In der kommenden Nacht erwartet Sternenfreunde in Essen ein seltenes Schauspiel. Die Perseiden, der berühmte Meteorstrom des Hochsommers, erreichen ihren Höhepunkt. Für die Menschen in unserer Stadt könnten die Bedingungen in diesem Jahr fast perfekt sein. Wer die magischen Lichtstreifen am Himmel einfangen will, muss allerdings einige Dinge beachten – vor allem die Uhrzeit. Denn das astronomische Maximum fällt in eine Phase, in der es bei uns schon wieder hell wird.
Die Perseiden sind bereits seit Mitte Juli aktiv und bleiben es bis Ende August. Ihre Hauptnacht fällt auf den 12. August. Ein großes Glück in diesem Jahr: Es ist Neumond. Das bedeutet, kein helles Mondlicht stört die Sicht auf die schwächeren Sternschnuppen. Die Internationale Meteor-Organisation (IMO) spricht deshalb von „ausgezeichneten Beobachtungsbedingungen“. Auch der Deutsche Wetterdienst lässt für Essen in der Nacht auf Donnerstag auf klaren Himmel und trockenes Wetter hoffen.
Doch hier beginnt die Planung für Essener Beobachter. Das berechnete Hauptmaximum der Perseiden liegt laut IMO zwischen 4 und 6 Uhr morgens (MESZ). Zu dieser Zeit beginnt in Essen jedoch bereits die Morgendämmerung. Die Sonne geht am Mittwoch gegen 21 Uhr unter, vollständig dunkel ist es ab etwa 23:26 Uhr. Schon um 3:47 Uhr am Donnerstagmorgen graut der Himmel wieder, um 6:14 Uhr geht die Sonne auf.
Das ergibt ein ideales Zeitfenster für Essener: Es liegt zwischen etwa 23:30 Uhr und 3:45 Uhr. In dieser Zeit ist der Himmel am dunkelsten, und der sogenannte Radiant – der scheinbare Ausgangspunkt der Perseiden am Himmel – steht immer höher. Je höher er steht, desto mehr Meteore sind theoretisch sichtbar. „Wer bis zum eigentlichen Maximum warten will, wird enttäuscht sein“, erklärt ein Mitarbeiter der Walter-Hohmann-Sternwarte in Schuir. „Bei uns wird es dann einfach zu hell.“
Von den oft zitierten „100 Sternschnuppen pro Stunde“ sollten sich Essener allerdings nicht blenden lassen. Diese Zenitrate gilt nur unter optimalsten Bedingungen: bei völliger Dunkelheit auf dem Land, mit freier Rundumsicht. Über dem lichtdurchfluteten Ruhrgebiet werden deutlich weniger zu sehen sein. Die IMO weist zudem darauf hin, dass die allgemeine Aktivität der Perseiden in diesem Jahr möglicherweise etwas schwächer ausfällt als in manchen Vorjahren.
Der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Beobachtungsnacht ist die Flucht vor dem Licht. Künstliche Beleuchtung ist der größte Feind des Sternenfreunds. Die Stadt Essen weist selbst in ihren Informationen darauf hin, dass die sogenannte Lichtverschmutzung innerhalb einer Großstadt die Beobachtung stark erschwert. Die Innenstadt oder beleuchtete Parkplätze sind daher denkbar ungünstige Orte.
„Für Essener lohnt sich die Fahrt in die Randbezirke“, rät der Sternwarten-Mitarbeiter. Besonders der Stadtteil Schuir im Süden der Stadt biete sich an. Er ist ländlich geprägt, mit Feldern, Wiesen und wenig Straßenlaternen. Dort steht auch die Walter-Hohmann-Sternwarte, die den Nachthimmel mit sieben speziellen Kameras überwacht und Nacht für Nacht Meteore aufzeichnet.
Eine verbreitete Idee ist der Aufstieg auf eine der Essener Halden, wie die Schurenbachhalde in Altenessen. Die Höhe allein bringt aber keinen Vorteil. „Wenn man von der Halde direkt auf das erleuchtete Ruhrgebiet blickt, hat man sogar mehr Lichtverschmutzung im Gesichtsfeld“, so der Experte. Ein dunkler, ebenerdiger Platz am Rand eines Feldes – natürlich nur auf öffentlichen Wegen – sei oft die bessere Wahl. Wichtig ist Geduld: Die Augen brauchen etwa 20 bis 30 Minuten, um sich vollständig an die Dunkelheit zu gewöhnen. Jeder Blick auf das grelle Smartphone-Display zerstört diese Anpassung für mehrere Minuten.
Wer den Abend des 12. August astronomisch einläuten möchte, kann sogar ein Doppelereignis erleben. Zwischen 19:17 Uhr und 20:11 Uhr zieht der Mond vor der Sonne vorbei und erzeugt eine partielle Sonnenfinsternis. Warnung: Für diese Beobachtung ist zwingend ein spezieller Sonnenfinsternis-Schutz für die Augen notwendig! Einfache Sonnenbrillen sind absolut ungeeignet und gefährlich.
Für die Perseiden später in der Nacht braucht es dagegen keinerlei Equipment. Im Gegenteil: Ferngläser oder Teleskope sind hinderlich, da sie das Blickfeld extrem verkleinern. Am besten legt man sich auf eine Decke oder einen Liegestuhl und schaut mit bloßem Auge entspannt in den Himmel – am besten in Richtung Nordosten. Die Perseiden scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen, das in dieser Nacht in dieser Richtung aufgeht.
Es ist ein Event, das Gemeinschaft stiftet. In sozialen Medien bilden sich bereits Gruppen, die sich an dunklen Orten wie im Naumanns Busch in Kettwig oder an den Randlagen des Baldeneysees verabreden. Es ist eine einfache, kostengünstige Möglichkeit, dem Alltag der Stadt zu entfliehen und gemeinsam den Zauber des Kosmos zu bestaunen. Packen Sie eine warme Jacke ein, denn in der Nacht kann es frisch werden, nehmen Sie eine Thermoskanne Tee mit und etwas Geduld. Das Wunder am Himmel zeigt sich nicht auf Knopfdruck, aber wenn man es zufällig erhascht, ist der Moment umso magischer.
- Hauptnacht am 12. August
- Neumond sorgt für optimale Sicht
- Hauptmaximum zwischen 4 und 6 Uhr morgens
- Ideales Zeitfenster von 23:30 Uhr bis 3:45 Uhr
- Künstliche Beleuchtung vermeiden
- Schuir als empfehlenswerter Beobachtungsort
| Uhrzeit | Event |
|---|---|
| 19:17 – 20:11 | Partielle Sonnenfinsternis |
| 23:30 – 3:45 | Ideales Zeitfenster für Perseiden |