In Berlin hat die Polizei einen Mann festgenommen, der verdächtigt wird, einen Kältebus der Berliner Stadtmission angezündet zu haben. Der 44-Jährige soll bereits am Donnerstagabend das Fahrzeug in der Lehrter Straße im Bezirk Mitte in Brand gesetzt haben. Der Vorfall ereignete sich gegen 22:30 Uhr, als der Bus vor dem Hauptgebäude der Stadtmission parkte.
Die Berliner Stadtmission bestätigte den Vorfall am Freitagmorgen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, und die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Dennoch ist der Schaden beträchtlich – der Kältebus kann vorerst nicht mehr für Hilfsfahrten eingesetzt werden.
Besonders beunruhigend: Dies ist bereits der zweite Angriff auf einen Kältebus innerhalb weniger Monate. Erst im Januar war ein anderer Kältebus der Stadtmission vollständig ausgebrannt. «Wir sind erschüttert, dass nun zum zweiten Mal ein Kältebus angezündet wurde», sagte Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission. «Diese Angriffe treffen die Schwächsten unserer Gesellschaft.»
Der festgenommene Tatverdächtige wurde nach Polizeiangaben in unmittelbarer Nähe des Tatorts aufgegriffen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann auch für den ersten Brandanschlag im Januar verantwortlich sein könnte. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob Haftbefehl beantragt wird.
Kältebusse sind besonders in den Wintermonaten ein lebenswichtiges Angebot für obdachlose Menschen in Berlin. Die Fahrzeuge der Stadtmission fahren abends und nachts durch die Stadt, verteilen heiße Getränke, Decken und Schlafsäcke und bieten bei Bedarf auch Transport zu Notunterkünften an.
«Jede Nacht erreichen wir mit dem Kältebus etwa 80 bis 100 Menschen», erklärte Eberhard Müller, Koordinator des Kältehilfeprogramms. «Ohne dieses Angebot sind viele Obdachlose bei niedrigen Temperaturen akut gefährdet.» Die Stadtmission bemüht sich nun, schnellstmöglich Ersatz für das beschädigte Fahrzeug zu organisieren.
Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe verurteilte den Anschlag scharf: «Ein Angriff auf Kältebusse ist ein Angriff auf Menschen in Not. Solche Taten sind durch nichts zu rechtfertigen und müssen konsequent verfolgt werden.»
Die Polizei bittet trotz der Festnahme weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Zeugen, die verdächtige Beobachtungen im Umfeld der Lehrter Straße gemacht haben, werden gebeten, sich beim zuständigen Polizeiabschnitt zu melden.
Die Stadtmission hat inzwischen eine Spendenkampagne gestartet, um den Schaden zu beheben und die Kältehilfe aufrechterhalten zu können. «Die Solidarität der Berlinerinnen und Berliner ist in diesen Stunden besonders wichtig», betonte Breuer. «Wir lassen uns nicht einschüchtern und werden unsere Arbeit für die Obdachlosen fortsetzen.»
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Lage der Obdachlosenhilfe in der Hauptstadt. Nach Schätzungen der Sozialverwaltung leben in Berlin zwischen 6.000 und 8.000 Menschen auf der Straße. Besonders im Winter sind viele von ihnen auf Angebote wie den Kältebus angewiesen.