Im Englischen Garten in München hat sich etwas verändert, was für viele Münchner und Touristen ein beliebtes Ausflugsziel ist: die berühmte Eisbachwelle. Einige Surfer haben dort eigenmächtig gehandelt und eine selbstgebaute Rampe installiert, um die Welle zu verbessern.
Die Veränderung an der beliebten Surfstelle wurde Anfang dieser Woche entdeckt. Nach Informationen der Behörden haben Unbekannte in einer Nachtaktion eine Betonrampe am Grund des Eisbachs platziert. Diese Konstruktion verändert die Fließgeschwindigkeit des Wassers und schafft eine stärkere, besser surfbare Welle.
«Wir waren überrascht, als wir davon erfahren haben», erklärt Martin Weber vom Münchner Umweltreferat. «Solche Eingriffe in ein Gewässer sind ohne Genehmigung nicht erlaubt.» Das Umweltreferat ist zusammen mit den Stadtwerken für den Eisbach zuständig und prüft nun das weitere Vorgehen.
Die Surfergemeinde in München ist gespalten. Viele begrüßen die Verbesserung der Welle, während andere den eigenmächtigen Eingriff kritisieren. «Die Welle ist definitiv besser geworden, aber der Weg dahin war nicht richtig», sagt Lisa Mayer, die seit zehn Jahren regelmäßig an der Eisbachwelle surft.
Die Eisbachwelle hat sich in den letzten Jahren zu einer echten Touristenattraktion entwickelt. Täglich beobachten Hunderte Besucher die Surfer, die auf der stehenden Welle im Eisbach ihre Künste zeigen. Was einst als Geheimtipp unter Münchner Surfern begann, ist heute ein international bekannter Hotspot.
Das Surfen war am Eisbach lange Zeit verboten und wurde erst 2010 offiziell legalisiert. Seitdem hat sich eine aktive Gemeinschaft gebildet, die sich um den Erhalt und die Pflege der Welle kümmert. Allerdings geschah dies bisher immer in Absprache mit den zuständigen Behörden.
Die Stadtverwaltung steht nun vor einem Dilemma. Einerseits ist der Eingriff ohne Genehmigung erfolgt und könnte Auswirkungen auf die Wasserökologie haben. Andererseits funktioniert die neue Welle offenbar besser als zuvor.
«Wir müssen jetzt prüfen, ob die Konstruktion sicher ist und welche Auswirkungen sie auf den Fluss hat», erklärt Weber weiter. «Eine nachträgliche Genehmigung ist nicht ausgeschlossen, aber wir hätten uns gewünscht, dass die Surfer den offiziellen Weg gehen.»
Einige Surfer verteidigen die Aktion. «Wir haben jahrelang auf offiziellem Weg versucht, Verbesserungen zu erreichen, aber es ist nichts passiert», berichtet ein Surfer, der anonym bleiben möchte. «Manchmal muss man eben selbst aktiv werden.»
Die Stadt München hat angekündigt, in den nächsten Tagen zu entscheiden, ob die Rampe entfernt werden muss oder bleiben kann. Bis dahin bleibt die verbesserte Welle bestehen, und Surfer nutzen sie weiterhin – jetzt mit noch mehr Begeisterung.
Für die Münchner Surfszene ist die Eisbachwelle ein wichtiger Teil ihrer Identität. Viele lokale Surfer trainieren hier täglich, unabhängig von der Jahreszeit. Selbst im Winter, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, sind hartgesottene Wellenreiter im Eisbach zu finden.
Die Diskussion um die selbstgebaute Rampe zeigt, wie wichtig der Dialog zwischen Behörden und Nutzern öffentlicher Räume ist. «Vielleicht können wir aus dieser Situation lernen und in Zukunft besser zusammenarbeiten», hofft Mayer. «Die Eisbachwelle gehört zu München wie das Rathaus und die Frauenkirche – sie verdient unsere gemeinsame Aufmerksamkeit.»