In den Tagen vor der Generalprobe gegen Union Berlin pulsiert in der Dresdner Südvorstadt nicht nur die Vorfreude auf die neue Saison, sondern auch die Aufregung über ein vielversprechendes Duell in der Innenverteidigung. Die Verantwortlichen von Dynamo Dresden haben die Sommerpause genutzt, um gezielt an der Defensivreihe zu feilen. Eine ihrer zentralen Personalentscheidungen war die Verpflichtung des 27-jährigen österreichischen Innenverteidigers Ahmet Muhamedbegovic. Ablösefrei wechselte er vom slowenischen Meister NK Olimpija Ljubljana an die Elbe und steht nun im direkten Wettbewerb mit dem 20-jährigen Eigengewächs Friedrich Müller. Beide buhlen um den Stammplatz neben dem etablierten Thomas Keller (26). Diese Entscheidung wird das Team für die anstehende Zweitliga-Saison prägen.
Der Neuzugang zeigt sich bereits nach den ersten Wochen von der Intensität des deutschen Fußballs beeindruckt. „Die Vorbereitung war auf jeden Fall sehr intensiv und ein ganz anderes Tempo, als ich in Slowenien gewohnt war“, gibt Muhamedbegovic unumwunden zu. Seine Eingewöhnung in Dresden verlief dennoch reibungslos: „Eingelebt habe ich mich gut, fühle mich richtig wohl hier.“ Sein erster Eindruck von der sportlichen Qualität in Deutschland ist eindeutig: „Allgemein ist die Qualität in der 2. deutschen Liga höher. Auch körperlich kann ich mir nach den bisherigen Eindrücken vorstellen, dass es noch mehr zur Sache geht.“ Diese Einschätzung unterstreicht das Niveau der 2. Bundesliga, das sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert hat und international hohes Ansehen genießt. Für Sportdirektor Sören Gonther (39), der den Spieler persönlich in Slowenien beobachtete und seinen Transfer „sehr genau abgewogen“ hatte, sind diese ersten Aussagen eine Bestätigung. „Ich wollte schauen, ob man von dort einen Spieler holen kann“, beschrieb Gonther seine Recherche.
Nun muss sich Muhamedbegovic im täglichen Training und in den Testspielen beweisen. Der 1,86 Meter große Verteidiger bleibt dabei besonnen und konzentriert sich auf das Wesentliche: „Ich denke immer an mich selber in solchen Sachen, gebe alles von mir, was ich habe – und am Ende ist es die Sache vom Trainer.“ Die erste große Bewährungsprobe steht mit dem Testspiel gegen Bundesligist Union Berlin an. Dieses Duell ist perfekt, um den neuen Spieler an den Druck und die Ansprüche des deutschen Fußballs heranzuführen. „Ziel wird sein, dass wir umsetzen, was wir in der Vorbereitung einstudiert haben, und über 90 Minuten mit Nachspielzeit dem Top-Verein aus der Bundesliga zeigen, dass wir da auch irgendwann hinwollen“, powert Muhamedbegovic mit mutigen Worten. Gerade für die Defensive sei dieses Spiel wertvoll: „Die Abläufe müssen jetzt schon sitzen, damit nächste Woche in Nürnberg alles gefestigt ist. Für uns als Verteidiger ist es auf jeden Fall nochmal wichtig, ein anderes Kaliber von Stürmern gegen uns zu haben.“
Eine völlig neue Erfahrung wird für ihn auch die einzigartige Kulisse im Dynamo-Stadion sein. Muhamedbegovic ist die besondere Atmosphäre in Dresden bereits bewusst, auch wenn er sie noch nicht live erlebt hat. „Im Derby mit Ljubljana gegen Maribor waren es vielleicht mal zwischen 10.000 und 15.000 Zuschauern. Auswärts hatte ich in Europapokalspielen ein paar Partien vor 40.000 bis 50.000 Besuchern. Jedoch nicht so oft. Das ist ja hier eher gang und gäbe“, vergleicht er. Auf Videos hat er sich bereits ein Bild gemacht: „Die Atmosphäre wird live sicherlich noch mal beeindruckender. Aber was man allein von den Erzählungen hört, ist das der Wahnsinn. Es wird sicher richtig geil.“ Die Frage, ob der wöchentliche Druck in den großen deutschen Fußballtempeln eine Umstellung bedeutet, lässt er offen: „Das werden wir sehen. Also in Slowenien hatten wir nicht unbedingt Druck von irgendwelchen Fans. Ich kann mir schon vorstellen, dass das etwas ganz Anderes sein wird.“
Dass Muhamedbegovic und seine Familie in Dresden bereits vollständig angekommen sind, zeigt eine kleine Anekdote aus dem Familienalltag. Seit zwei Wochen wohnt er mit Frau und zwei Kindern in der Stadt. Die Begeisterung für den neuen Klub ist schon bei den Jüngsten angekommen. „Am zweiten oder dritten Tag war ich zur Doppel-Einheit im Training, schaue danach aufs Handy und sehe, dass mein Sohn gleich im Fanshop war und sich ein Trikot geholt hat“, erzählt der Verteidiger lächelnd. Selbst der lange Name mit 14 Buchstaben sei kein Problem: Mit etwas Geschick passe auch der auf den Rücken des Shirts. Es scheint, als sei nicht nur sportlich, sondern auch privat in Dresden bereits alles angerichtet. Die Generalprobe am Samstag wird zeigen, wie gut die Puzzle-Teile Innenverteidigung bereits ineinandergreifen und ob Muhamedbegovic den ersten Schritt in Richtung Stammplatz machen kann. Die gesamte Schwarz-Gelbe Familie fiebert mit.
- Dynamo Dresden optimiert die Defensivreihe
- Ahmet Muhamedbegovic wechselt ablösefrei
- Wettbewerb mit Friedrich Müller um Stammplatz
- Intensive Vorbereitung für die 2. Bundesliga
- Besonderer Druck im deutschen Fußball
- Familie hat sich schnell in Dresden eingelebt
| Name | Alter | Position | Verein |
|---|---|---|---|
| Ahmet Muhamedbegovic | 27 | Innenverteidiger | Dynamo Dresden |
| Friedrich Müller | 20 | Innenverteidiger | Dynamo Dresden |
| Thomas Keller | 26 | Innenverteidiger | Dynamo Dresden |
| Sören Gonther | 39 | Sportdirektor | Dynamo Dresden |