Es ist Montag, kurz nach acht, als ich die Pressemitteilung des Hessischen Justizministeriums auf meinem Bildschirm öffne. Die Zahlen springen mir entgegen: In unseren städtischen Ballungsräumen werden die meisten Tötungsdelikte registriert. Wiesbaden, Frankfurt, Kassel – unsere urbanen Zentren führen eine Liste an, die niemand anführen möchte.
Die Statistik für 2023 zeigt ein klares Muster. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden 54 Tötungsdelikte verzeichnet, in Darmstadt 34 und in Kassel 25. Im ländlichen Fulda dagegen nur 9, in Hanau 11. Die Zahlen erzählen Geschichten von menschlichen Tragödien. Hinter jedem Fall steckt ein Schicksal. Als ich letzten Monat mit Oberstaatsanwalt Dr. Martin Steiner sprach, betonte er: «Die urbane Anonymität und höhere Bevölkerungsdichte begünstigen leider ein erhöhtes Konfliktpotenzial.»
Ich erinnere mich an eine Recherche in Frankfurt-Bornheim letztes Jahr. Ein Nachbarschaftsstreit war eskaliert. Die Anwohner erzählten mir von einem wachsenden Gefühl der Distanz zueinander. «Man kennt sich kaum noch», sagte eine ältere Dame kopfschüttelnd.
Die Statistik bestätigt ein gesellschaftliches Phänomen, das wir alle spüren. Dort, wo Menschen dichter zusammenleben, entstehen mehr Reibungsflächen. Das Justizministerium betont jedoch, dass Hessen insgesamt zu den sichereren Bundesländern zählt. Ein schwacher Trost für die Betroffenen. Vielleicht sollten wir als Gesellschaft wieder lernen, hinzuschauen statt wegzusehen. In der Anonymität unserer Städte könnte mehr Miteinander Leben retten.