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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > München: Entdecken Sie Bernhard Sinkels Filme im Theatiner Kino
München

München: Entdecken Sie Bernhard Sinkels Filme im Theatiner Kino

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 20, 2026 4:20 a.m.
Julia Becker
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Die Filme von Bernhard Sinkel erzählen von Menschen, die gegen den Strom schwimmen. Von Außenseitern, die sich wehren, und von Beziehungen, die an den Verwerfungen der deutschen Geschichte zerbrechen. Ab Freitag ehrt das traditionsreiche Theatiner Filmkunst in München den 1940 geborenen Regisseur und Drehbuchautor mit einer umfangreichen Retrospektive. Unter dem Titel „Eine deutsche Karriere“ werden über drei Wochen hinweg sechs seiner Kinofilme und die vierteilige Fernsehserie „Väter und Söhne“ gezeigt. Das Besondere: Der in München lebende Sinkel wird bei jeder einzelnen Vorstellung persönlich anwesend sein und sich den Fragen des Publikums stellen.

Diese persönliche Nähe zwischen Künstler und Münchner Kinopublikum ist eine Seltenheit und unterstreicht die Verwurzelung Sinkels in der Stadt. Er studierte hier Jura und arbeitete als Rechtsanwalt, bevor er sich in den 1970er Jahren vollständig dem Filmemachen zuwandte. Sein Debüt „Lina Braake“ von 1975 wurde sofort ein großer Publikumserfolg – eine bissige Sozialkomödie, die heute, in Zeiten steigender Mieten und des Kampfs um bezahlbaren Wohnraum, erschreckend aktuell wirkt. Die Geschichte der titelgebenden Rentnerin, die von einer Bank aus ihrer Wohnung geworfen wird und sich mit List und Charme rächt, trifft den Nerv einer gesellschaftlichen Debatte, die München seit Jahren bewegt. Der Film zeigt Sinkels Gespür für Themen, die unter die Haut gehen und direkten Bezug zum Leben der Menschen haben.

Dieses Gespür prägt sein gesamtes Werk, das die Retrospektive nun wieder zugänglich macht. Im Zentrum steht „Berlinger – Ein deutsches Abenteuer“, der am Eröffnungsabend gezeigt wird. Der Film von 1975 erzählt von der Rückkehr des Fabrikantensohns Lukas Berlinger, gespielt von Martin Benrath, in ein Deutschland, das er als Jugendlicher verlassen hatte. Die Begegnung mit seinem angepassten Jugendfreund, verkörpert von Peter Ehrlich, wird zur schonungslosen Studie über Mitläufertum und individuellen Widerstand. In der Doppelrolle der verstorbenen Ehefrau und einer ihr gleichenden jungen Lehrerin glänzt die große Hannelore Elsner. „Berlinger“ ist mehr als nur ein Heimatfilm; er ist eine tiefgründige Reflexion über deutsche Identität, Schuld und die Frage, ob man den Geist der Vergangenheit je wirklich hinter sich lassen kann.

Film Jahr Genre
Lina Braake 1975 Sozialkomödie
Berlinger – Ein deutsches Abenteuer 1975 Drama
Kaltgestellt 1980 Politthriller
Der Mädchenkrieg 1977 Literaturverfilmung
Väter und Söhne 1986 Familiensaga

Sinkels Filme sind stets auch Zeitdokumente, die den politischen und sozialen Wandel in der Bundesrepublik einfangen. Die Retrospektive im Theatiner Filmkunst ist damit weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Filmvorführungen. Sie ist eine Einladung, sich mit einem bedeutenden Kapitel des deutschen Autorenkinos auseinanderzusetzen, das stets den Blick auf den Einzelnen in der Gesellschaft gerichtet hat. Die Anwesenheit Sinkels und bei einem Termin auch von Dominik Graf verwandelt die Vorführungen in lebendige Kinoereignisse und Gesprächsabende. Für Münchner Filmfans und alle, die an der Kulturgeschichte der Stadt und des Landes interessiert sind, bietet sich hier eine einzigartige Gelegenheit: Ein direktes Eintauchen in ein Werk, das von Anpassung und Widerstand erzählt – und damit von Themen, die unsere Gemeinschaft bis heute beschäftigen.

  • Sozialkomödie
  • Politthriller
  • Literaturverfilmung
  • Familiensaga
  • Einladung zur Diskussion
  • Persönliche Anwesenheit des Regisseurs

Die Vorstellungen laufen vom 21. August bis zum 13. September im Theatiner Filmkunst in der Theatinerstraße 32. Karten sind direkt an der Kinokasse oder online erhältlich. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen: Ein Film wie „Lina Braake“ auf der großen Leinwand zu sehen und im Anschluss mit dem Mann zu sprechen, der ihn geschaffen hat, das ist das besondere Versprechen dieser Retrospektive. Es ist ein Stück gelebte Münchner Kinokultur.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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