Für die Menschen in Stuttgart-Nord rückt ein langgeplantes Großprojekt ein entscheidendes Stück näher: Der Baubeschluss für die Erschließung des künftigen Stadtquartiers „Maker City“ steht unmittelbar bevor. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik stimmte in seiner Sitzung am 28. Juli mit großer Mehrheit für die Vorbereitungen. Damit wird der Weg frei für die ersten konkreten Bauarbeiten im ambitionierten Stadtentwicklungsprojekt Stuttgart Rosenstein, die bereits Anfang 2027 starten sollen.
Die sogenannte Maker City auf dem Teilgebiet C1 an den historischen Wagenhallen ist der erste Baustein des gesamten Rosenstein-Areals. Anders als andere Teile des Gebiets ist sie nicht vom Bau des neuen Bahnhofs Stuttgart 21 abhängig und kann eigenständig entwickelt werden. Mit dem Beschluss, der nun am 30. Juli vom Stuttgarter Gemeinderat formell gefasst werden soll, wird die Stadtverwaltung ermächtigt, die notwendigen Bau- und Planungsleistungen zu vergeben. Derzeit werden die Flächen bereits vorbereitet.
„Wir schaffen hier die Grundlagen für ein urbanes, kreatives und lebenswertes Stadtquartier“, erklärt eine Sprecherin des Stadtplanungsamts. Die Erschließungsmaßnahmen umfassen den Bau der ersten Straßen sowie der Schmutz- und Regenwasserkanäle. Das Besondere: Das gesamte Quartier soll nach dem Prinzip der „Schwammstadt“ entstehen. Das bedeutet, dass Regenwasser nicht einfach abgeleitet, sondern möglichst vor Ort gehalten und genutzt wird. Geplant sind unter anderem:
- specielles Sickerpflaster
- Baumrigolen – unterirdische Speicher für Regenwasser
- Mulden
- Regenwassernutzung zur Bewässerung
- Entlastung der Kanalisation
- Förderung des Mikroklimas
„Ziel ist es, das Wasser zu versickern und für die Bewässerung der Grünflächen im Quartier zu nutzen. Das entlastet die Kanalisation und fördert das Mikroklima“, so die Stadtplanerin.
Ein weiteres Highlight der nachhaltigen Infrastruktur ist auf dem zukünftigen Wagenhallenplatz geplant: die Installation von Erdwärmesonden. Diese sollen die Energie der Erde anzapfen und das Quartier mit nachhaltiger Geothermie versorgen. „Das sind Investitionen in die Zukunft, die langfristig Ressourcen schonen und Lebensqualität schaffen“, betont ein Mitglied des Stadtentwicklungsausschusses.
Trotz der Zustimmung im Ausschuss gab es auch drei Gegenstimmen. Kritische Stimmen fragen vor allem nach der Gesamtfinanzierung des Mammutprojekts Rosenstein und der Priorisierung. „Die Maker City ist wichtig, aber wir müssen auch im Blick behalten, wie die soziale Infrastruktur – Kitas, Schulen, Arztpraxen – in dem neuen Quartier mitwächst. Das steht und fällt mit den finanziellen Mitteln“, merkt ein Kommunalpolitiker der Opposition an.
Die Stadt Stuttgart betont derweil den kontinuierlichen Austausch mit Anwohnern und lokalen Akteuren. In den kommenden Jahren soll auf dem Areal rund um die denkmalgeschützten Wagenhallen ein lebendiges Viertel mit Wohnraum, Gewerbeflächen für Handwerk und Kreativwirtschaft sowie öffentlichen Plätzen entstehen. Für die Bürgerinnen und Bürger in Bad Cannstatt und dem Nordbahnhofviertel bedeutet der beginnende Erschließungsbau allerdings auch erste konkrete Auswirkungen: Lärmschutzmaßnahmen und Verkehrsführungen während der Bauphase werden in den kommenden Monaten detailliert kommuniziert.
Der Beschluss für die Maker City ist mehr als nur eine formale Abstimmung. Er ist ein sichtbares Signal, dass die Pläne für das neue Stuttgart um den Hauptbahnhof herum Gestalt annehmen – und dass dieser Wandel nun direkt vor der Haustür der Stuttgarter beginnt.
| Punkt | Details |
|---|---|
| Projektziel | Stadtquartier Maker City |
| Baubeginn | Anfang 2027 |
| Bereich | Teilgebiet C1 |
| Nachhaltigkeit | Prinzip der Schwammstadt |
| Besondere Features | Erdwärmesonden, Sickerpflaster |
| Kritische Stimmen | Finanzierung und soziale Infrastruktur |