Im Sommer scheint die Sonne über Frankfurt länger und wärmer. Während die Luft in der City über den Betonplätzen flimmert, zieht es viele Frankfurter hinaus – weg vom Verkehr, hinein ins Grüne. Doch nicht jeder hat ein Auto. Und auch wer eines besitzt, möchte vielleicht nicht im Stau stehen oder Geld für Sprit und Parkgebühren ausgeben. Die gute Nachricht: Das dichte Netz aus S-Bahnen, Regionalzügen und Bussen macht es möglich, von Frankfurt aus wahre Juwelen zu entdecken, ohne selbst ans Steuer zu müssen.
Als Lokaljournalistin, die seit Jahren die Entwicklung der Rhein-Main-Region begleitet, beobachte ich einen klaren Trend: Die Nachfrage nach gut erreichbaren Freizeitangeboten ohne Auto steigt stetig. Die Stadt Frankfurt fördert dies aktiv, etwa durch den Ausbau des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) und die bessere Vernetzung von Rad- und Fußwegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es geht um Lebensqualität, um Entschleunigung und darum, die Schönheit der Region für alle zugänglich zu machen.
Vom Biergarten-Boot mit Skyline-Panorama
Mitten in der Stadt, aber dennoch im Urlaubsfeeling, lässt es sich im Bootshaus am Museumsufer verweilen. Dieser Biergarten auf einem fest verankerten Schiff kombiniert hessische Gemütlichkeit mit einem einzigartigen Blick auf die Wolkenkratzer. „Für viele Frankfurter und Touristen ist das Bootshaus eine erste Anlaufstelle, um die typische Apfelwein-Kultur zu erleben, ohne gleich in den Stadtteil Sachsenhausen zu müssen“, erklärt ein Mitarbeiter des Lokals. Die Lage direkt am Eisernen Steg ist perfekt für einen Spaziergang entlang des Museumsufers.
So kommt man hin: Mit den Straßenbahnlinien 15 oder 16 bis zur Haltestelle „Schweizer Straße/Gartenstraße“. Von dort sind es nur wenige Gehminuten zum Main. Wer mag, kann seine Tour mit einem Besuch im Städel Museum oder dem Liebieghaus verbinden – Kultur und Erholung in einem Aufwasch.
Der „Grand Canyon“ vor den Toren der Stadt
Nur eine halbe Stunde mit der S-Bahn entfernt, in Mühlheim-Dietesheim, wartet eine Landschaft, die ihresgleichen sucht. Der Dietesheimer Steinbruch, auch „Mühlheimer Klippen“ genannt, ist ein stillgelegtes Basalt-Abbaugebiet, das der Natur zurückgegeben wurde. Heute ist es ein idyllisches Seenland mit steilen Felswänden, das an einen Miniatur-Canyon erinnert. „Das Gebiet steht unter Naturschutz und ist ein wichtiger Rückzugsraum für seltene Vogel- und Pflanzenarten“, sagt ein Sprecher des Forstamts Mühlheim. Die Wanderung rund um die Seen ist flach, gut ausgebaut und auch für Familien geeignet. Das Highlight ist die schwindelerregende Canyon-Brücke, die einen atemberaubenden Blick auf den türkisfarbenen See freigibt.
So kommt man hin: Mit der S-Bahn-Linie S8 oder S9 Richtung Hanau oder Offenbach Ost bis zum Haltepunkt „Dietesheim“. Vom Bahnhof sind es etwa 15 Minuten zu Fuß bis zum Haupteingang des Steinbruchs. Der Eintritt ist kostenfrei.
Kurbad und Kaiserflair: Bad Homburg entspannt erreichen
Bad Homburg vor der Höhe repräsentiert den anderen Pol der Region: historischen Adel und erlesene Entspannung. Die Anreise ist denkbar einfach. „Die direkte S5-Verbindung vom Frankfurter Hauptbahnhof macht Bad Homburg für uns zum nahezu stadtteilähnlichen Ausflugsziel“, berichtet eine Frankfurterin, die regelmäßig zum Shoppen und Spazieren in die Kurstadt fährt. In knapp 20 Minuten tauscht man die Großstadthektik gegen die majestätische Atmosphäre des Kurparks mit seinen blühenden Beeten und plätschernden Quellen.
Ein absolutes Muss ist das Römerkastell Saalburg am Rande der Stadt. Es ist das weltweit einzige vollständig rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes und ein lebendiges Museum zum Anfassen. Vom Bad Homburger Bahnhof bringt Sie der Stadtbus Linie 5 direkt bis zum Tor der alten Römerstadt.
Zeitreise ins Mittelalter mitten in Oberursel
Wer statt römischer lieber mittelalterliche Geschichte lebendig werden lassen möchte, findet ebenfalls ein perfekt mit der S5 erreichbares Ziel: Oberursel. Am ersten Augustwochenende 2026 verwandelt sich die Marxstraße dort während der „Oberurseler Feyerey“ in einen bunten Mittelaltermarkt. Gaukler, Ritterlager, Handwerksstände und historische Klänge schaffen eine ausgelassene Festival-Atmosphäre. Solche Feste sind nicht nur Touristenmagnete, sondern stärken auch das lokale Handwerk und das Gemeinschaftsgefühl“, meint ein Organisator der Veranstaltung.
Die Anbindung könnte besser nicht sein: Vom Frankfurter Hauptbahnhof braucht die S5 nur etwa 20 Minuten bis Oberursel. Vom Bahnhof sind es dann nur wenige Minuten zu Fuß in die festlich geschmückte Innenstadt.
Was diese Ausflugsziele über Frankfurt und seine Region verraten
Die vier Beispiele zeigen die enorme Vielfalt, die das Umland Frankfurts bietet – und dass diese Schätze immer besser auch ohne Auto erlebbar sind. Die verkehrsgünstige Lage Frankfurts als Drehscheibe macht es möglich. Für die Stadtplanung und die Regionalpolitik ist dies ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität. „Attraktive ÖPNV-Anbindungen an Naherholungsgebiete entlasten nicht nur die Innenstadt vom Autoverkehr, sondern machen Ausflüge auch für junge Menschen, Familien mit Kindern oder Seniorinnen und Senioren einfacher“, erklärt ein Verkehrsplaner des RMV.
Die Ausflugsziele stehen aber auch für ein verändertes Freizeitverhalten. Nachhaltigkeit und bewusster Konsum spielen eine größere Rolle. Warum ins ferne Ausland fliegen, wenn das Abenteuer vor der eigenen Haustür liegt? Die steigenden Fahrgastzahlen in Regionalbahnen an Wochenenden belegen diesen Trend. Frankfurt profitiert als lebendige Metropole von dieser grünen Peripherie. Sie macht die Stadt nicht nur für Berufspendler attraktiv, sondern auch für alle, die eine Balance zwischen urbanem Leben und naturnaher Erholung suchen.
Die vorgestellten Orte sind nur eine kleine Auswahl. Die ganze Bandbreite an Tipps, mit detaillierten Wegbeschreibungen, Preisen und weiteren Empfehlungen, hat das Team von Nachrichten Lokal in einem kostenlosen PDF-Reiseführer zusammengestellt. Darin finden sich Inspirationen für jeden Geschmack und jedes Budget – ob für einen spontanen Nachmittag am See oder eine ausgedehnte Tour zu historischen Stätten. Das Beste daran: Der nächste kleine Urlaub beginnt einfach an Ihrer nächsten S-Bahn-Haltestelle.
Zusammenfassung der Ausflugsziele
- Bootshaus am Museumsufer – Biergarten mit Skyline-Panorama
- Dietesheimer Steinbruch – „Grand Canyon“ vor den Toren der Stadt
- Bad Homburg – historische Kurstadt mit Römerkastell
- Oberursel – mittelalterlicher Jahrmarkt während der „Oberurseler Feyerey“
- Städel Museum – urbanes Kulturangebot
- Rhein-Main-Verkehrsverbund – hervorragende Anbindung
| Ziel | Anreise | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bootshaus | Öffentliche Verkehrsmittel | Aussicht auf Skyline |
| Dietesheimer Steinbruch | S-Bahn S8/S9 | Naturschutzgebiet |
| Bad Homburg | S-Bahn S5 | Historisches Römerkastell |
| Oberursel | S-Bahn S5 | Mittelaltermarkt |
| Städel Museum | Öffentliche Verkehrsmittel | Kulturelle Einrichtung |
| RMV | Öffentliche Verkehrsmittel | Gute Anbindung |