Der Karneval zeigt wieder seine politische Seite. In den Straßen von Köln, Düsseldorf und Mainz rollen die Motivwagen, die unsere Politiker ungeschminkt ins Visier nehmen. Es ist die fünfte Jahreszeit, in der Satire keine Grenzen kennt und die Mächtigen zittern lässt.
«Karneval war schon immer ein Ventil für gesellschaftliche Kritik«, erklärt Karnevalsexperte Thomas Müller. «Was in normalen Debatten oft untergeht, wird hier bildgewaltig auf die Straße gebracht.» Dieses Jahr trifft es besonders die Ampelkoalition. Ein Wagen zeigt Scholz als schläfrigen Kapitän auf einem sinkenden Schiff. Daneben paddeln Habeck und Lindner in entgegengesetzte Richtungen.
Besonders beeindruckend fand ich den Wagen mit Friedrich Merz, der als Drachentöter dargestellt wird, während der Drache «AFD» größer wird, je mehr man ihn bekämpft. Die Symbolik sitzt. Als ich einem älteren Herrn am Straßenrand begegnete, meinte er lachend: «Früher hab ich mich über die Wagen aufgeregt, heute weiß ich: Die Narren haben oft recht.«
Die internationalen Konflikte fehlen ebenfalls nicht. Putin und Trump teilen sich eine Schaukel, während die Welt darunter zu zerbrechen droht. Der Karneval schafft, was Talkshows oft vermissen lassen: klare Bilder statt leerer Worte. In dieser kurzen Auszeit vom politischen Alltag liegt vielleicht mehr Wahrheit, als so manchem Politiker lieb ist.