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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Schüsse auf Berliner Barbier-Salon: Verbindung zu Rapper Samra
Berlin

Schüsse auf Berliner Barbier-Salon: Verbindung zu Rapper Samra

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 27, 2026 12:39 a.m.
Julia Becker
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Frühmorgendliche Schüsse und ein Sprengsatz am Schildhornweg

Die Nacht zum Sonntag im ruhigen Steglitz-Zehlendorf wurde jäh unterbrochen. Gegen 4:20 Uhr schreckten mehrere laute Knaller Anwohner im Bereich des Schildhornwegs auf. Wie sich herausstellte, hatten Unbekannte mehrfach auf einen Barbier-Salon geschossen. Zudem zündeten sie einen selbstgebastelten Sprengsatz an der Fassade des Geschäfts, der jedoch nicht detonierte. Verletzt wurde bei dem gezielten Angriff glücklicherweise niemand. Aufmerksame Nachbarn alarmierten die Polizei, die mit einem Großaufgebot ausrückte und die Straße in beide Richtungen sperrte.

Das betroffene Geschäft, der „Barbier am Schildhorn“, steht in Verbindung zum Berliner Rapper Samra, der auf Social Media für den Salon wirbt. Dieser Umstand verleiht der Tat eine besondere Dimension und lässt Ermittler auf eine gezielte Aktion schließen. Erst am Vortag waren Samra und sein Kollege Capital Bra auf dem Kreuzberger Oranienplatz im Rahmen einer Werbeaktion für ein gemeinsames Album aufgetreten. Ob hier ein Zusammenhang besteht ist eine der zentralen Fragen für die Fahnder.

Die Ermittlungen hat umgehend die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts (LKA) übernommen. Die Abkürzung steht lateinisch für „Eisen“ und symbolisiert den harten Kurs der Einheit, die vor gut neun Monaten speziell zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) in Berlin gegründet wurde. Die Staatsanwaltschaft unterstützt die Arbeit mit der parallel eingerichteten Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“). Diese enge Verzahnung von Polizei und Justiz zeigt, mit welcher Priorität die Behörden auf die jüngste Eskalation der Gewalt reagieren.

Ein beunruhigendes Muster: Von Schüssen zu Sprengstoff

Der Vorfall in Steglitz ist leider kein Einzelfall, sondern fügt sich in eine Serie besorgniserregender Attacken der letzten Monate ein. Immer wieder wurden in Berlin Geschäfte, Imbisse oder Friseursalons, die im Umfeld der Rap-Szene oder mutmaßlich mit Clan-Strukturen in Verbindung gebracht werden, Ziel von Angriffen. Die Mittel werden dabei immer brutaler: Waren es anfangs vor allem Drohungen und Sachbeschädigungen, folgten Schüsse auf Schaufenster und Eingangstüren. Nun, wie in Steglitz, kommen selbstgebaute Brand- und Sprengsätze zum Einsatz – eine gefährliche Entwicklung, die das Leben unbeteiligter Anwohner massiv gefährdet.

  • Brutalere Angriffe
  • Zusammenhang mit Rap-Szene
  • Immer mehr Geschäfte betroffen
  • Selbstgebaute Brand- und Sprengsätze
  • Bandenkriminalität in Berlin
  • Einheit „Ferrum“ initiierte 600 Ermittlungsverfahren

Die Berliner Polizei führt seit Jahren einen schwierigen Kampf gegen die sich verzahnenden Strukturen von Bandenkriminalität, Clan-Rivalitäten und der teilweise damit verflochtenen Musikszene. Die Einheit „Ferrum“ hat nach eigenen Angaben seit ihrer Gründung bereits über 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet (Stand: 13. August). Diese Zahl illustriert das immense Ausmaß des Phänomens, mit dem die Hauptstadt ringt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin kommentierte den jüngsten Vorfall mit deutlichen Worten: „Losgelöst davon, ob der Laden einem Rapper gehört oder nicht, sehen wir in der letzten Nacht einen weiteren Beleg für die besorgniserregende Entwicklung, dass zur Konfliktlösung oder Durchsetzung eigener Interessen zunehmend zu Schusswaffen und längst sogar zu Brand- und Sprengsätzen gegriffen wird.“ Diese Einschätzung trifft den Kern der Sorge vieler Bürgerinnen und Bürger: Die Gewalt eskaliert und droht, in Wohngebiete hineinzutragen.

Lokale Betroffenheit: Unsicherheit im vermeintlich ruhigen Bezirk

Steglitz-Zehlendorf gilt vielen als einer der grünen, wohlhabenden und vergleichsweise ruhigen Bezirke Berlins. Vorfälle wie dieser schocken hier besonders. „Man fühlt sich in seiner Sicherheit direkt angegriffen“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Das ist mitten in einem Wohngebiet passiert. Was, wenn der Sprengsatz funktioniert hätte? Was, wenn jemand früher zur Arbeit gegangen wäre?“ Diese Fragen beschäftigen die Menschen vor Ort.

Position Namen Reaktion
Bezirksbürgermeister Mertcan Özcan „Solche kriminellen Energien haben in unserem Bezirk keinen Platz.“
GdP Gewerkschaft der Polizei „Besorgniserregende Entwicklung der Gewalt.“
LKA Sondereinheit „Ferrum“ „Über 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet.“

Der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Mertcan Özcan (CDU), zeigt sich alarmiert: „Solche kriminellen Energien haben in unserem Bezirk keinen Platz. Wir unterstützen die Arbeit der Polizei nach Kräften und fordern eine konsequente Aufklärung.“ Die örtlichen Polizeiabschnitte sind bereits seit längerem in erhöhter Wachsamkeit, doch die Prävention solch gezielter, nachts ausgeführter Attacken bleibt eine enorme Herausforderung.

Hintergründe im Dunkeln – die Ermittlungen laufen

Die Motive für den Anschlag sind derzeit völlig unklar. Die Polizei prüft alle denkbaren Richtungen: Steckt eine Auseinandersetzung innerhalb der Musikszene dahinter? Geht es um Schutzgelderpressung oder eine Machtdemonstration krimineller Gruppen? Oder ist der Barbier-Salon nur ein Symbol, das getroffen werden sollte? Die Ermittler von „Ferrum“ sichten aktuell Videoaufnahmen von Überwachungskameras in der Umgebung und befragen Zeugen. Die Tatwaffe sowie der nicht explodierte Sprengsatz wurden sichergestellt und werden forensisch untersucht. Solche Spuren können oft entscheidende Hinweise auf die Täter liefern.

Die Berliner Staatsanwaltschaft betont die intensive Zusammenarbeit mit dem LKA. Man sei entschlossen, mit allen rechtlichen Mitteln gegen diese Form der Gewaltkriminalität vorzugehen. Die Einrichtung der spezialisierten Gruppen „Ferrum“ und „Telum“ war ein erster Schritt, um Ermittlungen zu bündeln und effektiver zu führen. Ob die personellen und rechtlichen Mittel jedoch ausreichen, um die sich wandelnde Bedrohungslage langfristig in den Griff zu bekommen, bleibt eine offene Frage.

Was bedeutet das für Berlin?

Der Vorfall in Steglitz ist ein Symptom für ein tieferliegendes Problem in der Hauptstadt. Die Überschneidung von kriminellen Milieus mit Teilen der Unterhaltungsbranche, die Nutzung sozialer Medien für Provokationen und die zunehmende Bereitschaft, Konflikte mit extremer Gewalt auszutragen, schaffen eine toxische Mischung. Für die Stadtgesellschaft bedeutet dies eine wachsende Verunsicherung. Geschäftsleute, die in bestimmten Branchen tätig sind, fühlen sich bedroht. Anwohner in betroffenen Vierteln fürchten um ihre Sicherheit.

Die Polizei steht unter immensem Druck, Ergebnisse zu liefern und die Gewaltspirale zu durchbrechen. Erfolge in der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sind jedoch mühsam und selten schnell sichtbar. Es braucht nicht nur repressive Maßnahmen, sondern auch präventive Ansätze in den Communities und eine klare Distanzierung von Gewaltverherrlichung in allen Bereichen der Gesellschaft.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner Berlins ist die Botschaft dieser Nacht ernüchternd: Selbst in als sicher geltenden Bezirken ist die Stadt nicht immun gegen die Auswüchse einer eskalierenden Bandenkriminalität. Die Hoffnung liegt nun auf den Ermittlern von „Ferrum“ und „Telum“, dass sie die Täter von Steglitz schnell fassen können – und dass dies ein Signal an alle sendet, dass solche Taten nicht ungesühnt bleiben. Bis dahin bleibt ein Gefühl der Beklommenheit in der Morgenluft am Schildhornweg.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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