Jährlich lassen Gäste mehr als 3000 Gegenstände im Maritim am Flughafen Düsseldorf zurück
Es ist eine Nummer, die fast unglaublich klingt: Mehr als 3000 Gegenstände vergessen Gäste jedes Jahr im Maritim Hotel am Düsseldorfer Flughafen. Was für manche nach schlichter Schusseligkeit klingt, hat sich für das Hotel zu einem bemerkenswerten Archiv des Alltäglichen und Absurden entwickelt. In einem speziellen „Raum der vergessenen Dinge“ lagert eine Sammlung, die von vergessenen Zahnbürsten bis zu Kuriositäten reicht, die Geschichten erzählen, die niemand mehr kennt.
Das Hotel Maritim, direkt am Terminal des Airports gelegen, ist für viele Geschäftsreisende und Urlauber die erste oder letzte Station in Deutschland. Der Stress einer Reise, die Hektik des Flughafenbetriebs und die Müdigkeit nach langen Flügen – all das scheint der perfekte Nährboden für Vergesslichkeit zu sein. „Es passiert einfach“, sagt eine Mitarbeiterin der Rezeption, die anonym bleiben möchte. „Manchmal rennen die Gäste fast schon zum Gate, um ihren Flug noch zu erwischen. Da bleibt dann schon mal etwas liegen.“
Die verlorenen Gegenstände werden akribisch gesammelt, katalogisiert und für sechs Monate aufbewahrt. Nach dieser Frist, so schreiben es die gesetzlichen Vorschriften vor, dürfen sie an die Finder, also die Hotelmitarbeiter, übergeben werden oder gehen an soziale Einrichtungen. Doch was genau bleibt alles zurück?
- Ladegeräte für alle erdenklichen Geräte
- Kopfhörer
- Kosmetiktaschen
- Zahnbürsten
- Schnitzmesser
- Sammlereditionen wie einen Star-Wars-Helm
Die Bandbreite ist erstaunlich. An der Spitze der häufigsten Fundsachen stehen die typischen Reisebegleiter. Doch das „Lost & Found“-Depot des Maritim hütet auch wahre Kuriositäten. „Wir hatten schon alles Mögliche hier“, erzählt der stellvertretende Hoteldirektor Thomas Berger. „Von einem hochwertigen Schnitzmesser über einen kompletten Anzug bis hin zu einer Sammleredition eines Star-Wars-Helms. Letzteres hat der Besitzer zum Glück sehr schnell vermisst und wieder abgeholt.“
Ein besonders skurriler Fund war einmal ein gefülltes Sparschwein. Eine andere Anekdote handelt von einem Gast, der seinen gesamten Koffer in der Abflughalle stehen ließ und stattdessen nur den kleinen Reisebeutel mit in den Flughafenbus nahm – im Koffer befand sich der komplette Business-Anzug für das wichtige Meeting am nächsten Tag. Solche Geschichten sind Legion und zeugen von der besonderen Lage des Hauses im pulsierenden Herz des Reiseverkehrs.
Für die Mitarbeiter ist die Fundsachen-Verwaltung ein nicht unerheblicher Aufwand. Jeder Gegenstand wird beschriftet, das Funddatum notiert und der Raum, in dem der Gast gewohnt hat, vermerkt. Bei teuren Wertgegenständen wie Laptops, Kameras oder Tablets wird sofort versucht, den Gast telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Die Rückgabequote ist dabei erfreulich hoch, besonders bei wichtigen Dokumenten oder emotional wertvollen Gegenständen.
| Gegenstand | Häufigkeit | Kategorie |
|---|---|---|
| Ladegeräte | Häufig | Elektronik |
| Kopfhörer | Häufig | Elektronik |
| Kosmetiktaschen | Häufig | Persönliche Gegenstände |
| Zahnbürsten | Häufig | Hygieneartikel |
| Schnitzmesser | Selten | Kuriositäten |
| Star-Wars-Helm | Selten | Kuriositäten |
Doch was sagt diese Ansammlung von 3000 vergessenen Dingen pro Jahr über uns als Reisende aus? Sie ist ein stummes Zeugnis von Hektik und Ablenkung im modernen Leben. In einer Zeit, in der alles durchgetaktet ist, bleibt der persönliche Besitz manchmal auf der Strecke. Der „Raum der vergessenen Dinge“ im Maritim ist damit mehr als nur ein Lager. Er ist ein Spiegel unserer oft überhasteten Gegenwart, ein Ort, an der die Spuren von tausenden Menschen zusammenlaufen, die alle unterwegs waren – und etwas von sich zurückließen.
Für die Stadt Düsseldorf ist das Hotel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Aushängeschild für Gäste aus aller Welt. Dass hier nicht nur übernachtet, sondern auch so viel vergessen wird, ist eine skurrile, aber wahre Facette des internationalen Flair der Landeshauptstadt. Vielleicht findet sich ja in diesem Raum irgendwann auch die eine oder andere Geschichte, die typisch ist für den besonderen Rhythmus des Lebens am Flughafen – zwischen Ankommen und Abflug, zwischen Aufbruch und Ankunft.