Party-Check: Berliner Wahlhilfe entdecken
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September wirft ihre Schatten voraus, und für viele Bürgerinnen und Bürger stellt sich die Frage: Welche Partei vertritt eigentlich meine Ansichten? Neben dem traditionsreichen Wahl-O-Mat, der am Montag mit 38 Thesen online geht, hat die Universität Potsdam nun ein neues, interessantes Online-Tool vorgestellt: den „Party-Check“.
Entwickelt von einem Forschungsteam um den Potsdamer Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek, bietet dieses Instrument eine etwas andere Herangehensweise an die politische Orientierung. Das Tool umfasst 18 ausgewählte Fragen zu hochaktuellen Berliner Themen. Dazu gehören der brisante Wohnungsmarkt und die Debatte um Enteignungen, die Zukunft der Gemeinschaftsschulen, konkrete Klimaschutzmaßnahmen in der Stadt und der politische Umgang mit der AfD.
Der entscheidende Unterschied: Experteneinschätzung statt Parteibefragung
Während die Positionen im Wahl-O-Mat direkt von den antretenden Parteien selbst stammen, arbeitet der Party-Check mit einer wissenschaftlichen Auswertung. Die Parteipositionen basieren auf dem „Länder Expert Survey“, einer regelmäßigen Befragung von Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern, die Thomeczek seit 2024 durchführt. Die Idee dahinter: Experten können die tatsächliche Politik und das Abstimmungsverhalten von Parteien oft nüchterner einordnen als deren eigene, manchmal auf Wählerschaft zugeschnittene Selbstdarstellung.
Für die Nutzer bietet der Party-Check zwei besondere Features. Erstens kann man nicht nur angeben, ob man einer These zustimmt oder nicht, sondern auf einer Skala mit 20 Stufen den eigenen Standpunkt präzise verorten. Zweitens kann man für jede Frage bewerten, wie wichtig oder unwichtig einem das Thema persönlich ist. Diese Gewichtung fließt in das Endergebnis ein. Dieses zeigt dann in Prozent an, inwieweit die eigene Position mit den – aus Expertensicht ermittelten – Standpunkten der verschiedenen Parteien in einzelnen Themenbereichen übereinstimmt.
Inklusives Tool für Berlins vielfältige Stadtgesellschaft
Ein weiterer Pluspunkt ist die Mehrsprachigkeit. Erstmals gibt es den Party-Check auch in einer englischsprachigen Version und speziell für die Berliner Wahl sogar auf Türkisch. Damit spricht das Tool gezielt große Teile der Berliner Bevölkerung an und fördert die politische Teilhabe von Menschen, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. Darüber hinaus können Nutzerinnen und Nutzer freiwillig ihre anonymisierten Daten für die weitere wissenschaftliche Forschung zur Verfügung stellen.
Zwei Tools, ein Ziel: Politische Orientierung vor der Wahl
Die zeitgleiche Verfügbarkeit von Wahl-O-Mat und Party-Check ist ein Gewinn für die Berliner Demokratie. Sie bieten komplementäre Perspektiven. Der Wahl-O-Mat gibt einen direkten Einblick in die Selbstdarstellung der 17 antretenden Parteien zu 38 Thesen. Er ist ein etabliertes, breit kommuniziertes Instrument der politischen Bildung.
Der Party-Check hingegen bietet mit seiner wissenschaftlichen, expertenbasierten Grundlage und der feineren Abstufung der Antwortmöglichkeiten eine tiefergehende analytische Ebene. Er kann besonders für politisch interessierte Menschen spannend sein, die ihre Haltung bereits gut kennen und sie mit einer externen, forschungsbasierten Einschätzung der Parteienlandschaft abgleichen möchten. Die Möglichkeit, Themen zu gewichten, spiegelt zudem wider, dass nicht alle politischen Fragen für jede Bürgerin und jeden Bürger das gleiche Gewicht haben.
Was bedeutet das für Berliner Wählerinnen und Wähler?
Die Existenz beider Tools unterstreicht den Wert einer informierten Wahlentscheidung. Sie laden dazu ein, sich vor dem 20. September aktiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Der Party-Check ist dabei mehr als nur eine Alternative; er ist eine wissenschaftlich fundierte Ergänzung. Er fordert Nutzer auf, präziser über ihre politischen Haltungen nachzudenken, und liefert eine Einschätzung, die über die reine Parteikommunikation hinausgeht.
Für eine Stadt wie Berlin, die von lebhaften politischen Debatten und einer enormen gesellschaftlichen Vielfalt geprägt ist, sind solche Instrumente essenziell. Sie helfen, Komplexität zu reduzieren und die Brücke zwischen den oft abstrakten Diskussionen im Abgeordnetenhaus und den konkreten Lebensrealitäten der Menschen in Neukölln, Charlottenburg, Marzahn oder Kreuzberg zu schlagen. Letztlich stärken sowohl der Wahl-O-Mat als auch der neue Party-Check die Grundlage unserer lokalen Demokratie: die mündige Entscheidung der Bürgerinnen und Bürger, basierend auf bestmöglicher Information.
- 18 ausgewählte Fragen
- Wissenschaftliche Auswertung
- Mehrsprachigkeit des Tools
- Gewichtung der Themen
- Expertensicht auf Parteipositionen
- Förderung der politischen Teilhabe
| Feature | Wahl-O-Mat | Party-Check |
|---|---|---|
| Quellen | Parteien | Experten |
| Fragen | 38 Thesen | 18 Fragen |
| Bewertungssystem | Einfach zustimmen oder ablehnen | 20-Stufen-Skala |
| Sprachen | Deutsch | Deutsch, Englisch, Türkisch |
| Zielgruppe | Allgemeine Wählerschaft | Politisch interessierte Menschen |
| Datenanonymisierung | Nein | Ja |