Man spürt es schon in der kühlen Morgenluft – der Sommer neigt sich dem Ende zu. Und während die letzten warmen Tage genossen werden, läuft im Hintergrund ein besorgniserregendes Countdown. Die deutschen Gasspeicher sind nur etwa zur Hälfte gefüllt, ein Wert, der deutlich hinter dem des Vorjahres zurückbleibt. In Berlin und bei der Bundesnetzagentur werden jetzt die Rufe nach der Wirtschaft lauter, endlich mehr Gas einzulagern. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums räumt ein: Die Füllstände seien „sehr gering“. Und doch bleibt es bislang bei Appellen. „Wir fordern die Händler auf einzuspeichern“, heißt es aus dem Ministerium.
Warum zögern die Händler? Der Preis spielt eine entscheidende Rolle. „Für Händler, die normalerweise im Sommer Gas kaufen, um es im Winter zu verkaufen, ist der Einkauf derzeit wenig attraktiv“, erklärt eine Branchenkennerin. Die angespannte geopolitischen Lage, besonders um die Straße von Hormus, treibt die Kosten in die Höhe. Ein Terminkontrakt erreichte jüngst den höchsten Stand seit Monaten. Die Logik ist einfach, aber folgenschwer: Teures Gas heute bedeutet hohe Kosten und geringere Gewinnmargen morgen. Es ist ein wirtschaftliches Kalkül, das mit der Versorgungssicherheit kollidiert.
Aus Bayern kommen deshalb deutlich kritischere Töne. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger warnt: „Wir dürfen beim Gas nicht sehenden Auges in eine Versorgungslücke laufen“. Er sieht den Bund in der Pflicht, notfalls auch stärker einzugreifen. Netzagentur-Chef Klaus Müller stellt die Verantwortung klar bei den Unternehmen fest: „Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen“. Besonders beunruhigend: In Bayern sind die Speicherstände sogar noch niedriger als im Bundesdurchschnitt. Aiwanger betont: „Entscheidend ist, ob das Gas im Winter dort aus dem Speicher kommt, wo es gebraucht wird“.
- Die deutschen Gasspeicher sind nur etwa zur Hälfte gefüllt
- Rufe nach mehr Gas-Einspeicherung werden lauter
- Preise für Gas sind aufgrund geopolitischer Spannungen hoch
- Das gesetzliche Füllziel für November ist kaum erreichbar
- Wirtschaftsminister warnt vor Versorgungsengpass
- Agentur-Chef fordert Verantwortung der Gashändler
| Region | Speicherstand (%) | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Bundesdurchschnitt | 50 | Deutlich hinter dem Vorjahreswert |
| Bayern | Unter Durchschnitt | Kritische Situation laut Wirtschaftsminister |
| Norwegen | Stabil | Gasquelle für Deutschland |
| USA (LNG) | Steigend | Wichtige Importquelle seit Monaten |
Die Lage ist paradox. Einerseits betont das Ministerium, man beziehe Gas aus verschiedenen Quellen wie Norwegen oder per LNG aus den USA. Andererseits mahnen die Zahlen. Ein Branchenverband hält das gesetzliche Füllziel für November schon jetzt für kaum erreichbar. Man vertraut auf den Markt – doch der zögert. Das Gefühl bleibt: Wir steuern auf einen Herbst zu, in dem nicht nur die Blätter fallen, sondern auch die Debatte um unsere Energiesicherheit wieder an Fahrt aufnehmen wird. Die Frage ist nur, ob die Appelle ausreichen, oder ob am Ende doch der kalte Faktencheck kommt.