Die Stadt ist noch immer von den Ereignissen der letzten Wochen gezeichnet, doch in diesen Tagen erreicht uns eine Nachricht, die ein anderes, positives Berlin zeigt: ein Berlin der Gemeinschaft, des lokalen Stolzes und des sportlichen Miteinanders. Bei der Wahl zu „Berlins Fußballern des Jahres“ hat der 1. FC Union Berlin einen klaren und beeindruckenden Erfolg errungen. Vier von fünf möglichen Titeln gingen an den Verein aus Köpenick. Diese Abstimmung, an der über 7.000 Menschen teilnahmen, ist mehr als nur eine sportliche Rangliste. Sie ist ein Stimmungsbild, ein Spiegel der Verwurzelung und der besonderen Verbindung, die ein Verein zu seinem Stadtteil und seinen Menschen aufbauen kann.
Der Berliner Fußball-Verband führt die Wahl seit 2011 gemeinsam mit Lotto Berlin und der Fußball-Woche durch. In diesem Jahr zeichnet sich ein klares Bild ab. Die sogenannten „Eisernen“ aus Köpenick dominieren die Kategorien, von den Profis bis zu den Amateuren. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Berlin mit Hertha BSC einen weiteren Bundesligaverein und eine lebendige, diverse Amateurfußball-Landschaft beherbergt. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache für die Strahlkraft und Anerkennung, die Union derzeit genießt.
Eine klare Dominanz mit Persönlichkeit
Beginnen wir bei den Profis. In der erstmals ausgetragenen Kategorie „Berlins Fußballerin des Jahres“ setzte sich Union-Kapitänin Lisa Heiseler mit über 40 Prozent der Stimmen durch. Mit großem Abstand verwies sie ihre Teamkollegin Anna Weiß (12,8 Prozent) und Nina Ehegötz von Viktoria Berlin (10,9 Prozent) auf die Plätze. Für die 28-jährige Heiseler ist es bereits der zweite Titel, nachdem sie ihn schon in der Saison 2017/2018 gewann. Ihre konstant starken Leistungen und ihre Führungsrolle scheinen bei den Fans und Anhängern des Berliner Fußballs einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Auf der Seite der Männer wiederholte sich das Bild. Auch hier siegte der Kapitän: Christopher Trimmel. Mit 22,1 Prozent der Stimmen sicherte er sich seinen zweiten Titel nach 2019/2020. Direkt hinter ihm landete ein weiterer Unioner, Torhüter Frederik Rönnow, mit 19,8 Prozent. Interessant ist der dritte Platz: Fabian Reese, ehemals bei Hertha BSC und Sieger der beiden Vorjahre, kam auf 14,6 Prozent. Die Abstimmung zeigt somit nicht nur eine Präferenz für Union, sondern auch eine Verschiebung innerhalb der Berliner Fußball-Landschaft. Die Namen, die in der Öffentlichkeit und in den Herzen der Fans vorn liegen, tragen zunehmend das Union-Wappen.
Der Nachwuchs als Fundament des Erfolgs
Vielleicht noch aussagekräftiger für die nachhaltige Stärke eines Vereins sind die Erfolge im Amateurbereich. Und hier setzte Union seinen Triumph fort. In der Kategorie „Berlins Amateurfußballerin des Jahres“ gewann Carla Okoro von Unions U23-Frauen mit einem überwältigenden Ergebnis von 46,1 Prozent. Zum Vergleich: Die Zweitplatzierte, Elfie Wellhausen von Hertha BSC, erhielt 11,8 Prozent. Julie Mews vom 1. Eintracht Spandau wurde Dritte mit 10,3 Prozent. Dieser enorme Vorsprung unterstreicht die Sichtbarkeit und Leistung der jungen Unionerinnen.
Ebenso deutlich war der Sieg in der Kategorie „Berlins Amateurtrainer/in des Jahres“. Anja Matthes, Trainerin der U23-Frauen von Union, setzte sich mit 42,2 Prozent der Stimmen durch. Sie ließ Sanel Begzadic von den Füchsen Berlin (10,9 Prozent) und Dan Twardzik von der VSG Altglienicke (10,3 Prozent) hinter sich. Diese Doppelsiege im weiblichen Nachwuchsbereich sind ein starkes Signal. Sie zeigen, dass der Verein nicht nur auf der großen Profibühne punktet, sondern auch in der Breite und in der Nachwuchsarbeit hohe Anerkennung findet. In einer Stadt, die sich um gute Sportförderung und Gleichberechtigung bemüht, sind solche Vorbilder von unschätzbarem Wert.
Die Ausnahme und was sie bedeutet
Die nahezu komplette Union-Dominanz wurde nur in einer Kategorie durchbrochen: „Berlins Amateurfußballer des Jahres“ heißt Sidney Friede. Der ehemalige Hertha-Profi erhielt 22,1 Prozent der Stimmen. Friede ist ein besonderer Fall. Er hat den Aufstieg des Vereins Delay Sports von der Kreisliga bis in die Landesliga von Beginn an als Spieler begleitet – eine echte „Mann-von-der-Basis“-Geschichte, die im Amateurfußball hohen Respekt genießt. Hinter ihm landeten Dennis Bohnsack vom Köpenicker FC (17,1 Prozent) und Jonas Nietfeld von der VSG Altglienicke (14,6 Prozent).
Dieser Sieg eines ehemaligen Hertha-Profis, der jetzt im Amateurbereich erfolgreich ist, unterstreicht die Vielfalt der Berliner Fußball-Geschichten. Es zeigt, dass die Wahl nicht blind nach Vereinszugehörigkeit entschieden wird, sondern dass echte Leistungen und identitätsstiftende Projekte gewürdigt werden. Die Tatsache, dass der zweitplatzierte Bohnsack ebenfalls aus Köpenick kommt, nur für einen anderen Verein spielt, rundet das Bild des Stadtteils als einer wahren Fußball-Hochburg ab.
Ein Stück gelebte Stadtteilkultur
Was bedeutet dieser Wahlerfolg für Berlin und besonders für Köpenick? Zunächst ist es ein klares Zeichen der Wertschätzung. Tausende Berliner haben abgestimmt und damit den Spielerinnen, Spielern und Trainern von Union ihren Respekt für eine herausragende sportliche Leistung und Haltung ausgesprochen. In einer Zeit, in der der Profifußball oft als kommerzielles Großunternehmen wahrgenommen wird, bestätigt dieser lokale Votum die Verwurzelung von Union Berlin. Der Verein verkörpert für viele das Prinzip „Stadtteil first“. Seine Erfolgsgeschichte ist eng mit der Identität Köpenicks, seiner Fans und seiner besonderen Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei verbunden.
Die Auszeichnungen für den Nachwuchs sind dabei besonders wichtig. Sie senden ein Signal an junge Sportlerinnen und Sportler in der ganzen Stadt: Leistung wird gesehen und honoriert. Sie zeigen, dass eine gute und seriöse Nachwuchsarbeit Früchte trägt und in der Gemeinschaft ankommt. Für den Stadtteil Köpenick stärkt dieser Erfolg das Wir-Gefühl. Der Verein ist ein zentraler Identifikationspunkt, ein Arbeitgeber und ein kultureller Mittelpunkt. Solche Auszeichnungen festigen diese Rolle.
Gleichzeitig ist der Erfolg von Union auch eine Aufforderung an andere Vereine und an die städtische Sportpolitik. Er zeigt, wie stark ein Verein sein kann, der konsequent auf Kontinuität, Authentizität und Verbundenheit setzt. In einer sich ständig verändernden Metropole wie Berlin sind solche stabilen Säulen der Gemeinschaft unverzichtbar. Der Fußball, besonders in seinen lokalen Ausprägungen, schafft Zusammenhalt, gibt Jugendlichen eine Perspektive und bringt Menschen verschiedener Hintergründe zusammen.
Die Wahl zu „Berlins Fußballern des Jahres“ mag auf den ersten Blick nur eine sportliche Rangliste sein. Bei genauerem Hinsehen erzählt sie jedoch eine größere Geschichte: die Geschichte von lokaler Verankerung, von Anerkennung für harte Arbeit und von der verbindenden Kraft des Sports in einer großen Stadt. Die Trophäen mögen in Köpenick stehen, die Botschaft der Gemeinschaft und des Miteinanders geht an ganz Berlin.
- 4 von 5 Titeln für den 1. FC Union Berlin
- Über 7.000 Teilnehmer an der Abstimmung
- Lisa Heiseler und Christopher Trimmel gewonnen
- Carla Okoro und Anja Matthes siegten in den Amateurkategorien
- Sydney Friede als einzige Ausnahme in der Wahl
- Starker Verband mit lokalem Fokus
| Kategorie | Gewinner | Prozentsatz |
|---|---|---|
| Berlins Fußballerin des Jahres | Lisa Heiseler | 40% |
| Berlins Fußballer des Jahres | Christopher Trimmel | 22,1% |
| Berlins Amateurfußballerin des Jahres | Carla Okoro | 46,1% |
| Berlins Amateurfußballer des Jahres | Sidney Friede | 22,1% |
| Berlins Amateurtrainer/in des Jahres | Anja Matthes | 42,2% |