Für Besucher des Dresdner Zoos wird das Gehege an der Kuppel des Giraffenhauses in den kommenden Wochen ein wenig leerer aussehen. Nach über einem Jahrzehnt in der Elbestadt ist Giraffendame Gaia, 13 Jahre alt, am Montag in ein neues Zuhause aufgebrochen: den Zoo Planckendael in Belgien. Der Abschied fällt schwer, doch hinter dem Umzug steckt eine viel größere, globale Aufgabe: der Artenschutz. Gaia soll dort, nach zehn Jahren erfolgloser Annäherungsversuche mit dem Dresdner Bullen Diko, endlich für Nachwuchs sorgen und damit zum Überleben der hochbedrohten Kordofan-Giraffe beitragen.
„Auch wenn es uns sehr schwerfällt, Gaia abzugeben, haben wir dem Umzug aus fachlichen und züchterischen Gründen zugestimmt“, erklärt Zoodirektor Karl-Heinz Ukena die Entscheidung. Diese wurde nicht etwa von knappen Kassen, sondern vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert. In diesen Programmen arbeiten Zoos in ganz Europa zusammen, um stabile Reservepopulationen bedrohter Arten zu erhalten und Inzucht zu vermeiden. Für die Kordofan-Giraffe, von der in freier Wildbahn im westlichen Zentralafrika nur noch wenige Tausend Tiere leben, ist jede Geburt von enormer Bedeutung.
Der Transport einer ausgewachsenen Giraffe ist ein logistischer Kraftakt und birgt stets Risiken. Die Tiere sind nicht nur extrem groß und schwer, sondern auch stressanfällig. Das Dresdner Tierpfleger-Team bereitete Gaia deshalb über mehrere Wochen sorgfältig auf die Reise vor. Sie gewöhnte sich an die Transportkiste, die speziell für ihre Maße angefertigt wurde, und an die ungewohnten Geräusche und Bewegungen. Die zwölfstündige Fahrt nach Belgien verlief nach Zooberichten ohne Komplikationen. Erste Meldungen aus Planckendael sind erfreulich: Gaia hat bereits gefressen und beginnt, ihre neue Anlage zu erkunden.
Für den Dresdner Zoo bedeutet der Weggang von Gaia eine spürbare Lücke. Seit 2015 lebte sie in Dresden und war bei Besuchern und Pflegern gleichermaßen beliebt. Ihr charakteristisches Fleckenmuster und ihr ruhiges Wesen werden vermisst werden. Doch die moderne Zoo-Philosophie sieht Tiere nicht als einzelne Attraktionen, sondern als Botschafter ihrer Art und als Teil einer übergeordneten, artenschützerischen Mission. Der „Personalaustausch“ zwischen Zoos ist dabei ein zentrales Instrument.
- Diko – Bulle, seit 2009 in Dresden
- Arusha – Weibchen
- Kismet – Weibchen
- Gaia – ehemalige Bewohnerin
- PLANCKENDAEL – neues Zuhause
- EEP – Europäisches Erhaltungszuchtprogramm
Die verbleibende Dresdner Giraffenherde besteht nun aus dem Bullen Diko, der bereits seit 2009 in Dresden lebt, und den beiden Weibchen Arusha und Kismet. Ob und wann ein neues Weibchen nach Dresden kommen könnte, entscheidet das EEP auf Basis des aktuellen Zuchtbuchs. Ziel ist es stets, passende Partner zusammenzubringen, um die genetische Vielfalt der Zoopopulation optimal zu erhalten.
| Name | Alter | Rolle | Aufenthaltsort |
|---|---|---|---|
| Gaia | 13 Jahre | Weibchen | Planckendael |
| Diko | Unbekannt | Bulle | Dresden |
| Arusha | Unbekannt | Weibchen | Dresden |
| Kismet | Unbekannt | Weibchen | Dresden |
Der Abschied einer vertrauten Zoobewohnerin macht deutlich, wie sehr sich die Arbeit wissenschaftlich geführter Zoologischer Gärten gewandelt hat. Sie sind heute Archen, Forschungszentren und Botschafterstationen für den Artenschutz. Jeder Umzug, so traurig er für die zurückbleibende Gemeinschaft aus Pflegern und Stammbesuchern auch sein mag, dient einem höheren Ziel: dem Erhalt der biologischen Vielfalt unseres Planeten. Gaia geht nach Belgien, um vielleicht eines Tages Mutter zu werden und damit die Zukunft ihrer eigenen Art ein kleines Stück sicherer zu machen. Das ist der wahre Grund hinter dieser Reise.