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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Hamburg > Hamburgs Freibäder: Zwei im Ranking der Unbeliebtesten
Hamburg

Hamburgs Freibäder: Zwei im Ranking der Unbeliebtesten

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 2, 2026 7:59 p.m.
Julia Becker
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Im Kölner Stadionbad genießen Badegäste bei sommerlichen Temperaturen die Freibad-Saison. Das Rheinland ächzt unter schwülem Wetter: Der Deutsche Wetterdienst warnt bereits vor Hitzegewittern. Köln, 25.06.2025 NRW Deutschland *** In Colognes Stadionbad, swimmers enjoy the outdoor pool season in summer temperatures The Rhineland is groaning under humid weather The German Weather Service is already warning of heat storms Cologne, 25 06 2025 NRW Germany Copyright: xChristophxHardtx
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Hamburgs unbeliebteste Freibäder enthüllt

Hamburgs unbeliebteste Freibäder enthüllt

Es ist die schlechte Nachricht, die wohl kein Bademeister und keine Schwimmbadleitung zu Beginn der Saison hören möchte. Ein aktuelles Ranking der beliebtesten und unbeliebtesten Freibäder in Deutschland stellt Hamburg ein vernichtendes Zeugnis aus. Gleich zwei der städtischen Bäder landen auf den allerletzten Plätzen: Das Freibad Dulsberg belegt den letzten Platz von insgesamt 2.075 bewerteten Bädern, das Sommerfreibad Osdorfer Born landet auf dem drittletzten Platz. Diese Ernüchterung offenbart nicht nur ein Imageproblem für die betroffenen Bäder, sondern wirft grundlegende Fragen zur Qualität und Attraktivität der Hamburger Freibäderlandschaft auf. Für viele Familien, Jugendliche und Sportbegeisterte in den Stadtteilen sind diese Einrichtungen jedoch unverzichtbare Orte der Erholung und Gemeinschaft – umso schmerzhafter ist das öffentliche Armutszeugnis.

Das Portal testberichte.de hat für sein umfassendes Ranking über eine Million Online-Bewertungen zu mehr als 2.000 öffentlich zugänglichen Freibädern in Deutschland analysiert. Die Grundlage bildeten Google-Rezensionen von Bädern mit mindestens 100 Bewertungen. Dabei wurde nicht nur der reine Sternedurchschnitt gewertet, sondern auch die Anzahl der Bewertungen berücksichtigt – unter dem Motto «je mehr, desto besser». Diese Methodik soll eine breitere und stabilere Meinungsbasis abbilden. Das Ergebnis für Hamburg ist eindeutig und beschämend: Während andere deutsche Städte mit ihren Freibädern glänzen, müssen sich zwei Hamburger Einrichtungen mit den roten Laternen des Rankings begnügen. Dieses Ergebnis ist mehr als nur eine statistische Randnotiz; es ist ein lauter Hilferuf aus den betroffenen Stadtteilen nach mehr Wertschätzung und Investition in ihre sozialen Infrastrukturen.

Auf dem letzten Platz: Freibad Dulsberg

Das Freibad Dulsberg in Hamburgs Osten trägt mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,5 von 5 möglichen Sternen bei 112 abgegebenen Bewertungen die wenig schmeichelhafte Auszeichnung des schlechtesten Freibads in ganz Deutschland. Die Kritik der Besucherinnen und Besucher dreht sich laut der Auswertung vor allem um ein klassisches Problem beliebter Stadtteilbäder: Es ist bei schönem Wetter schlichtweg überfüllt. «Völlig überlaufen», «kein Platz mehr» und «lange Warteschlangen» sind typische Klagen in den Reviews. Für ein Freibad, das in einem dicht besiedelten und nicht unbedingt von großen Gärten oder privaten Pools geprägten Stadtteil wie Dulsberg eine zentrale Funktion für die Lebensqualität erfüllt, ist dies ein gravierendes Problem. Es verwehrt vielen Anwohnern gerade an den heißesten Tagen den Zugang zu öffentlicher Abkühlung und Erholung.

Doch es gibt einen kleinen Lichtblick in der ansonsten düsteren Bilanz. Das Ranking weist darauf hin, dass jüngere Bewertungen tendenziell besser ausfallen als ältere. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Verantwortlichen der Bäderland Hamburg bereits auf die Kritik reagiert haben oder dass zumindest eine leichte Verbesserung im Gange ist. Ob diese positive Entwicklung jedoch ausreicht, um das Image des Bades nachhaltig zu korrigieren und den Aufstieg aus dem Ranking-Keller zu schaffen, bleibt fraglich. Der Platzmangel ist ein strukturelles Problem, das durch kleine kosmetische Korrekturen kaum zu lösen ist.

Auf dem drittletzten Platz: Sommerfreibad Osdorfer Born

Nur wenig besser schneidet das Sommerfreibad Osdorfer Born im Hamburger Westen ab. Auch hier liegt der Durchschnitt bei 3,5 Sternen, allerdings bei deutlich mehr, nämlich 230 Bewertungen. Diese höhere Anzahl an Stimmen unterstreicht die Bedeutung des Bades für den Stadtteil Osdorfer Born, macht die negative Gesamtbewertung aber auch umso gewichtiger. Die Kritik der Gäste geht hier über das Problem der Überfüllung hinaus und zielt direkt auf den Zustand der Einrichtung.

Besonders negativ werden die Sanitäranlagen bewertet, die von vielen als unhygienisch und vernachlässigt beschrieben werden. Ein sauberes und funktionierendes WC- und Duschangebot ist jedoch eine grundlegende Erwartungshaltung und essenziell für den Badespaß, besonders für Familien mit kleinen Kindern. Zusätzlich bemängeln die Besucher das insgesamt ungepflegte Gelände. Auch die Öffnungszeiten sorgen für Unmut: Selbst an heißen Tagen seien sie zu eingeschränkt, was vielen Berufstätigen und Jugendlichen den Besuch erschwert. Diese Kombination aus mangelnder Sauberkeit, vernachlässigter Infrastruktur und unflexiblen Öffnungszeiten zeichnet das Bild einer Einrichtung, die sich in einem schlechten Zustand befindet und den Bedürfnissen ihrer Gäste nicht gerecht wird. Für den Stadtteil Osdorfer Born, der selbst oft mit dem Image sozialer Herausforderungen kämpft, ist ein solch schlecht bewertetes Freibad ein zusätzlicher Negativpunkt, der die Attraktivität des Quartiers weiter schmälert.

Hintergrund: Die Rolle der Freibäder in der Stadt

Die Nachricht vom schlechten Abschneiden der beiden Hamburger Bäder muss im größeren Kontext der städtischen Freibäderpolitik betrachtet werden. Öffentliche Schwimmbäder sind in Großstädten wie Hamburg weit mehr als nur Orte zum Schwimmen. Sie sind sozialer Treffpunkt, kostenfreie (oder kostengünstige) Erholungsoase für einkommensschwache Haushalte, ein Stück gelebte Gemeinschaft im Stadtteil und ein unverzichtbarer Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und zum sozialen Frieden an heißen Tagen. Gerade in Stadtteilen wie Dulsberg oder Osdorfer Born, die nicht zu den wohlhabendsten Vierteln Hamburgs zählen, übernehmen die Freibäder eine wichtige Ausgleichsfunktion.

Die Bäderland Hamburg, als städtische Gesellschaft, steht seit Jahren unter erheblichem finanziellen Druck. Sanierungsstau, steigende Energie- und Personalkosten sowie die Notwendigkeit, Eintrittspreise sozialverträglich zu halten, stellen eine immense Herausforderung dar. Immer wieder wird über Schließungen oder den Verkauf von Bädern diskutiert. Vor diesem Hintergrund sind schlechte Bewertungen nicht nur ein Imageschaden, sondern ein Alarmsignal. Sie deuten darauf hin, dass an manchen Standorten die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und einem qualitativ hochwertigen, für alle zugänglichen Angebot zu kippen droht. Wenn sich die Besucher aufgrund von Überfüllung, Schmutz oder unpraktischen Öffnungszeiten abwenden, beschädigt dies nicht nur den Ruf des einzelnen Bades, sondern untergräbt langfristig die Akzeptanz und Legitimation des gesamten öffentlichen Bäderbetriebs.

Reaktionen und Gemeinschaftsauswirkungen

Die Reaktionen in den betroffenen Stadtteilen werden vermutlich gemischt ausfallen. Einerseits bestätigt das Ranking für viele Anwohner nur das, was sie selbst jeden Sommer erleben: Frustration an der Kasse, Enttäuschung über den Zustand der Umkleiden, Ärger über zu frühes Schließen. Andererseits könnte die öffentliche Bloßstellung auch als Weckruf dienen und lokale Initiativen stärken, die sich für eine Aufwertung ihrer Freibäder einsetzen.

Die Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen sind erheblich. Für Familien sind saubere Sanitäranlagen und ein gepflegtes Gelände non-negotiable. Für Jugendliche aus dem Viertel, für die das Freibad oft der zentrale Treffpunkt im Sommer ist, sind unattraktive Öffnungszeiten ein großes Problem. Seniorinnen und Senioren, die die Abkühlung und Bewegung schätzen, werden von überfüllten Becken und langen Wegen abgeschreckt. Das schlechte Abschneiden trifft also genau jene Gruppen, die auf öffentliche Infrastruktur besonders angewiesen sind. Es ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit: Haben alle Stadtteile und alle Bürgerinnen und Bürger Zugang zu gleichwertigen Freizeit- und Erholungsangeboten? Das aktuelle Ranking legt nahe, dass die Antwort für Dulsberg und Osdorfer Born derzeit «Nein» lautet.

Was jetzt getan werden kann – und sollte

Das Ranking ist eine Momentaufnahme, basierend auf subjektiven, aber zahlreichen Meinungen. Es ersetzt keine professionelle Qualitätsanalyse, bietet aber einen deutlichen Fingerzeig. Die Verantwortlichen bei der Bäderland Hamburg und in der zuständigen Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) sind nun gefordert, nicht defensiv zu reagieren, sondern die Kritik ernst zu nehmen und transparent zu machen, was dagegen unternommen wird.

Vorgeschlagene Maßnahmen
Sofortmaßnahmen zur Sauberkeit
Überprüfung der Besucherlenkung
Flexiblere Öffnungszeiten
Bürgerdialog einleiten
Investitionsplan prüfen

Ein Weckruf für die gesamte Stadt

Letztlich ist das schlechte Abschneiden der beiden Hamburger Freibäder ein Weckruf, der über Dulsberg und Osdorfer Born hinausgeht. Es geht um die Frage, welchen Stellenwert die öffentliche Daseinsvorsorge und die soziale Infrastruktur in unserer Stadt noch haben. Schwimmbäder sind keine Luxusgüter, sondern elementare Bestandteile der urbanen Lebensqualität. Sie fördern Gesundheit, sozialen Zusammenhalt und Chancengleichheit. Ein marodes, überfülltes oder unbeliebtes Freibad ist deshalb nicht nur ein betriebswirtschaftliches Problem, sondern ein Stück gescheiterte Stadtpolitik.

Die Hoffnung, die das Ranking für das Freibad Dulsberg aufgrund besserer jüngerer Bewertungen andeutet, muss nun genutzt werden. Es darf nicht bei dieser Hoffnung bleiben. Die Stadt Hamburg ist aufgefordert, ihren Bürgerinnen und Bürgern in allen Stadtteilen zu zeigen, dass ihre Freizeit- und Erholungsbedürfnisse ernst genommen werden. Die kommende Badesaison wird zeigen, ob aus der öffentlichen Blamage auch eine öffentliche Verpflichtung zur Verbesserung erwächst. Für die Menschen in Dulsberg und Osdorfer Born ist ihr Freibad ein Stück Heimat. Es verdient mehr als nur den letzten Platz.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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