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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > Tatort Teufelsrad: Neues München-Duo ermittelt auf der Wiesn
München

Tatort Teufelsrad: Neues München-Duo ermittelt auf der Wiesn

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 24, 2026 2:20 a.m.
Julia Becker
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Während die letzten Touristenströme langsam aus München abebben und die Stadt in den ruhigeren Spätsommer übergeht, bereitet sich ein spezielles Team bereits intensiv auf die nächste große Menschenansammlung vor. Es sind nicht die städtischen Reinigungskräfte oder die Verkehrsplaner, sondern ein Filmteam. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) gegenüber Nachrichten Lokal bestätigte, wird der nächste Münchner „Tatort“ mit dem neuen Duo Nikola Buvak und Kalli Hammermann auf dem Oktoberfest gedreht. Der Arbeitstitel: „Teufelsrad“. Für die Kommissare, gespielt von Carlo Ljubek und Ferdinand Hofer, wird es der dritte Fall und eine echte Feuertaufe inmitten von Dirndl, Lederhosen und Millionen Besuchern.

„Der nächste ‚Tatort‘ mit Carlo Ljubek und Ferdinand Hofer wird auf dem Oktoberfest gedreht. Drehstart ist voraussichtlich Mitte September“, teilte ein BR-Sprecher mit. Die Regie übernimmt Aron Lehmann, das Drehbuch stammt von Robert Löhr. Gedreht werden soll dem Vernehmen nach unter anderem im legendären Löwenbräu-Festzelt – auf dem Balkon und am Turm. Eine blutige Besonderheit: Ein Mord wird in dem berühmten Zelt selbst laut Informationen unserer Zeitung nicht geschehen; das sei eine Bedingung der Brauerei gewesen. Die Geschichte soll sich stattdessen in der Welt der Schausteller und Fahrgeschäfte abspielen, die das Gesicht der Wiesn ebenso prägen wie die Bierzelte.

Für die Münchner Film- und Kulturszene ist es eine Rückkehr an einen bekannten, aber anspruchsvollen Schauplatz. Bereits 2007 („A gmahde Wiesn“) und 2015 („Die letzte Wiesn“) ermittelten die Vorgänger Batic und Leitmayr, gespielt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, zwischen Fahrgeschäften und Festzelten. Die Dreharbeiten waren stets eine logistische und schauspielerische Herausforderung. Nemec erinnerte sich an „Die letzte Wiesn“: „Wir haben am ersten Tag der echten Wiesn gedreht, das war gar nicht so leicht bei all den Menschen, die gern Fotos oder sogar Selfies machen wollten.“ Udo Wachtveitl sprach damals von einem „Guerilla-Dreh“. Die Mühe lohnte sich: Über zehn Millionen Zuschauer verfolgten die Folge, ein Beleg für die ungebrochene Faszination, die das Oktoberfest als Krimi-Kulisse ausübt.

Ein Stück Münchner Identität im Fernsehformat

Die Entscheidung, das neue Ermittlerduo bereits im dritten Fall auf die Theresienwiese zu schicken, ist mehr als nur ein publikumswirksamer Dreh. Sie spiegelt die tiefe Verbindung wider, die das Münchner „Tatort“-Franchise mit der Stadt und ihren ikonischen Orten sucht. Der erste Fall der Neuen, „Zwischenwelten“, spielte in der Hochhaussiedlung Neuperlach – ein Blick auf das urbane, von Migration geprägte München. Der zweite, „Der sichere Tod“, führte sie auf die hochkarätige und abgeschirmte Sicherheitskonferenz. Mit der Wiesn folgt nun der vielleicht Münchnerischste aller Schauplätze: ein Volksfest von globalem Ruf, das gleichzeitig ein mikroskopischer Ausschnitt der Stadtgesellschaft ist.

„Das Oktoberfest ist ein riesiges Geflecht aus Tradition, Business, Emotionen und Tourismus“, sagt eine Münchner Kulturwissenschaftlerin, die sich seit Jahren mit dem Phänomen beschäftigt, gegenüber Nachrichten Lokal. „Es ist die perfekte Bühne für einen Krimi, weil hier auf engstem Raum alle sozialen Schichten, Berufsgruppen und auch Konflikte zusammenkommen – vom Schausteller-Dynastien bis zum betrunkenen Besucher, von der Wiesn-Wirtin mit Millionen-Umsatz bis zur Studentin, die sich als Bedienung etwas dazuverdient.“ Die Welt der Schausteller, in der „Teufelsrad“ spielen soll, sei dabei besonders spannend. „Das sind oft Familienbetriebe mit langer Geschichte, die nur diese zwei, drei Wochen im Jahr hier sind. Da gibt es viel Druck, Konkurrenz und auch eigene Regeln.“

Logistische Meisterleistung und sensible Absprachen

Die Dreharbeiten auf einem laufenden Fest dieser Größenordnung sind ein Kraftakt, der enge Abstimmung mit der Stadt, der Wiesn-Leitung und den einzelnen Betreibern erfordert. Die Stadt München als Veranstalterin und Grundstückseigentümerin muss grünes Licht geben, die Sicherheit von Besuchern und Crew muss gewährleistet sein. Die Bedingung, im Löwenbräu-Zelt keinen Mord stattfinden zu lassen, zeigt, wie sensibel man mit dem Image der Marken umgeht. Für die Brauerei steht der gesellige, friedvolle Biergenuss im Vordergrund – ein Mord würde diesem Image widersprechen.

Ein Sprecher des Kommunalreferats, das für die Theresienwiese zuständig ist, erklärt das Verfahren: „Film- und Fotodrehs auf dem Oktoberfest bedürfen einer Genehmigung. Dabei wird genau geprüft, ob der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Verkehrsführung und dem reibungslosen Ablauf des Festbetriebs Genüge getan wird. Die Interessen der Wirte und Schausteller werden dabei natürlich berücksichtigt.“ Man arbeite bei solchen Großprojekten eng mit den Produktionsfirmen zusammen, um passende Zeitfenster – oft in den frühen Morgenstunden vor Öffnung oder an montäglichen Ruhetagen – zu finden.

Für die an der Produktion beteiligte Amalia Film bedeutet das eine präzise Planung. Jede Kamera, jedes Kabel, jeder Techniker-Bus muss platziert werden, ohne den Betrieb der Fahrgeschäfte oder die Wege der Besucher zu blockieren. Gleichzeitig soll der authentische, lebendige Wiesn-Flair eingefangen werden. Es ist ein Balanceakt zwischen Fiction und Realität.

Was bedeutet das für München?

Abgesehen von der medialen Aufmerksamkeit, die ein „Tatort“ aus München ohnehin bringt, ist die Wiesn-Folge auch ein wirtschaftlicher und imagefördernder Faktor. „Ein solcher Film ist wie eine 90-minütige Visitenkarte für München in der gesamten DACH-Region“, sagt ein lokaler Tourismusexperte. „Er zeigt die Stadt in ihrer lebendigsten und bekanntesten Form. Das weckt Erinnerungen bei denen, die schon da waren, und Lust bei denen, die noch kommen wollen.“ Auch wenn die Folge erst später ausgestrahlt wird – Sendetermine stehen noch nicht fest – sorgt allein die Nachricht über die Dreharbeiten für Gesprächsstoff und Vorfreude.

Für die Münchnerinnen und Münchner selbst ist es vielleicht ein Stück städtische Identitätsbestätigung. Zu sehen, wie „ihre“ Kommissare – nach der langen und geliebten Ära Batic/Leitmayr – nun auch auf ihrer Wiesn ermitteln, kann die Akzeptanz des neuen Duos beschleunigen. Es ist eine Art Initiationsritus: Wer auf der Wiesn überlebt (im dramaturgischen wie im produktionstechnischen Sinne), gehört dazu.

Während sich die Kommissare Buvak und Hammermann also auf kriminalistische und akrobatische Einsätze zwischen Teufelsrad und Festzeltbalkon vorbereiten, darf man gespannt sein, welchen Blick der Film auf das Oktoberfest wirft. Wird es die düstere Seite des Rummels sein? Ein Familiendrama hinter den Kulissen der bunt blinkenden Fahrgeschäfte? Oder eine Hommage an den ganz besonderen Mikrokosmos auf der Theresienwiese? Eins ist sicher: Wenn die Kameras Mitte September anrollen, wird nicht nur ein Krimi, sondern auch ein weiteres Stück Münchner Popkulturgeschichte geschrieben. Und Millionen Zuschauer werden im nächsten Jahr dabei sein, wenn es heißt: „Tatort – Teufelsrad. Ein Fall für Nikola Buvak und Kalli Hammermann.“

  • Das Oktoberfest bietet eine Vielzahl an Attraktionen.
  • Die Welt der Schausteller ist von Konkurrenz geprägt.
  • Traditionen und Emotionen sind wichtige Aspekte des Festes.
  • Film- und Fotodrehs erfordern Genehmigungen.
  • Die Dreharbeiten sind logistische Herausforderungen.
  • Ein „Tatort“ bringt große mediale Aufmerksamkeit.
Aspekt Information
Dreharbeiten Mitte September
Regie Aron Lehmann
Drehbuch Robert Löhr
Location Löwenbräu-Festzelt
Ermittler Nikola Buvak und Kalli Hammermann
Vorgänger Batic und Leitmayr
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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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