Article – Der Montag in NRW begann für viele Autofahrer mit unerwarteten Hürden. Überall in den Innenstädten fehlten die vertrauten Gestalten in neongelben Westen. Die Straßenaufsicht streikte. Was für manche nach einem Freifahrtschein für Falschparker klang, entpuppte sich schnell als Verkehrschaos in manchen Bereichen.
«Wir fordern eine angemessene Wertschätzung unserer täglichen Arbeit», erklärte mir Gewerkschaftssprecher Michael Berthold während meiner Recherche am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Dort, wo sonst penibel auf fließenden Verkehr geachtet wird, stauten sich Taxis und private Pkw. Verdi hatte landesweit zu Warnstreiks aufgerufen. Die Gewerkschaft verlangt 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 500 Euro mehr monatlich für die Beschäftigten.
Gestern noch begleitete ich eine Straßenaufsicht bei ihrer Schicht durch Köln-Ehrenfeld. «Die Menschen sehen nur, dass wir Knöllchen verteilen», sagte mir Lisa K., während sie ein falsch geparktes Auto notierte. «Aber wir sorgen täglich für Sicherheit.» Diese Sicherheit fehlte heute spürbar. An Schulwegen mussten Elterninitiativen einspringen, vor Krankenhäusern bildeten sich chaotische Parksituationen.
Die Kommunen reagierten unterschiedlich. Manche setzten Notdienste ein, andere kapitulierten vor dem Personalmangel. Der Tarifkonflikt zeigt einmal mehr, wie abhängig unsere Städte von funktionierenden Ordnungsstrukturen sind. Was viele als lästige Kontrolle empfinden, entpuppt sich im Streikfall als unverzichtbares Regulativ für unseren Alltag.