Die Stimmung rund um Fortuna Düsseldorf ist gespalten, wie nach einem schweren Regenguss über dem Rhein. Auf der einen Seite glitzert noch etwas Hoffnung in den Pfützen, auf der anderen Seite spiegelt sich nur der graue Himmel der dritten Liga. Die 1:5-Niederlage im DFB-Pokal gegen den Bundesligisten SC Freiburg war an sich nicht überraschend. Der Klassenunterschied zwischen der 3. Liga und der europapokalberechtigten Spitze der Bundesliga ist ein tiefer Graben. Doch für die Fortuna-Anhänger war dieses Spiel weniger ein Blick in eine ferne Fußballwelt, sondern vielmehr ein Brennglas, das alle bestehenden Sorgen und Debatten scharf auf den Punkt bringt. Es geht nicht um die Niederlage an sich, sondern darum, was sie über den Zustand und die Zukunft des Vereins aussagt.
In den sozialen Netzwerken, auf Fanforen und in den Kneipen der Altstadt wird leidenschaftlich diskutiert. Eine Fraktion versucht, Lichtblicke zu finden. Sie sieht in der kämpferischen Phase zu Beginn des Spiels und in einzelnen guten Aktionen einen Anknüpfungspunkt für die Liga. „Das, was ich heute gesehen habe, hätte uns gegen Hoffenheim II drei Punkte gesichert“, schreibt ein User unter einen Post des Vereins. Diese Haltung ist von einem fast schon trotzigen Optimismus getragen: Man nimmt das Positive mit, egal wie klein es ist, und hofft, dass Trainer Alexander Ende aus dieser Leistung einen Funken Momentum für den Ligaalltag schlagen kann. Schließlich wartet am Freitag bereits das nächste schwierige Spiel gegen den VfB Stuttgart II.
Doch diese Perspektive ist in der Minderheit. Lauter und bestimmter sind die Stimmen derjenigen, die in der Leistung eine Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen sehen. Die Kritik konzentriert sich auf zwei Hauptpunkte: das fehlende offensive Konzept und eine wahrgenommene Energielosigkeit. Seit über zwei Jahren, so der Tenor vieler Fans, suche man vergeblich nach einer erkennbaren und gefährlichen Spielidee nach vorne. Ein Fan bringt es auf den Punkt:
- Die wenigsten Tore geschossen
- Langsame Truppe
- Fehlende Kreativität
- Sommerverpflichtungen ohne Effekt
- Kein schnelles Umschalten
- Alibi-Fußball auf Valium-Endstufe
Mitten in dieser weitgehend negativen Gesamtbilanz ragt ein Name positiv heraus: Louis Lord. Der junge Torhüter, der im Pokal seine Chance bekam, war der unumstrittene beste Fortuna-Spieler auf dem Platz. Mit mehreren starken Paraden verhinderte er eine noch höhere Niederlage und erhielt dafür standing ovations von den mitgereisten Fans. Diese Leistung steht in starkem Kontrast zu den ersten beiden Ligaeinsätzen von Stammtorhüter Lasse Rieß, der mit unsicheren Auftritten gegen Ulm und Dortmund II in die Kritik geraten war. Die Forderung der Fans ist deshalb klar, deutlich und in allen Kommentarspalten zu lesen:
| Position | Spieler | Leistung |
|---|---|---|
| Stammtorhüter | Lasse Rieß | Unsicher |
| Torhüter | Louis Lord | Hervorragend |
Trainer Alexander Ende steht nun unter besonderem Beobachtungsdruck. Einerseits lobte er Lord nach dem Spiel: „Louis hat seine Sache gut gemacht.“ Andererseits verteidigte er Rieß und verwies darauf, die öffentliche Wahrnehmung sei oft extremer als die interne Analyse. Doch mit dem Satz „Es gibt keine Nummer eins, die auf Teufel komm raus die Nummer eins ist“ hat er sich ein Leistungsprinzip auferlegt, an dem er nun gemessen wird. Die Entscheidung, wer am Freitag gegen Stuttgart II im Tor steht, wird weit über die Torhüterposition hinaus als Gradmesser gewertet. Folgt Ende der klaren Fanmeinung und der aktuellen Leistungskurve oder bleibt er seinem bisherigen Stammkeeper treu? Diese Personalie ist zur ersten großen Glaubwürdigkeitsfrage der jungen Saison geworden.
Für die Stadt Düsseldorf, in der die Fortuna mehr ist als nur ein Fußballverein, sondern ein zentraler Identifikationspunkt, haben diese Diskussionen eine ernste Note. Die Frustration speist sich aus der langen Durststrecke ohne echte Aufstiegschancen und der Sorge, in der 3. Liga zu versanden. Das Pokalspiel gegen Freiburg war ein kurzer Ausflug in den großen Fußball, der aber sofort die Defizite im eigenen Haus aufgezeigt hat. Die Fans fordern nicht nur einen anderen Torhüter, sie fordern insgesamt ein klares Zeichen: Zeichen für einen mutigeren Spielstil, für leistungsorientierte Entscheidungen und für den Kampfgeist, der diesem traditionsreichen Verein wieder zu Ansehen verhelfen soll. Die kommenden Liga-Spiele werden zeigen, ob die Verantwortlichen im Verein diese Botschaft gehört haben. Die Entscheidung im Tor ist dabei nur der erste, aber äußerst symbolträchtige Test.