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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Düsseldorf > Düsseldorf: Lap Coffee eröffnet mit umstrittenen Preisen – Test und Nachbarschaftsmeinungen
Düsseldorf

Düsseldorf: Lap Coffee eröffnet mit umstrittenen Preisen – Test und Nachbarschaftsmeinungen

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 22, 2026 2:58 a.m.
Julia Becker
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Es ist ein ungewöhnlich warmer Nachmittag auf der Nordstraße in Pempelfort. Auf der einen Seite der Tür riecht es nach frisch gemahlenen Kaffeebohnen und der Espressomaschine summt leise. Hier im «Salu», der vielleicht kleinsten Espressobar der Stadt, zieht Inhaber Said mit ruhiger Hand einen perfekten Crema auf einen kleinen Cappuccino. Direkt nebenan, nur durch eine schmale Hauswand getrennt, herrscht ein anderer Rhythmus: Ein stetiger Strom von überwiegend jungen Menschen strömt in den neuen, hellen Laden von «Lap Coffee». Der Duft ist anders hier – weniger intensiv, fast neutral. Der Preis ist es auch: 2,50 Euro für den Cappuccino, pflanzliche Milch ohne Aufpreis. Mit der Eröffnung dieses Berliner Kaffeegiganten erreicht eine bundesweite Debatte über die Zukunft unserer Stadtviertel nun auch das Herz von Düsseldorf-Pempelfort.

Die Nordstraße ist mehr als nur eine Einkaufsstraße. Sie ist das Rückgrat eines lebendigen Kiezes, bekannt für ihren persönlichen Charme und ihre unverwechselbare Mischung aus kleinen, inhabergeführten Läden, vom Buchladen über den Bioladen bis hin zu den vielen individuellen Cafés. Die Ankunft von «Lap Coffee», finanziert mit Millionen aus US-amerikanischen Investmentfonds wie Insight Partners, fühlt sich für viele hier an wie ein fremdes Element. Ein System, das anders funktioniert. Es geht nicht nur um Kaffee, es geht um ein Geschäftsmodell, das gezielt in beliebte Szeneviertel expandiert, um mit Niedrigpreisen Marktanteile zu erobern. Und es geht um die Frage: Was macht den Charakter eines Viertels wie Pempelfort eigentlich aus? Sind es die Preise oder sind es die Menschen und ihre Geschäfte?

Unser Testbesuch bei «Lap Coffee» hinterlässt ein klares, zweigeteiltes Bild. Der viel diskutierte Cappuccino für 2,50 Euro ist trinkbar, aber unaufregend. Er erinnert geschmacklich an die standardisierten Getränke großer Ketten, mit einer leichten, fast wässrigen Note. Die cremige Konsistenz und das intensive Aroma einer klassischen Siebträgermaschine, wie man sie bei Said nebenan findet, sucht man hier vergeblich. Für Kaffeekenner ist der Unterschied offensichtlich. Interessant ist die Transparenz bei den Bohnen: Sie stammen von der Berliner Rösterei 19grams, die wiederum von einer bestimmten Farm in Brasilien bezieht. Ein Schritt, der versucht, trotz des Discount-Preises eine gewisse Herkunftsgeschichte zu erzählen. Beim Iced Matcha Latte (4 Euro) wird es undurchsichtiger. Das grüne Pulver kommt nicht frisch aus der Dose, sondern als fertige, süße Mischung aus einer Plastikflasche. Woher es genau kommt und was außer Matcha noch darinsteckt, bleibt für den Kunden im Unklaren.

  • Die Webseite spricht von nachhaltig geerntetem Matcha aus Kyoto
  • Ein vager Anspruch, der schwer zu überprüfen ist
  • Das teuerste Getränk, der «Power Foam Latte» mit Protein und Keratin für 6 Euro
  • Trendige, funktionelle Getränke für einen bestimmten Lifestyle
  • Einheitliche Preise drücken die Gewinnmargen bei anderen Cafés
  • Die Angst vor einer homogenisierten Gastronomielandschaft

Der Kontrast könnte kaum größer sein als beim Blick über die Schwelle zu «Salu». Der Raum ist winzig, kaum Platz für mehr als eine Handvoll Gäste gleichzeitig. Jeder Zentimeter ist durchdacht. Said, der mit seiner Freundin den Laden vor einem halben Jahr übernommen hat, ist Barista mit Leib und Seele. Jeder Espresso wird individuell abgewogen, die Milch präzise aufgeschäumt. Sein kleiner Cappuccino kostet 3,30 Euro, der Iced Matcha Latte mit zertifiziertem Bio-Matcha aus Japan 5 Euro. Für pflanzliche Milch verlangt er wie viele traditionelle Cafés einen Aufpreis von 50 Cent – eine reale Kostendifferenz, die er weitergeben muss. Die Eröffnung ist die reine Unterstützung von Kapitalisten, sagt Said mit ruhiger Entschlossenheit. «Der Standort ist völlig falsch gewählt. In der Altstadt oder im Hauptbahnhof wäre das Konzept passend – aber nicht hier auf der Nordstraße, die von ihren einzigartigen, inhabergeführten Geschäften lebt.» Für ihn ist es eine Frage der Philosophie: «Die einen kaufen ihr Fleisch in Bio-Qualität beim Metzger, die anderen zum Billigpreis beim Discounter. Genau so ist es beim Kaffee: Es ist Geschmackssache – und sicherlich auch eine Preisfrage.»

Diese zwei Welten auf wenigen Quadratmetern spiegeln eine grundlegende Debatte wider, die in vielen deutschen Städten geführt wird. Es ist der Konflikt zwischen skalierbarem, investorengetriebenem Wachstum und lokaler, handwerklicher Wirtschaft. «Lap Coffee» steht exemplarisch für eine neue Art der Expansion: Mit dem finanziellen Polster großer Fonds können sie Preise anbieten, die für einen traditionellen Betrieb, der Miete, Personal, hochwertige Rohstoffe und faire Löhne selbst erwirtschaften muss, schlicht unmöglich sind. Die Sorge ist, dass dieses Modell nach und nach die Vielfalt ausblutet, indem es die Gewinnmargen aller anderen unter Druck setzt. Was bleibt, ist eine homogenisierte Gastronomielandschaft, in der am Ende vielleicht nur die finanziell stärksten Ketten übrig bleiben.

Für die Anwohner in Pempelfort ist das keine abstrakte Sorge. Die Nordstraße hat ihren Charakter genau durch diese Mischung aus Eigenheit und Personalität gewonnen. Jedes Geschäft hat seine eigene Geschichte, sein eigenes Gesicht. Der Buchladen, der den Lesetipp für jeden Kunden parat hat. Der Bioladen mit den regionalen Erzeugern. Und Cafés wie der «Salu», wo der Inhaber seinen Gästen bald mit Namen begegnet und weiß, wie sie ihren Kaffee am liebsten trinken. Diese Art von Gemeinschaft und Verbundenheit lässt sich nicht durch ein standardisiertes Ladenkonzept ersetzen, auch wenn der Kaffee günstiger ist.

Die Entscheidung, wo man seinen Kaffee kauft, wird damit auch zu einer kleinen, alltäglichen Abstimmung über die Zukunft des eigenen Viertels. Unterstützt man ein Geschäftsmodell, das primär auf Wachstum und Rendite für internationale Investoren ausgerichtet ist? Oder entscheidet man sich für den vielleicht etwas teureren Kaffee nebenan, um damit direkt das handwerkliche Können eines Nachbarn, faire Löhne für Angestellte und die Einzigartigkeit der eigenen Straße zu fördern? Es ist keine einfache Frage, besonders für Studierende oder Menschen mit schmalem Budget, für die jeder Euro zählt. Doch sie zeigt, wie tief wirtschaftliche Entwicklungen mit unserem Alltag und unserem Gemeinschaftsgefühl verwoben sind.

Laden Öffnungszeiten
Lap Coffee Montag bis Freitag: 9 Uhr, Wochenende: 10 Uhr
Salu Montag bis Freitag: 8 Uhr, Samstag: 9 Uhr, Sonntag: 11 Uhr

Was bedeutet diese Ankunft nun für Düsseldorf? Pempelfort ist nicht der erste und wird nicht der letzte Kiez sein, der mit dieser Art von Konkurrenz konfrontiert wird. Die Stadt und ihre Bewohner stehen vor der Herausforderung, die Balance zu finden zwischen notwendigem wirtschaftlichem Wandel und dem Erhalt dessen, was die Lebensqualität in den Stadtteilen ausmacht. Vielleicht wird «Lap Coffee» erfolgreich sein und einen Bedarf für günstigen, schnellen Kaffee bedienen. Vielleicht werden Cafés wie «Salu» durch ihre handwerkliche Qualität und persönliche Bindung langfristig überleben. Sicher ist, dass die Ankunft der Kette eine Bewusstseinsschaffung auslöst. Sie zwingt uns, darüber nachzudenken, was wir als Gemeinschaft wertschätzen und was wir uns von unserer Nachbarschaft wünschen. Am Ende wird der Markt – also jeder Einzelne von uns mit seiner täglichen Entscheidung am Kaffeeausschank – zeigen, welche Art von Stadtviertel wir in Zukunft haben wollen. Die Tür zu «Salu» steht offen, und die zu «Lap Coffee» auch. Welche wir durchschreiten, ist mehr als nur eine Wahl zwischen zwei Getränken. Es ist eine kleine, aber bedeutungsvolle Entscheidung für das Gesicht unserer Stadt.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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