Es wird still im Presseraum des Wildparkstadions, als Maximilian Senft die Frage nach der Grenze zwischen Überzeugung und Sturheit erwägt. Der neue Trainer des Karlsruher SC, der nie Profifußballer war, dafür einst als Pokerspieler fast eine Million Dollar gewann, formuliert bedacht. „Wenn du mit deiner Idee gar niemanden mehr mitnehmen kannst, dann ist es wohl eher Sturheit“, sagt der 37-Jährigen. Diese Idee, sein Fußball, steht ab Samstag (20.30 Uhr) auf dem Betzenberg auf dem Prüfstand im Topspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Eine echte Feuerprobe für den ungewöhnlichen Nachfolger der KSC-Institution Christian Eichner.
Seine Philosophie ist tief durchdacht, aber kein starres Dogma. „Ich vermeide das Wort ‚Prinzipien‘, weil Prinzip ‚immer‘ und ‚nie‘ heißt“, erklärt Senft im SPORT1-Interview. Stattdessen setzt er auf gemeinsame Verhaltensweisen, die er intensiv mit dem Team entwickelt. Der ehemalige Poker-Profi überträgt die Lektionen vom grünen Tisch auf den Rasen: „Die Reflexion einer Entscheidung sollte nie ausschließlich vom Ergebnis abhängen.“ Diese Haltung braucht er jetzt. Der Klub hat die klare Mission „Top 20 in Deutschland“ innerhalb von vier Jahren ausgegeben. Der Druck ist da, doch Senft bleibt im Hier und Jetzt. „Wir müssen jetzt die Basis legen. Dafür ist ein gezielter Fokus nötig und keiner, der in die Ferne schweift.“
Seine ungewöhnliche Biografie prägt ihn. Die Jahre als Einzelkämpfer am Pokertisch ließen ihn das Teamgefüge im Fußball erst richtig schätzen. Heute schenkt er der Passform von Charakteren im Kader große Aufmerksamkeit – etwas, das in keinem Trainerlehrgang stehe. Auf LinkedIn teilt er Gedanken, um jüngere Kollegen zu inspirieren. Von Basketball-Legenden wie Phil Jackson hat er mehr gelernt als von vielen Fußballtrainern. Vor dem riesigen Backdrop Betzenberg soll all diese Theorie nun funktionieren. „Hoffentlich etwas, an dem sich die Spieler in schwierigen Phasen festhalten können“, sagt Senft. Und persönlich? Da ist er ganz ehrlich: „Das Herz wird bei mir am Samstag etwas schneller klopfen.“ In Karlsruhe setzt man auf den Denker am Rand, der weiß, dass auch die beste Entscheidung manchmal verlieren kann. Der Beweis steht nun in Lautern an.
- Überzeugung vs. Sturheit
- Gemeinsame Verhaltensweisen
- Reflexion von Entscheidungen
- Mission „Top 20 in Deutschland“
- Teamgefüge schätzen
- Inspiration für jüngere Kollegen
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Trainingsphilosophie | Tief durchdacht, keine starren Dogmen |
| Hintergrund | Ehemaliger Pokerspieler |
| Mission | Top 20 in Deutschland in 4 Jahren |
| Pressestelle | Wildparkstadion |
| Einsatz | Fokus auf Teamdynamik |
| Erwartungen | Funktionierende Theorie auf dem Platz |