der Stollensaison. Das traditionelle Dresdner Stollenfest ist für den 5. Dezember angekündigt, wo ein riesiger Stollen feierlich angeschnitten wird. Zudem soll der Christstollen in diesem Jahr beim German Food Market in New York präsentiert werden – eine weitere Chance, die sächsische Spezialität in der Welt zu bewerben. So verbindet der Dresdner Stollen nicht nur Tradition und Handwerk, sondern schafft auch Brücken in die Ferne, lange bevor der erste Schnee fällt.