Nicht nur Krimifreunde, sondern auch Musikfans und Zeitzeugen können sich auf einen besonderen Fernsehabend einstellen. Das ZDF zeigt diesen Samstag um 20.15 Uhr eine neue Folge seiner beliebten Reihe „München Mord“, die auf ungewöhnliche Weise die Stadtgeschichte mit einem legendären Popstar verwebt. Die Episode „Die Stadt, die es nicht gibt“ ist zugleich ein bewegendes Zeitdokument, denn sie ist eine der letzten Arbeiten des im Mai dieses Jahres verstorbenen Münchner Schauspielers Alexander Held.
In der Folge begeben sich die Kommissare Angelika Flierl und Harald Neuhauser auf die Spuren von Freddie Mercury. Der Sänger der Rockband Queen lebte von 1979 bis 1985 tatsächlich in München. Diese biografische Besonderheit nimmt das Drehbuchteam um Matthias Kiefersauer und Alexander Liegl als Ausgangspunkt für einen Mordfall, der tief in die Ära der wilden Achtzigerjahre eintaucht.
Die Handlung beginnt mit einer rauschenden Motto-Party in einem Münchner Vorort, die als Hommage an das Jahrzehnt gefeiert wird. Doch das Fest endet tragisch. Die Gastgeberin Nora wird tot aufgefunden, nachdem alle Gäste durch K.o.-Tropfen in der Bowle bewusstlos wurden. Ihr wurde eine tödliche Injektion verabreicht. Bei den Ermittlungen stößt Alexander Helds Figur, der Ermittler Ludwig Schaller, im Nachlass der Toten auf einen rätselhaften Stadtplan. Die Markierungen darauf führen zu Orten, die mit dem Leben von Freddie Mercury in München verbunden sind.
„Welche Rolle die Vaterschaft und nicht zuletzt auch Mercurys markante Schneidezähne für die Ermittlungen im Krimi spielen, ist von den Drehbuchautoren fein ausgedacht“, schreibt unser Medienkollege Tilmann P. Gangloff in seiner Vorabkritik. Die Frage, ob der Queen-Sänger damals in München einen Sohn gezeugt haben könnte, wird zum zentralen Motiv in den Ermittlungen der Münchner Kommissare. Diese ungewöhnliche Prämisse verbindet fiktive Krimi-Elemente mit realen lokalhistorischen Bezügen und schafft so ein besonderes München-Gefühl.
Für viele Münchner, die die Achtziger selbst erlebt haben, dürfte die Folge auch eine Reise in die eigene Vergangenheit sein. Im Film wird Kommissar Neuhauser, gespielt von Marcus Mittermeier, von nostalgischen Erinnerungen übermannt, als er eine Jugendbekanntschaft wieder trifft. „Er hat die Freitagabende seiner späten Teenager-Jahre regelmäßig in der Alabama-Halle verbracht“, heißt es in der Beschreibung. Solche Details machen die Episode für das lokale Publikum besonders greifbar. Sie erinnern an eine Zeit, in der München als heimliche Hauptstadt der deutschen Pop- und Szene-Kultur galt, mit legendären Clubs wie dem „Nachtwerk“ oder dem „Sugar Shack“.
Alexander Held, der hier zum vorletzten Mal den kauzigen Ermittler Schaller verkörperte, verband sogar eine eigene, kleine persönliche Anekdote mit dem Star. Wie er den Kollegen am Set erzählte, arbeitete er in den Achtzigern selbst als Barkeeper in der Szene-Kneipe „Kleine Freiheit“ in der Hans-Sachs-Straße. Dort servierte er Freddie Mercury, der eigentlich Wodka bestellt hatte, einen hervorragenden Cognac. Der Popstar war so begeistert, dass er dem jungen Barkeeper ein beachtliches Trinkgeld daließ. Diese Geschichte zeigt, wie sehr die Figur Mercury Teil des Münchner Stadtlebens jener Jahre war – nicht nur ein unerreichbarer Star, sondern gelegentlich auch ein Gast in der lokalen Kneipenszene.
Regisseurin Eva Spreitzhofer inszeniert den Fall laut Vorabberichten als kurzweilige Mischung aus Ermittlungsarbeit und Zeitkolorit. Neben dem Hauptfall gibt es typisch bayerische Situationskomik, etwa wenn das Kommissariat-Team die neue Chefin, Kriminaloberrätin Doktor Hösl aus der Oberpfalz, zunächst fälschlicherweise für eine Kollegin des Rechtsmediziners hält. Auch die kleinen Scharmützel zwischen der bodenständigen Flierl und dem etwas verträumten Neuhauser gehören zum bewährten Rezept der Serie.
Für Münchner ist die Folge damit mehr als nur ein Krimi. Sie ist eine Reminiszenz an eine prägende Ära der Stadt, in der München internationaler und experimentierfreudiger wurde. Die Präsenz eines Weltstars wie Mercury, der hier sein Soloalbum „Mr. Bad Guy“ aufnahm, steht symbolisch für diesen Aufbruch. Der Film nutzt diese historische Folie, um eine Geschichte über Lebenslügen, verpasste Chancen und die Macht der Nostalgie zu erzählen. Am Ende, so verrät die Kritik, verhindert sogar Queen-Hit „Bohemian Rhapsody“ eine Tragödie.
Die Ausstrahlung dieser besonderen Folge ist auch ein würdiger Abschied von Alexander Held, der über viele Jahre als Ludwig Schaller das Münchner Ermittler-Team mit seiner trockenen Art bereicherte. Sein Kommentar im Film – wer sich noch an die Achtziger erinnern könne, sei nicht dabei gewesen – bekommt so eine zusätzliche, melancholische Note. Dieser „München Mord“ lädt ein, sich an ein Stück Stadtgeschichte zu erinnern, das genauso legendär wie vergangen ist.
- Kommende Folge von „München Mord“
- Inspiriert von Freddie Mercury
- Handlung spielt in den Achtzigern
- Mörderische K.o.-Tropfen
- Nostalgische Erinnerungen
- Abschied von Alexander Held
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Sendetermin | Samstag, 20.15 Uhr |
| Regie | Eva Spreitzhofer |
| Schauspieler | Alexander Held, Marcus Mittermeier |
| Musik | Queen |
| Ort | München |
| Jahrzehnt | Achtziger Jahre |