Es ist eine der teuersten und längsten Sanierungen Deutschlands gewesen. Vierzehn Jahre lang wurden die Kölner Bühnen am Offenbachplatz instand gesetzt, umgebaut und auf den neuesten Stand gebracht. Die Kosten explodierten von geplanten 253 Millionen Euro auf fast 800 Millionen Euro. Jetzt, weniger als zwei Monate vor der geplanten feierlichen Eröffnung am 24. September, steht die Stadt vor einer unerwarteten und dringenden Aufgabe. Sie sucht händeringend nach Brandsicherheitswachen für die nächsten vier Spielzeiten. Für viele Kölner Bürgerinnen und Bürger wirft diese letzte Minute Suche Fragen auf. Warum, nach all den Jahren und Milliarden, braucht es jetzt externe Brandwachen? Steckt dahinter ein verstecktes Problem, oder ist es Routine?
Die Stadtverwaltung betont in ihrer Ausschreibung die „systemrelevante“ Bedeutung des Vertrags für die Wiedereröffnung. Konkret geht es um die Absicherung von 823 Aufführungen pro Jahr in Oper, Schauspielhaus, Kinderoper und Kleinem Haus. Bei jeder Vorstellung werden zwei, bei der Hälfte der Veranstaltungen, die Pyrotechnik nutzen, sogar drei Sicherheitsexperten anwesend sein müssen. Die Frist für Angebote lief bereits am 1. Juli ab. Normalerweise hätte die Stadt 35 Tage Zeit gehabt, um Firmen zu finden. Wegen der akuten Zeitnot wurde dieses Verfahren beschleunigt. In der Ausschreibung warnt die Stadt selbst vor „erheblichen wirtschaftlichen sowie kulturellen Schäden“, falls kein Dienstleister gefunden wird.
Auf Nachfrage stellt die Stadt klar, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Brandwachen und möglichen Mängeln der Sanierung gebe. Vielmehr handele es sich um eine gesetzliche Vorschrift. Paragraf 41 der Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten schreibe solche Wachen vor. „Das Verfahren wurde auch in den bisherigen Interimsspielstätten angewendet“, teilt eine Sprecherin mit. In den Ausweichquartieren Staatenhaus und Depot habe es diese Sicherheitsvorkehrung ebenfalls gegeben. Für die neuen Spielstätten am Offenbachplatz müsse der Dienst nun neu ausgeschrieben werden.
Doch warum dann die Hektik kurz vor Schluss? Die Verwaltung führt dies auf den komplexen Abstimmungsprozess zwischen Spielbetrieb und Feuerwehr zurück. Die hohen Anforderungen in den denkmalgeschützten Gebäuden – sowohl die Oper als auch das Schauspielhaus stehen unter Schutz – hätten viel Zeit in Anspruch genommen. Zudem lägen „wenig bis keine Erfahrungen mit dem Spielbetrieb in den neuen Häusern“ vor, und die Vorschriften hätten sich seit Baubeginn vor Jahren angepasst. Ein simpler Verwaltungsakt also, der sich bis an die absolute Deadline hingezogen hat.
Ulrich Montag, Prüfingenieur für Brandschutz aus Bochum, bestätigt den gesetzlichen Rahmen. Die Zahl von zwei bis drei Wachen pro Vorstellung bei insgesamt 823 Veranstaltungen sei im üblichen Rahmen. Auch die Auslagerung an private Firmen sei heute Standard. „Die Durchführung der Brandsicherheitswachen durch die Feuerwehr ist heute – bei der Personalsituation der Feuerwehren – eher unüblich“, so Montag. Die Aufgaben der Brandwachen sind vielfältig:
- Brände früh erkennen
- Panikreaktionen adressieren
- Gesundheitsnotfälle managen
- Sofort Rettungskräfte alarmieren
- Erste Sicherheitsinstanz im Saal sein
- Überwachung der Sicherheitsvorkehrungen
Die Kosten für diesen vierjährigen Service will die Stadt nicht konkret nennen. Sie verweist lediglich darauf, dass der EU-weite Ausschreibungsschwellenwert von 216.000 Euro deutlich überschritten wird. Geht man von mindestens zwei Kräften pro Vorstellung aus, ergibt sich ein beträchtlicher Personalaufwand über tausende von Stunden.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Kosten | Von 253 Millionen Euro auf fast 800 Millionen Euro |
| Aufführungen pro Jahr | 823 |
| Sicherheitswachen pro Vorstellung | 2 bis 3 |
| Frist für Angebote | 1. Juli |
| Öffnungstermin | 24. September |
| Sicherheitsrisiko | Erhebliche wirtschaftliche und kulturelle Schäden |
Für die Kölner Kulturszene und die steuerzahlende Bürgerschaft ist dieses letzte Kapitel der Bühnen-Saga ein weiterer Puzzlestein in einer Geschichte voller Pannen und Kostenexplosionen. Die „Wirkprinzipprüfungen“ – umfangreiche Tests, bei denen etwa Brandmeldeanlage und Lüftung im Ernstfall zusammenarbeiten müssen – seien jedoch erfolgreich verlaufen, versichert die Stadt. Projektleiter Jürgen Marc Volm sprach im Mai von einer „anspruchsvollen, aber lösbaren Aufgabe“.
Trotz aller Hektik zeigt sich die Stadt zuversichtlich, einen Dienstleister zu finden, der ab dem 1. September die Arbeit aufnimmt. Die Eröffnung im September stehe nicht infrage. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Nach vierzehn Jahren Planung und Bau, nach Milliardenausgaben und öffentlichen Debatten über Versäumnisse, wirkt die kurzfristige Suche nach einer „systemrelevanten“ Brandwache wie ein Symbol. Es symbolisiert die oft schwerfällige Bürokratie, die auch die ambitioniertesten Kulturprojekte begleitet. Für die Besucherinnen und Besucher wird es letztlich unsichtbar sein. Sie werden sich an den renovierten Prachtbauten erfreuen, wohl wissend, dass im Hintergrund nicht nur Künstler, sondern auch Brandwachen dafür sorgen, dass der Theaterabend in Sicherheit genossen werden kann. Die Stadt Köln hofft nun, dass diese letzte Sicherheitslücke schnell geschlossen wird, damit der Vorhang endlich und ohne Zwischenfall aufgehen kann.