Eine dichte Nebelwand schluckte den Ball und fast auch die Chance. Es war Samstagnachmittag im Westfalenstadion, und Fares Chaibis Schuss aus der zweiten Reihe verschwand im künstlichen Dunst der Eintracht-Fans. Gregor Kobel griff gerade noch daneben und rettete. Diese Szene passt. Sie zeigt, wie nah Frankfurt am Glück war und wie es ihnen dann doch entglitt. Ein 0:1 in Dortmund, aber diesmal fühlte es sich anders an. Nicht wie eine Kapitulation. Es fühlte sich nach Arbeit an.
Adi Hütter stand am Montag vor dem Pokalspiel in Hamburg und sprach Klartext. Die Basis stimme, sagte er. Aggressivität und Stabilität seien da. Aber das reiche ihm nicht. „Wir sind in einer Findungsphase, ich wollte natürlich schon weiter sein“, gestand der Trainer. Sein Fazit war ein sperriger Satz, der wie ein Programm klingt: „Wir haben im Spiel nach vorne noch einen Haufen Arbeit.“
Dieser Haufen Arbeit ist das eigentliche Thema dieser Saison. Es geht nicht mehr nur darum, nicht mehr so viele Tore zu kassieren wie im desolaten Vorjahr. Diese Feuerwehrarbeit zeigt erste Erfolge. In Dortmund stand die Abwehr, angeführt von einem emotional bewegten Elias Baum, der auf der linken Seite zwölf Kilometer rannte und fast jeden Zweikampf gewann. Das Problem liegt jetzt woanders. Es liegt im Spiel nach vorne.
Die Frankfurter wollen wieder angenehm aufregenden Fußball spielen. Den Fußball, der die Gegner unter Druck setzt und Chancen kreiert. Davon war in Dortmund zu wenig zu sehen. Younes Ebnoutalib vergab die eine große Gelegenheit. Sonst blieb es oft beim guten Willen. Die Stürmer, Burkardt und Ebnoutalib, arbeiteten sich müde – teils sogar als Doppel-Rechtsverteidiger, wie beobachtet wurde. Ihre Wechsel in der zweiten Hälfte waren für viele Zuschauer ein Rätsel. Aus Hütters Sicht eine logische Folge: Die Spieler waren platt. Sie hatten sich für die Mannschaft aufgeopfert.
Hier kommt der Kern von Hütters Botschaft ins Spiel. Er redet nicht nur von Taktik oder Technik. Er redet von Einstellung. Sein Statement zu Can Uzun war da besonders deutlich. „Can Uzun ist ein großes Talent. Ich bin hier, um ihn zu supporten, aber auch, um ihm die Augen zu öffnen“, sagte Hütter. Die Botschaft an den jungen Offensivspieler war unmissverständlich:
Das ist der Ton eines Trainers, der ein Kollektiv formen will. Nicht eine Ansammlung von Talenten. Diese Philosophie prägt auch die Suche nach einem neuen Sportvorstand, der Markus Kröschens Nachfolge antreten soll. Präsident Mathias Beck betonte in der „Bild“-Zeitung, man wolle die „Eintracht-Identität wieder stärker in den Mittelpunkt stellen“. Er nannte positive Beispiele:
- Ebnoutalib
- Burkardt
- Elias Baum
- Eintracht-Fans
- Nachwuchsförderung
- Sportvorstand
Die Entscheidung wird zeigen, welchen Weg der Verein langfristig einschlagen will.
Kurzfristig geht es erstmal nach Hamburg. Zweimal HSV in einer Woche, im Pokal und in der Liga. Ein Sieg, so Hütter, könne „Rückenwind bringen und die Mannschaft beflügeln“. Für das Pokalspiel kündigte er an, die Startelf ins Auge zu fassen. Rotation sei „schon möglich“. Can Uzun sei „ein Thema“. Das Rätselraten hat begonnen. Wird Uzun für Chaibi spielen? Rückt Knauff nach vorne? Wechselt das System?
Diese Ungewissheit ist typisch für eine Mannschaft, die sich noch finden muss. Die Niederlage in Dortmund war laut meinem Kollegen Stephan Reich eine „der besseren Sorte“. Die Mannschaft hat gekämpft. Sie hat zusammengewirkt. Aber sie hat nicht gewonnen. Und darauf kommt es am Ende an.
Die Arbeit von Adi Hütter ist jetzt, aus dieser kämpferischen Basis ein siegreiches Ganzes zu schmieden. Die Verteidigung steht besser. Das Mittelfeld mit Onyedika und Aseko scheint sich einzuspielen. Jetzt fehlt der letzte Schritt: der effektive, gemeinsame Angriff. Die Findungsphase, von der Hütter spricht, muss bald in eine Erfolgsphase münden. Denn die Fans, die in Dortmund fast ein Tor mit ihrem Pyro verursachten, warten auf mehr als nur schöne Momente. Sie warten auf Siege.
| Name | Position | Verein |
|---|---|---|
| Christoph Spycher | Sportvorstand | Young Boys Bern |
| Joti Chatzialexiou | Sportvorstand | Ehemals DFB |
| Marcel Schäfer | Sportvorstand | VfL Wolfsburg |