Manche Dinge erledigt man lieber selbst. Das Auto bringt man selbst in die Werkstatt. Den Gartenzaun repariert man allein. Bei den eigenen Gefühlen und Belastungen funktioniert das oft nicht.
Der Schauspieler Martin Luding erlebte das. Nach einer Trennung und während der Pandemie versuchte er alles allein zu stemmen. Freunde rieten ihm, langsamer zu machen. Er spürte den Druck. «Klar war, ich komme alleine nicht weiter», sagt er heute. Eine neue Beziehung war in Gefahr, weil alles als Vorwurf ankam. Da suchte er Hilfe.
Die Psychologin Katharina Piekorz beobachtet das oft. «Ich erlebe im Erstgespräch häufig Männer, die hochgradig belastet sind und trotzdem die Frage stellen: Ist das denn jetzt schlimm genug?» Frauen, so ihre Erfahrung, kommen schneller zu dem Schluss, Hilfe zu brauchen. Sie sieht den Grund im Rollenbild. Wer als Junge nicht erlebt, dass Männer über Sorgen sprechen, tut sich später schwer damit.
Die Folgen sind ernst. Eine Umfrage zeigt, dass nur 57 Prozent der Männer mit ihrer Familie über Probleme reden. Mehr als jeder Dritte versucht, alles alleine zu bewältigen. Männer sterben im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen. Die Gründe sind oft vermeidbar. Doch das Thema ist tabu. Warnzeichen wie schlechter Schlaf, exzessiver Sport oder hoher Alkoholkonsum werden ignoriert. «Das ist fahrlässig», sagt Piekorz.
Sie vergleicht es mit der Motorkontrollleuchte im Auto. Die würden die meisten schnell checken lassen. «Doch die eigenen mentalen Warnzeichen schieben viele Männer erstaunlich lange beiseite, funktionieren weiter.» Irgendwann geht nichts mehr.
Martin Luding wollte keine wohlwollenden Ratschläge aus seinem Umfeld. Er suchte eine klare Anleitung. «Ich wollte kein Verständnis für mein Leben, sondern eine Anleitung, wie ich da rauskomme», erklärt er. Die anderthalb Jahre Therapie waren für ihn eine wichtige Erfahrung.
Piekorz betont, dass psychologische Hilfe kein Zeichen von Schwäche ist. Es geht um Selbstverantwortung. «Und so ein Perspektivwechsel kann ja durchaus sehr männlich und stark sein», sagt sie. Es ist eine Entscheidung für das eigene Leben. Manchmal bedeutet Stärke eben, zu wissen, wann man Hilfe braucht und sie dann auch anzunehmen.
- Befindlichkeit ernst nehmen
- Über Sorgen sprechen
- Familienangehörige einbeziehen
- Ratschläge einholen
- Psychologische Hilfe suchen
- Selbstverantwortung übernehmen
| Aspekt | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Probleme ansprechen | 57% | Höher |
| Versuche, alleine zu bewältigen | Mehr als 1/3 | Niedriger |
| Durchschnittliche Lebenserwartung | 5 Jahre weniger | 5 Jahre mehr |