Gerade war noch Frühstückskaffee in meiner Hand, jetzt starre ich auf diese Urteilsbegründung. Das Oberlandesgericht München hat ein irakisches Ehepaar verurteilt. Der Mann lebenslang, die Frau zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe. Ihre Verbrechen lesen sich wie ein Albtraum aus einer anderen Zeit: Versklavung, sexueller Missbrauch von Kindern, Mitgliedschaft im IS. Was mich zutiefst erschüttert, ist die juristische Einordnung als Völkermord. „Sie begingen diese Taten, weil die beiden Mädchen Jesidinnen waren“, zitiert das Gericht. Fünf und dreizehn Jahre alt waren sie, als sie auf einem Basar in Mossul als Sklavinnen gekauft wurden. Ein Mädchen, so steht es in der Anklage, war eine „Brautgabe“.
Der Vorsitzende Richter erklärte, Völkermord bedeute nicht zwingend Mord. Es reiche, „ein Kind der Gruppe gewaltsam in eine andere Gruppe zu überführen“. Mit dem Ziel, diese Gemeinschaft zu zerstören. Hier wurden junge Leben gekauft, um ihre Identität auszulöschen. Ich muss an einen Dokumentarfilm über jesidische Überlebende denken, an die Geschichten von verlorenen Generationen. Eine Expertin sagte mir damals: „Das ist systematische Zerstörung, Stück für Stück.“ Dieser Fall zeigt es in schrecklicher Deutlichkeit.
Diese Entscheidung aus München ist mehr als ein Urteil. Sie ist ein Signal. Sie sagt: Solche Taten sind nicht nur Grausamkeit, sondern ein Angriff auf die Existenz eines ganzen Volkes. Sie holt das Unfassbare vor ein deutsches Gericht und nennt es beim Namen. Es bleibt diese beklemmende Frage: Wie viele ähnliche Schicksale sind noch ungesühnt? Das Recht hat hier ein Zeichen gesetzt. Jetzt liegt es an uns, nicht wegzusehen.
- Völkermord als juristische Einordnung
- Verurteilung des irakischen Ehepaars
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit
- Identität von Jesidinnen ausgelöscht
- Dokumentarfilm über jesidische Überlebende
- Signalwirkung der Entscheidung aus München
| Verurteilte Person | Strafe | Verbrechen |
|---|---|---|
| Mann | lebenslang | Völkermord, Versklavung |
| Frau | neuneinhalb Jahre Jugendstrafe | sexueller Missbrauch von Kindern |