Gerade komme ich von einer Ausstellungseröffnung in einer kleinen Galerie am Rand der Stadt. Die Luft war erfüllt mit dieser besonderen Energie, die nur entsteht, wenn Kunst nicht einfach gezeigt, sondern gegen Widerstände gelebt wird. Was dort an der Wand hing, war mehr als nur Malerei. Es war Ausdruck eines zähen Überlebenswillens, direkt aus der unabhängigen Kulturszene. Dieser Wille wird jetzt erneut auf eine harte Probe gestellt.
Zwei Monate vor Jahresende hat das Ministerium für Kultur und Tourismus einen weiteren Schlag geführt. Die Bekanntgabe der sogenannten „Bewerber“ für die Kulturförderung 2025 verzögert sich erneut. Das schafft existenzielle Unsicherheit. Ein Kurator einer wichtigen Off-Space-Initiative sagte mir gestern am Telefon: „Wir planen im Blindflug. Ohne die Förderzusage können wir keine Verträge für das kommende Jahr unterschreiben, nicht mal die Miete für Januar sicherstellen.“ Diese Verzögerung ist kein technisches Problem. Sie ist eine Methode. Sie zermürbt und demotiviert genau jene, die das kulturelle Leben abseits der großen Institutionen am Laufen halten. Insgesamt stehen für die unabhängige Szene 2025 weniger als eine Million Euro zur Verfügung. Eine Summe, die angesichts der vielen hundert Initiativen, Kollektive und freien Gruppen kaum mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ich erinnere mich an das Gefühl in einem besetzten Probenraum vor einigen Jahren. Die Wände waren kahl, aber die Ideen waren überwältigend. Heute fehlt oft schon das Geld für die kahlen Wände.
Diese Situation ist kein Versehen, sondern Ausdruck einer klaren Prioritätensetzung. Kultur wird hier zunehmend als Dienst an staatlich definierten Narrativen verstanden, nicht als freier Raum des Experiments und des Diskurses. Für die unabhängige Szene bedeutet das eine systematische Aushöhlung ihrer Grundlage. Sie wird an den Rand gedrängt, während andernorts mit großen Budgets nationale Identität inszeniert wird. Am Ende steht die Frage, welche Art von Kulturlandschaft wir eigentlich wollen. Eine, die nur noch das Bestehende feiert, oder eine, die auch das Unbequeme, das Neue, das noch nicht Dagewesene Raum gibt.
Meine Hoffnung liegt trotz allem auf den Menschen in den kleinen Galerien, den besetzten Probenräumen und den unermüdlichen Machern. Sie machen weiter, auch gegen alle Widrigkeiten. Das ist die eigentliche Kultur, die es zu bewahren gilt.
- Kulturelle Vielfalt
- Energie der kleinen Galerien
- Existenzielle Unsicherheit
- Kreativität abseits von Institutionen
- Systematische Aushöhlung der Kultur
- Große Budgets für nationale Identität
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Verzögerung | Keine Förderzusage bis Jahresende |
| Budgets 2025 | Weniger als eine Million Euro für die unabhängige Szene |
| Einfluss auf Kultur | Staatlich definierte Narrative |
| Ziel der Kultur | Experiment und Diskurs fördern |
| Kunst als Widerstand | Independence der Kulturszene |
| Hoffnung | Kreativität trotz Widrigkeiten |