Der VfB Stuttgart geht selbstbewusst wie lange nicht in eine neue Bundesliga-Saison. Die Entwicklung unter Sebastian Hoeneß ist eine der beeindruckendsten Geschichten im deutschen Fußball der letzten Jahre. Aus dem vermeintlichen Abstiegskandidaten ist ein etablierter Top-Klub geworden, der nicht nur um Europapokalplätze mitspielt, sondern auch nationale Titel gewinnt. Der Triumph im DFB-Pokal 2025 und das erneute Finale 2026 sind klare Beweise für diese neue Statur. Jetzt steht die nächste Herausforderung an: die Konsolidierung auf diesem hohen Niveau und der ambitionierte Schritt nach vorne in der Königsklasse.
Die Ausgangslage dafür ist so gut wie selten zuvor. Während in den vergangenen Sommern immer wieder schmerzhafte Abgänge von Leistungsträgern verkraftet werden mussten, konnte der VfB in dieser Transferperiode den Kern der Mannschaft zusammenhalten. Das ist eine entscheidende Wende. Starstürmer Deniz Undav, Taktgeber Angelo Stiller und die offensiven Zugpferde Jamie Leweling und Chris Führich bleiben dem Verein erhalten. Diese Kontinuität ist ein unschätzbarer Vorteil. Zusammen mit den gereiften Leistungen von Jeff Chabot und Maximilian Mittelstädt in der Abwehr bilden sie ein starkes Fundament.
Die Neuverpflichtungen unterstreichen den Anspruch, nicht nur zu halten, sondern besser zu werden. Mit Dženan Pejčinović hat sich Stuttgart einen jungen Stürmer gesichert, der in der U21-Nationalmannschaft für Furore sorgt und sein Potenzial im Pokalspiel bei Hansa Rostock mit einem Dreierpack direkt unter Beweis stellte. Er verspricht eine echte Soforthilfe für den Offensivbereich. Grischa Prömel bringt dringend benötigte Erfahrung und Zweikampfstärke ins defensive Mittelfeld, während das Talent Leo Sauer und die Festverpflichtung von Bilal El Khannouss die Tiefe des Kaders erhöhen. Erstmals seit langem verfügt Hoeneß damit wahrscheinlich über eine mindestens solide Doppelbesetzung auf jeder Position. Diese Flexibilität wird in einer langen Saison mit internationalen Verpflichtungen von unschätzbarem Wert sein.
Die größte Stärke des Teams liegt eindeutig im Offensivspiel. Ein fitter Deniz Undav ist einer der gefährlichsten Angreifer der Liga. Seine Torquote, sein Bewegungsablauf und vor allem seine kämpferische Mentalität machen ihn zur zentralen Figur. Dass er nun auch das Kapitänsamt übernimmt, zeigt sein Gewicht in der Mannschaft. An seiner Seite könnte Pejčinović für weitere Torgefahr sorgen. Die Flügel mit Führich und Leweling sind schnell, kreativ und torgefährlich. Angelo Stiller als Dirigent vor der Abwehr gibt dem Spiel Struktur und Rhythmus. Diese offensive Power war das Markenzeichen der vergangenen erfolgreichen Spielzeiten.
Dennoch gibt es auch Fragen, die zu Beginn der Saison noch offen sind. Die größte betrifft das Tor. Nach dem Abgang von Alexander Nübel vertraut der Club voll auf den hochtalentierten, aber noch sehr jungen und derzeit verletzten Dennis Seimen. Bis zu dessen Rückkehr liegt eine große Verantwortung auf den Schultern von Fabian Bredlow. Seine Erfahrung ist jetzt gefragt. Auch die optimale Formation im defensiven Verbund muss sich erst einspielen. Wird Hoeneß, der zuletzt oft eine Viererkette favorisierte, bei Top-Gegnern wie zum Auftakt in München wieder auf ein Dreier- oder Fünfer-System zurückgreifen? Die Verletzungen von Nikolas Nartey und Führich im Pokal zeigen zudem, wie schnell die personelle Tiefe auf die Probe gestellt werden kann.
Die Eröffnungspartie beim Rekordmeister FC Bayern München ist gleich die Feuerprobe. Sie wird einen ersten, wenn auch nicht abschließenden, Eindruck davon geben, wie konkurrenzfähig dieser VfB in der Spitze wirklich ist. Eine mögliche Aufstellung könnte so aussehen:
| Position | Spieler |
|---|---|
| Tor | Bredlow |
| Abwehr | Vagnoman, Jeltsch, Chabot, Mittelstädt |
| Defensives Mittelfeld | Prömel, Stiller |
| Offensivflügel | Tómas, Führich |
| Zehner | Undav |
| Spitze | Pejčinović |
Die Ziele sind klar. In der Bundesliga gilt es, die Champions-League-Plätze erneut zu sichern und die Distanz zur absoluten Spitze möglichst gering zu halten. Im DFB-Pokal hat der VfB bewiesen, dass er in diesem Wettbewerb gewinnen kann – hier wird man wieder zu den Favoriten gehören. Die eigentliche Messlatte liegt jedoch international. Nach den Achtelfinal-Aus in der Europa League und dem vorzeitigen Ende in der Champions-League-Gruppenphase vor zwei Jahren, will der VfB jetzt in der Königsklasse längerfristig Fuß fassen. Dazu braucht es die nötige Erfahrung, aber auch die individuelle Klasse, die man mit diesem Kader nun vermehrt besitzt.
- Erweiterung der Mannschaftstiefe
- Kontinuität unter Sebastian Hoeneß
- Starke Offensive um Deniz Undav
- Erfolgreiche Neuverpflichtungen
- Kapitänsübernahme durch Undav
- Flexible Aufstellungen möglich
Die Entwicklung des VfB Stuttgart ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Sportstrategie, kluge Transferpolitik und herausragende Trainingsarbeit. Sebastian Hoeneß hat eine Mannschaft geformt, die mutig, dynamisch und erfolgsorientiert spielt. Die Fans in der Mercedes-Benz Arena können sich auf eine weitere aufregende Saison freien, in der ihr Team nicht nur Mitfavorit, sondern in manchen Wettbewerben sogar ein heißer Titelanwärter ist. Der Weg zum wahren Spitzenteam ist eingeschlagen. Jetzt geht es darum, ihn konsequent weiterzugehen.