Der VfB Stuttgart ist gerade ein Rätsel. Sie können am Dienstag gegen Atlético Madrid in der Champions League brillieren und dann am Freitag gegen das punktlose Tabellenschlusslicht aus Mönchengladbach verlieren. Diese 2:3-Niederlage war mehr als nur ein Ausrutscher. Sie war ein Warnschuss, der alle Probleme offenlegt, die unter der Oberfläche schwelgen.
Sie haben das Spiel gesehen. Der VfB führte früh durch Chris Führich. Er hätte das Spiel in der ersten halben Stunde entscheiden können. Dann passierte, was in dieser Saison schon öfter passiert ist. Das Tempo ließ nach. Die Präzision verschwand. Einfache Bälle wurden verschenkt. Aus einer dominanten Vorstellung wurde ein desolater Kampf, den die Mannschaft am Ende verdient verlor.
Trainer Sebastian Hoeneß nannte es einen «großen Warnschuss». Für ihn reichen Erklärungen wie englische Wochen oder Rotation nicht mehr aus. «Wir haben uns zu wenig gegen die Negativentwicklung innerhalb des Spiels gestemmt», sagte er nach dem Spiel. Die Mannschaft habe den Zugriff verloren und Gladbach damit überhaupt erst ins Spiel gebracht. Das ist das eigentliche Problem. Der VfB spielt oft gut, aber er spielt selten über 90 Minuten konsequent. Gegen Hoffenheim und Hamburg zeigte sich das gleiche Muster. Ein starker Start, dann ein Nachlassen und schließlich die Niederlage.
Auch die Führungsspieler stehen plötzlich in der Kritik. Deniz Undav wartet in der Bundesliga weiter auf sein erstes Tor oder seine erste Vorlage. Angelo Stiller, sonst der Ordner im Mittelfeld, machte auffällig viele Fehlpässe gegen Gladbach. Die neu zusammengestellte Offensive mit Neuzugängen wie Leo Sauer oder Dženan Pejčinović hat in der Liga noch nicht gezündet. Es fehlt nicht an Talent. Es fehlt an Wirkung in den entscheidenden Momenten.
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth brachte es auf den Punkt. «Wille beim Anpfiff reicht nicht», sagte er. Dieser Wille müsse sich im Nachsetzen, im Absichern und im konsequenten Spiel gegen den Ball zeigen. Seine Warnung traf ins Mark. «Eigentlich waren wir besser» dürfe keine Standarderklärung werden. Ballbesitz und schöner Fußball sind kein Ersatz für Siege.
Die Zahlen sind alarmierend. Nach sieben Bundesligaspielen stehen nur sechs Punkte und fünf Niederlagen zu Buche. So schlecht war der VfB unter Hoeneß noch nie zu Saisonbeginn. Bei einem Kader, dessen Marktwert bei fast 400 Millionen Euro liegt, sind diese Ergebnisse nicht hinnehmbar. Die Fans in der Cannstatter Kurve zeigten nach dem Schlusspfiff noch Geduld. Aber diese Geduld ist nicht grenzenlos.
Niemand stellt die Spielidee von Hoeneß infrage. Sie hat den Verein in die Champions League geführt. Doch jetzt muss der Trainer beweisen, dass er mehr kann als attraktiven Fußball organisieren. Er muss die Widersprüle in seiner Mannschaft auflösen. Er muss ihnen beibringen, auch dann zu kämpfen und konsequent zu sein, wenn ein Spiel nicht mehr von allein läuft.
Die nächsten Wochen zeigen, ob der VfB diesen Warnschuss gehört hat. Es geht nicht mehr nur um schönen Fußball. Es geht um Mentalität, um Durchsetzungskraft und um den unbedingten Willen, jedes Spiel zu gewinnen. Die Mannschaft hat das Talent. Jetzt muss sie es zeigen.
- Starke Startphasena
- Schwaches Nachlassen
- Kritik an Führungsspielern
- Problems bei der Offensive
- Alarmierende Zahlen nach 7 Spielen
- Notwendigkeit zur Mentalitätsänderung
| Aspekt | Zahlen |
|---|---|
| Bundesligaspiele | 7 |
| Punkte | 6 |
| Niederlagen | 5 |
| Marktwert des Kaders | 400 Millionen Euro |
| Fans Geduld | Nicht grenzenlos |
| Variante von Spieler | Talent vorhanden |