Die offizielle Unwetterwarnung für Berlin wurde heute früh aufgehoben, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt. Auf Berlins Straßen und Gehwegen bleibt es gefährlich glatt. Die BSR ist seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz, um die Hauptverkehrsadern freizuhalten.
«Die Situation hat sich etwas entspannt, aber wir raten allen Berlinerinnen und Berlinern weiterhin zu besonderer Vorsicht», erklärt Polizeisprecher Thomas Müller. Besonders in den Außenbezirken und auf Nebenstraßen haben sich gefährliche Eisplatten gebildet, die erst im Laufe des Tages abtauen werden.
Die Rettungsdienste verzeichneten seit gestern über 120 glättebedingte Einsätze. Vor allem ältere Menschen waren betroffen, die bei Stürzen Knochenbrüche erlitten. In den Notaufnahmen der Berliner Krankenhäuser herrschte Hochbetrieb.
Der öffentliche Nahverkehr läuft inzwischen wieder weitgehend planmäßig. Die BVG meldet, dass alle U-Bahn-Linien normal verkehren. Bei Bussen und Straßenbahnen gibt es noch vereinzelt Verspätungen. Die Deutsche Bahn hat die meisten Einschränkungen im Regionalverkehr aufgehoben.
Auf dem Flughafen BER wurden heute Morgen einige Flüge gestrichen oder verspätet sich erheblich. Reisende sollten unbedingt vor Abfahrt den Status ihres Fluges überprüfen.
Die Berliner Schulen bleiben geöffnet. «Nach Rücksprache mit den Behörden haben wir entschieden, den Unterricht regulär stattfinden zu lassen», sagt Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Eltern können jedoch selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken möchten.
Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes prognostizieren für den Nachmittag leicht steigende Temperaturen um den Gefrierpunkt. «Die Glättesituation wird sich langsam entspannen, aber erst ab Samstag rechnen wir mit deutlicher Besserung», erklärt Meteorologe Frank Meyer.
Für viele Berliner war der gestrige Donnerstag ein Tag voller Herausforderungen. Familie Schmidt aus Pankow berichtet: «Der Weg zur Arbeit war ein Albtraum. Ich bin zweimal fast gestürzt und habe über eine Stunde für eine Strecke gebraucht, die normalerweise 20 Minuten dauert.»
Die BSR bittet Anwohner um Mithilfe und erinnert Hauseigentümer an ihre Räumpflicht. «Wir können nicht alle Gehwege räumen. Hier sind auch die Eigentümer in der Pflicht», betont BSR-Sprecherin Jana Weber.
Für das Wochenende gibt es eine gute Nachricht: Die Temperaturen sollen auf bis zu 5 Grad steigen, was das Eis schmelzen lassen wird. Bis dahin gilt für alle Berliner: langsam gehen, festes Schuhwerk tragen und genügend Zeit einplanen.
Die Polizei empfiehlt zudem, ältere oder mobilitätseingeschränkte Nachbarn zu unterstützen, etwa beim Einkaufen oder anderen notwendigen Wegen. «In solchen Situationen ist Nachbarschaftshilfe besonders wichtig», so Polizeisprecher Müller.
Die aktuelle Wetterlage ist ein Vorgeschmack auf den Klimawandel, meinen Experten. «Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Darauf müssen wir uns als Stadt besser einstellen», erklärt Klimaforscherin Dr. Sabine Wolf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
Trotz der widrigen Umstände zeigen viele Berliner Solidarität. In sozialen Netzwerken bieten Menschen Hilfe an oder teilen Tipps für sichere Wege. Die Krisensituation schweißt die Stadtgemeinschaft zusammen – eine positive Seite der winterlichen Herausforderung.