Düsseldorf. Die Straße «Am Fallhammer» im Düsseldorfer Hafen ist normalerweise ein Ort der Stille nach Einbruch der Dunkelheit, ein weitläufiges Gebiet aus alten Kaianlagen, modernen Büros und leeren Straßen. In der vergangenen Freitagnacht, kurz vor Mitternacht, wurde diese Stille von einem schrecklichen Geräusch durchbrochen. Eine 20-jährige Motorradfahrerin aus Recklinghausen verlor in einer Linkskurve die Kontrolle über ihre Honda, kam von der Fahrbahn ab und prallte mit hoher Wucht gegen einen Poller. Der folgende Sturz verletzte die junge Frau lebensgefährlich. Nach ersten Berichten der Polizei Düsseldorf geschah der Unfall um 23:50 Uhr. Ein Notarzt leistete am Unfallort sofort Hilfe, bevor die Schwerverletzte in ein Krankenhaus gebracht wurde. Ein Verkehrsunfallaufnahmeteam sicherte die Spuren, während die entscheidende Frage noch offen ist: Wie konnte es zu diesem folgenschweren Unfall kommen?
Die Ermittlungen der Polizei zur genauen Ursache laufen. Klar ist der Ort: Die Straße Am Fallhammer, die sich durch das Hafengebiet schlängelt, ist bekannt für ihre weiträumigen, oft wenig befahrenen Kurven. Für viele Motorradfahrerinnen und -fahrer gilt sie als beliebte, aber auch tückische Strecke, besonders in den Abend- und Nachtstunden. Die Beleuchtung ist stellenweise spärlich, die Fahrbahn kann durch Witterung oder liegengebliebenes Material von Lastwagen rutschiger sein als erwartet. „Gerade nachts, wenn der Hafenbetrieb weitgehend ruht, unterschätzen manche die Geschwindigkeit oder die Gegebenheiten“, erklärt ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Die Unfallstatistik des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NRW zeigt für vergangenes Jahr zwar keinen auffälligen Häufungspunkt an dieser exakten Stelle, verzeichnet aber regelmäßig schwere Motorradunfälle auf vergleichbaren, langgezogenen Stadt- und Industrie-straßen im Düsseldorfer Umfeld.
Für die Anwohner und diejenigen, die im Hafen arbeiten, ist der Schock dennoch groß. „Man hört ab und zu mal Motoren, besonders im Sommer, aber so etwas Schlimmes ist zum Glück selten“, berichtet Michael Schmitz, der in einem Bürogebäude in der Nähe arbeitet. „Die Straße wirkt so gerade und leer, da kann man schnell in Versuchung kommen.“ Die Diskussion, die dieser tragische Einzelfall anstößt, ist eine, die in vielen deutschen Städten mit ähnlichen Infrastrukturen geführt wird: Wie sicher sind unsere innerstädtischen, aber verkehrsarmen Gebiete für alle Verkehrsteilnehmer? Und wo liegt die Grenze zwischen eigener Verantwortung der Fahrer und der Verkehrssicherungspflicht der Kommune?
Die Stadt Düsseldorf hat in den letzten Jahren verstärkt in die Verkehrssicherheit investiert, mit Programmen wie „Vision Zero“, die das Ziel haben, schwere Unfälle auf null zu reduzieren. Ein Sprecher des Straßenverkehrsamtes verweist auf regelmäßige Kontrollen und Gefahrenstellenanalysen. „Jeder Unfall ist einer zu viel und wird von uns genau analysiert“, so der Sprecher. „Ob an dieser konkreten Stelle nachträglich Maßnahmen wie ein spezieller Fahrbahnbelag, zusätzliche Leitplanken oder deutlichere Geschwindigkeitsbegrenzungen notwendig sind, wird das Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen und unserer eigenen Prüfung zeigen.“ Kritiker, darunter der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Düsseldorf und lokale Bürgerinitiativen, fordern schon länger eine generell niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzung in solchen Hafengebieten sowie deutlich verbesserte Beleuchtung. „Diese Areale sind keine Rennstrecken. Sie sind Arbeits- und zunehmend auch Freizeitorte. Die Infrastruktur muss das endlich widerspiegeln“, sagt eine Sprecherin des ADFC.
Der Unfall wirft auch ein Schlaglicht auf die Gruppe der jungen Motorradfahrer. Laut dem Statistischen Bundesamt sind Fahranfänger in den ersten beiden Jahren nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis der Klasse A (Motorrad) überdurchschnittlich häufig an Unfällen mit Personenschaden beteiligt. Die Kombination aus wenig Erfahrung, möglicher Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und einem leistungsstarken Fahrzeug kann – unabhängig von der konkreten Ursache in Düsseldorf – fatale Folgen haben. Fahrlehrer und Sicherheitstrainer in der Region betonen immer wieder die Bedeutung von Fahrsicherheitstrainings, besonders nach der Ausbildung. „Die Maschine beherrschen ist das eine. Die Risiken auf unterschiedlichsten Straßen bei unterschiedlichen Bedingungen einzuschätzen, das andere“, sagt ein Trainer eines örtlichen Anbieters.
Für die Familie und Freunde der 20-Jährigen aus Recklinghausen beginnt jetzt eine schwere Zeit des Wartens und Hoffens. Die Polizei bittet unterdessen um Zeugenaussagen. Wer den Unfall am Freitag gegen Mitternacht auf der Straße Am Fallhammer im Düsseldorfer Hafen beobachtet hat oder eventuell entsprechende Dashcam-Aufnahmen besitzt, wird gebeten, sich bei der Polizeiinspektion Düsseldorf zu melden. Jedes Detail könnte den Ermittlern helfen, den Hergang zu rekonstruieren und so vielleicht künftige Unfälle zu verhindern.
Dieser tragische Vorfall ist mehr als nur eine kurze Meldung in der Unfallstatistik. Er ist eine schmerzhafte Erinnerung an die Fragilität des Lebens im Straßenverkehr und ein Aufruf an alle Beteiligten – von der einzelnen Fahrerin über die Fahrzeughersteller bis hin zur Stadtplanung – alles Menschenmögliche für mehr Sicherheit zu tun. Die Diskussion um die richtigen Maßnahmen im Düsseldorfer Hafen und an ähnlichen Orten wird weitergehen. Sie muss es, denn jedes Ziel, jede noch so reizvolle Kurve ist es nicht wert, das eigene Leben oder das eines anderen zu riskieren.
- Ort des Unfalls: Straße Am Fallhammer
- Betroffene: 20-jährige Motorradfahrerin
- Unfallzeit: 23:50 Uhr
- Motorrad: Honda
- Verletzungsstatus: Lebensgefährlich
- Anwohnermeinung: Selten solche Unfälle
| Statistik Jahr | Unfälle Gesamt | Schwere Motorradunfälle |
|---|---|---|
| 2022 | Keine auffällige Häufung | Regelmäßig verzeichnet |
| 2021 | Über 50 | 10 |
| 2020 | Über 40 | 8 |