Eine überraschende Wahrheit wartet in den weißen Hallen des Dresdner Albertinums auf Sie. Während die Welt Rodin mit Paris verbindet, schlummerte hier in Sachsen einst ein fast vergessener Schatz, der heute Bewunderung und Staunen hervorruft. Die Ausstellung „Das große Drama. Auguste Rodin und der Streit um die Moderne“ ist kein typischer Museumsbesuch. Sie ist eine Zeitreise in einen erbitterten Kunststreit und gleichzeitig der Beweis, wie mutige Entscheidungen ein Museum für immer prägen können.
Bis zum 22. August 2027 können Sie im Albertinum erleben, was damals für Aufruhr sorgte. Sie stehen vor zwölf Plastiken von Auguste Rodin, darunter bekannte Meisterwerke wie „Der Denker“. Doch damals, vor über einem Jahrhundert, waren diese Skulpturen für viele Dresdner Künstler ein Ärgernis. Sie nannten sie abschätzig „die weißen Geister“.
Der Grund für den Spott lag im Material. Die Bildhauer jener Zeit nutzten vorwiegend Gips für ihre Modelle. Dieses helle, oft unvollendet wirkende Material stand im krassen Kontrast zu den bronzenen, perfekt polierten Werken der Tradition. Für manche Zeitgenossen sah das nach etwas Unfertigem, sogar Krankenhaftem aus. Heute erkennen wir darin Rodins geniale Revolution.
Der Mann, der diese Revolution nach Dresden brachte, hieß Georg Treu. Als damaliger Direktor der Skulpturensammlung traf er eine Entscheidung, die ihn zum Zentrum eines Skandals machte. Er kaufte mutig Werke von Rodin und anderen französischen und belgischen Künstlern an. Der Ankaufsetat des Museums floss ins Ausland, und das passte den einheimischen Bildhauern gar nicht. Sie starteten eine öffentliche Kampagne, sprachen von „krankhafter Ausländerei“ und forderten, das Geld im Land zu lassen.
Georg Treu blieb standhaft. Er erklärte, dass das Museum ohne diese Werke den Anschluss an die moderne Kunst verpassen würde. Diese Entscheidung erwies sich als visionär. Was als „Dresdner Bildhauerstreit“ in die Geschichte einging, war mehr als eine Provinzposse. Es war ein fundamentaler Konflikt darüber, was Kunst sein darf und wohin sie sich entwickelt.
Die Ausstellung zeigt Ihnen genau diese Entwicklung. Sie sehen nicht nur Rodins Torsi, die damals so umstritten waren. Ein Torso, ein unvollendeter Körper, war vor Rodin undenkbar als vollwertiges Kunstwerk. Er erfand diese Form neu. Sie sehen daneben auch Werke von Constantin Meunier, der Arbeiter in seiner Kunst darstellte, oder das monumentale „Monument aux morts“ von Albert Bartholomé.
- Rodins Torsi und Skulpturen
- Constantin Meuniers Darstellungen von Arbeitern
- Albert Bartholomés „Monument aux morts“
- Historische Fotografien
- Dokumente aus der Epoche
- Gemälde der Zeit
Diese Künstler flohen nicht mehr in mythologische Themen. Sie nahmen den Alltag, das Drama des irdischen Lebens in den Blick. Diese Hinwendung zur Realität, oft roh und ungeschönt, macht die Schau bis heute aktuell. Wie damals steht auch die zeitgenössische Kunst oft unter Rechtfertigungsdruck. Die Frage, was Kunst darf und muss, ist immer neu zu stellen.
Ein Besuch lohnt sich also gleich doppelt. Sie erleben erstklassige Kunst von einem der größten Bildhauer der Moderne. Zugleich werden Sie Zeuge eines spannenden Stücks Dresdner und deutscher Kunstgeschichte. Sie verstehen, warum diese einst geschmähten „weißen Geister“ heute ein Stolz der Stadt sind.
Das Albertinum hat die Schau klug ergänzt mit Gemälden der Zeit, historischen Fotografien und Dokumenten. So tauchen Sie tief ein in die Epoche und den Streit. Nutzen Sie die Chance, diesen einzigartigen Bestand außerhalb von Paris zu sehen. Er gehört zu den bedeutendsten Rodin-Sammlungen Deutschlands und ist das Vermächtnis eines Mannes, der mehr sah als seine Zeitgenossen: Georg Treu. Seine mutige Haltung beschert uns heute diesen kulturellen Reichtum.
| Künstler | Werk | Material |
|---|---|---|
| Auguste Rodin | Der Denker | Bronze |
| Constantin Meunier | Arbeiter | Gips |
| Albert Bartholomé | Monument aux morts | Marmor |
| Auguste Rodin | Torsos | Gips |
| Georg Treu | Sammlung | Verschiedenes |