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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Düsseldorf > Düsseldorfer Fundbüro-Leiter wird Bühnenschauspieler
Düsseldorf

Düsseldorfer Fundbüro-Leiter wird Bühnenschauspieler

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 30, 2026 1:20 p.m.
Julia Becker
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Article on Enver Perviz

Als Enver Perviz in seinem Büro im Düsseldorfer Fundamt sitzt und eine verlorene Armbanduhr katalogisiert, könnte man kaum ahnen, dass dieser Mann bald im Rampenlicht eines der bekanntesten Theater der Stadt stehen wird. Der 54-jährige Leiter des Fundbüros ist vielen Düsseldorfern bereits aus dem Fernsehen bekannt, wo er in einer Krimiserie als Polizist ermittelte. Jetzt vollzieht er einen ungewöhnlichen Karrieresprung: Vom TV-Polizisten zum Bühnenschauspieler im legendären Ufa-Palast.

Für die Stadt, die stolz auf ihre vielfältige Kulturszene ist, ist Perviz ein lebendiges Beispiel dafür, wie vielseitig und verborgen die Talente in ihrer eigenen Verwaltung schlummern können. Seine Geschichte ist mehr als nur eine persönliche Karriereänderung – sie wirft ein Schlaglicht auf die Verbindung zwischen dem Alltag der Stadtverwaltung und dem pulsierenden Kulturleben Düsseldorfs.

Vom Fundamt ins Fernsehstudio: Eine ungewöhnliche Doppelkarriere

Enver Perviz’ Weg ist kein gewöhnlicher. Seit über zwei Jahrzehnten leitet er das Fundbüro der Landeshauptstadt, eine zentrale Anlaufstelle für verlorene Gegenstände. Jährlich gehen hier rund 80.000 Funde ein, von Schlüsselbunden über Smartphones bis hin zu ungewöhnlichen Kuriositäten. Perviz und sein Team von 15 Mitarbeitern sorgen dafür, dass etwa ein Drittel davon wieder zu seinen rechtmäßigen Besitzern zurückfindet. Es ist ein Job, der Organisation, Empathie und einen scharfen Blick für Details erfordert – Fähigkeiten, die sich, wie sich zeigen sollte, auch anderswo nutzen lassen.

Vor einigen Jahren ergab sich für den Verwaltungsfachmann unverhofft eine Chance vor der Kamera. Ein Casting-Aufruf für eine lokale Krimiserie, die in Düsseldorf und Umgebung spielt, weckte sein Interesse. «Ich habe schon immer eine große Leidenschaft für Geschichten und das Spielen gehabt», erzählt Perviz in einem Gespräch in seinem Büro, umgeben von Regalen mit fundierten Wertgegenständen. «Als ich sah, dass sie nach authentisch wirkenden Darstellern suchten, dachte ich mir: Warum nicht? Das könnte eine spannende Erfahrung sein.»

Sein Vorsprechen war erfolgreich, und so wurde der Fundbüroleiter für mehrere Folgen zum TV-Polizisten. Seine natürliche und glaubwürdige Art kam beim Publikum gut an. «Es war faszinierend zu sehen, wie sich die Arbeitsweisen überschneiden», sagt er schmunzelnd. «Sowohl im Fundbüro als auch bei der Polizei geht es im Kern darum, Ordnung in chaotische Situationen zu bringen, Fakten zu sammeln und Menschen zu helfen. Nur die Methoden sind natürlich ganz andere.»

Der Sprung auf die Theaterbühne: Ein langgehegter Traum wird wahr

Während die Fernseharbeit ein spannendes Nebenprojekt blieb, hegte Perviz immer einen besonderen Traum: das Theater. «Die unmittelbare Energie, der direkte Kontakt zum Publikum – das hat mich schon immer magisch angezogen», gesteht er. Als er erfuhr, dass am Ufa-Palast, einem der traditionsreichsten Veranstaltungsorte Düsseldorfs, ein neues Boulevardstück mit lokalen Darstellern besetzt werden sollte, zögerte er nicht lange.

Das Stück, eine turbulente Gesellschaftskomödie mit dem Titel «Falsche Töne in Flingern», suchte nach einem Schauspieler für die Rolle eines etwas schrulligen, aber herzensguten Amtsleiters. Die Parallelen zu Perviz’ eigenem Leben waren verblüffend, und die Produzenten waren von seiner Mischung aus bodenständigem Auftreten und unterschwelliger Bühnenpräsenz sofort begeistert.

«Enver bringt eine Authentizität mit, die man nicht studieren kann», sagt Regisseurin Katja Feldmeier. «Er verkörpert diesen Düsseldorfer Typus, der pragmatisch und direkt ist, aber auch viel Charme und Herz hat. Für die Rolle unseres Amtsleiters war er die ideale Besetzung. Dass er im echten Leben tatsächlich ein Amt leitet, ist das perfekte i-Tüpfelchen.»

Eine Stadt unterstützt ihre vielfältigen Talente

Die Reaktionen in der Stadtverwaltung auf Perviz’ neues Engagement sind durchweg positiv. Sein Vorgesetzter, Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, zeigt sich stolz: «Düsseldorf ist eine Stadt der Kultur und der Vielfalt. Es freut mich sehr, dass auch in unseren Reihen solche Talente schlummern. Herr Perviz ist ein hochgeschätzter Mitarbeiter, und wir unterstützen es natürlich, wenn er seine künstlerischen Ambitionen neben dem Beruf verfolgen kann. Es bereichert nicht nur ihn persönlich, sondern strahlt auch auf unser gesamtes Stadtleben aus.»

  • Flexible Arbeitszeitmodelle in Teilbereichen der Verwaltung
  • Programme zur Unterstützung von kulturellen Betätigungen
  • Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
  • Vielfalt in der Stadtverwaltung
  • Unterstützung von künstlerischen Ambitionen
  • Engagement von Mitarbeitern in ihrer Freizeit
Jahr Anzahl Funde Rückgegebene Gegenstände
2020 80.000 26.666
2021 80.000 26.666
2022 80.000 26.666

Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft?

Für Enver Perviz selbst ist der Auftritt im Ufa-Palast zunächst ein einmaliges Projekt. Die Proben finden am Abend und an den Wochenenden statt, seine Arbeit im Fundbüro läuft parallel weiter. «Das Fundamt ist und bleibt meine berufliche Heimat,» betont er. «Hier habe ich Verantwortung für ein wichtiges Serviceangebot der Stadt und für mein Team. Die Schauspielerei ist eine wundervolle Leidenschaft, die ich jetzt intensiver ausleben kann.»

Dennoch lässt er die Tür für weitere Bühnenabenteuer einen Spalt offen. «Wer weiß, was die Zukunft bringt? Vielleicht ergibt sich ja noch einmal eine solche Chance. Im Moment konzentriere ich mich aber voll und ganz darauf, bei der Premiere eine gute Figur zu machen und dem Publikum einen unterhaltsamen Abend zu bereiten.»

Seine Kollegen im Fundbüro haben bereits Karten für die Premiere reserviert. «Wir sind alle mega-stolz auf unseren Chef,» sagt eine Mitarbeiterin. «Es ist doch toll zu sehen, dass in einem scheinbar so nüchternen Amt wie unserem auch solche kreativen Funken überspringen. Das macht unseren Arbeitsalltag gleich ein bisschen bunter.»

Die Geschichte von Enver Perviz ist am Ende eine sehr Düsseldorfer Geschichte. Sie erzählt von einer Stadt, in der Verwaltung und Kultur keine getrennten Welten sein müssen, sondern sich bereichern können. Sie zeigt, dass Talente oft an unerwarteten Orten zu finden sind und dass es nie zu spät ist, einen langgehegten Traum zu verwirklichen. Wenn sich kommenden Monat der Vorhang im Ufa-Palast hebt, wird nicht nur ein neues Stück uraufgeführt, sondern auch ein Stück lebendiger Stadtkultur gefeiert – gemacht von einem Mann, der sonst dafür sorgt, dass die Düsseldorfer ihr Verlorenes wiederfinden.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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