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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Wasserbüffel auf Abwegen: Berliner Polizei im Einsatz
Berlin

Wasserbüffel auf Abwegen: Berliner Polizei im Einsatz

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 30, 2026 5:39 p.m.
Julia Becker
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Ein Polizist steht vor einer Gruppe von Wasserbüffeln. Mehrere Wasserbüffel sind am Morgen aus einem Gehege im Berliner Nordosten entkommen. Die Polizei ermittelt. (zu dpa: ««Nervös, aber friedlich» - Wasserbüffel in Berlin ausgebüxt»)
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Ein Berliner Polizist auf dem Weg zur Frühschicht dürfte am Mittwochmorgen einen Moment gebraucht haben, um seinen Augen zu trauen. Statt des üblichen Berufsverkehrs an der Zingster Straße im Stadtteil Französisch Buchholz sah er eine Herde von zehn Wasserbüffeln, die gemächlich durch das Wohnviertel spazierte. Der Vorfall, der sich kurz nach sechs Uhr ereignete, löste einen ungewöhnlichen Polizeieinsatz im Nordosten der Hauptstadt aus und wirft Fragen zur Sicherheit von städtischen Weideprojekten auf.

Der beamtete Zeuge alarmierte umgehend seine Kollegen. Zeitgleich gingen bei der Leitstelle mehrere besorgte Anrufe von Anwohnern ein, die die großen Tiere vor ihren Häusern entdeckt hatten. „Die Tiere waren nervös, aber friedlich“, berichtete ein Polizeisprecher später. Insgesamt rückten elf Beamte mit mehreren Streifenwagen an, um die rund 500 Kilogramm schweren Flüchtlinge einzufangen. In einer behutsamen Operation geleiteten sie die Büffel zurück in ihr eigentliches Domizil, den nahegelegenen Wustrower Park. Dort fand sich die Erklärung für den morgendlichen Ausflug: Der Zaun des umzäunten Weidegebiets war beschädigt. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen und prüft, ob es sich um Vandalismus, ein versehentliches Beschädigen oder möglicherweise um Sabotage handelte. Zum Glück, so der einheitliche Tenor aller Beteiligten, blieb der Vorfall ohne körperliche Folgen. „Weder Tiere noch Menschen seien verletzt worden“, bestätigte der Polizeisprecher.

Hintergrund: Wasserbüffel als Landschaftspfleger im Stadtgebiet

Die überraschenden Besucher sind Teil eines städtischen Umweltprojekts. Seit einigen Jahren setzt das Berliner Umwelt- und Naturschutzamt auf sogenannte „vierbeinige Landschaftspfleger“. Die Wasserbüffelherde im Wustrower Park, die mehrere Dutzend Tiere umfasst, wird dort gezielt zur Pflege der Feuchtwiesen eingesetzt. Durch ihr Fressverhalten halten sie das Gras kurz und verhindern so die Verbuschung der wertvollen Biotope. Diese extensive Beweidung ist eine ökologischere und oft kostengünstigere Alternative zu maschineller Mahd, insbesondere auf nassen und schwer zugänglichen Flächen. Das Projekt ist bei Naturschützern und vielen Anwohnern beliebt, da es die Artenvielfalt fördert und ein Stück natürliche Landwirtschaft in die Stadt bringt.

Der Wustrower Park, ein Landschaftspark im Bezirk Pankow, ist genau für solche Vorhaben prädestiniert. Mit seinen Teichen, Feuchtwiesen und Waldflächen bietet er seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Die Beweidung mit robusten Rassen wie Wasserbüffeln ist ein zentraler Baustein im Pflege- und Entwicklungskonzept des Parks. Ähnliche Projekte gibt es auch in anderen Berliner Grünanlagen, etwa mit Skudden-Schafen oder Heckrindern. Sie alle sollen helfen, die kostspielige Unterhaltung der riesigen Berliner Park- und Naturschutzflächen nachhaltiger zu gestalten.

Ermittlungen und Reaktionen: Von Panik bis Amusement

Während die Polizei nun den Zustand des Zauns genau untersucht, waren die Reaktionen der Bevölkerung am Mittwoch gemischt. „Erst dachte ich, ich hätte nicht richtig geschlafen“, sagte eine Anwohnerin der Zingster Straße, die mit ihrem Hund Gassi war. „Dann ist mir klar geworden, dass da wirklich Büffel auf der Straße stehen. Irgendwie skurril, aber sie waren ganz ruhig.“ Andere zeigten sich besorgter. „Was, wenn die auf die Hauptstraße gelaufen wären? Oder wenn Kinder auf dem Weg zur Schule gewesen wären? Das hätte böse enden können“, gab ein besorgter Vater zu bedenken.

Das Bezirksamt Pankow, zuständig für den Park, äußerte sich umgehend. Ein Sprecher betonte, dass die Gehege regelmäßig kontrolliert würden. „Ein derartiger Vorfall ist uns in diesem Projekt bisher nicht vorgekommen. Die Sicherheit von Besuchern und Anwohnern hat für uns oberste Priorität. Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und werden die Umzäunung umgehend reparieren und auf Schwachstellen überprüfen lassen.“ Man wolle das erfolgreiche Projekt auf jeden Fall fortsetzen, müsse aber sicherstellen, dass die Tiere sicher verwahrt seien.

Auch der zuständige Förderverein für den Park zeigte sich betroffen. „Unsere Büffel sind eigentlich sehr genügsam und an Menschen gewöhnt. Dass die ganze Herde ausbricht, ist außergewöhnlich“, so ein Vereinsmitglied. Man spekuliere intern, ob ein Ast auf den Zaun gefallen sein könnte oder ob es mutwillige Beschädigung gab.

Größere Fragen: Sicherheit von urbanen Weideprojekten

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die praktischen Herausforderungen der städtischen Landwirtschaft und des Naturschutzes. Berlin setzt stark auf solche innovativen Konzepte, um seine grünen Lungen zu erhalten. Doch im dicht besiedelten Stadtgebiet sind die Anforderungen an die Sicherheit besonders hoch. Ein ausgebrochenes Schaf ist eine Sache, eine Herde großer Weidetiere eine andere. Experten für Tierhaltung weisen darauf hin, dass Zäune in öffentlichen Parks besonderen Belastungen ausgesetzt sind – nicht nur durch das Wetter, sondern potenziell auch durch Vandalismus.

„Der Vorfall sollte Anlass sein, die Sicherheitsstandards für alle urbanen Weideprojekte in Berlin noch einmal zu überprüfen“, sagt Dr. Lena Feldmann, eine auf Stadtökologie spezialisierte Biologin. „Dazu gehören robuste, doppelte Zaunsysteme, regelmäßige, dokumentierte Kontrollen und klare Notfallpläne in Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr. Das Vertrauen der Bevölkerung in diese schönen Projekte darf nicht durch vermeidbare Vorfälle erschüttert werden.“ Sie betont gleichzeitig, dass der ökologische Nutzen der Beweidung unbestritten sei und die Risiken bei fachgerechter Umsetzung sehr gering seien.

Was Anwohner wissen sollten

Für die Bewohner von Französisch Buchholz und die Besucher des Wustrower Parks gibt das Bezirksamt zunächst Entwarnung: Die Büffel sind wieder sicher in ihrem Gehege, der beschädigte Zaunabschnitt wurde provisorisch gesichert und wird zeitnah vollständig repariert. Die Polizei bittet Zeugen, die am frühen Morgen des betreffenden Tages etwas Auffälliges im Umfeld des Geheges beobachtet haben könnten, sich unter der üblichen Nicht-Notrufnummer des Polizeiabschnitts zu melden.

Der Vorfall bleibt vorerst eine kuriosie Anekdote, die den Berliner Alltag bereichert hat. Er zeigt aber auch, wie lebendig und manchmal unberechenbar das Zusammenspiel von Stadt und Natur sein kann. Die Büffel von Pankow haben unbeabsichtigt für ein kleines Abenteuer gesorgt und werden wohl noch lange Gesprächsstoff liefern – sicherlich hinter einem dann doppelt geprüften Zaun.

Aspekt Details
Vorfall Wasserbüffel auf der Straße
Ursache Beschädigter Zaun
Tierzahl 10 Wasserbüffel
Ort Wustrower Park
Sicherheit Keine Verletzten
Zukünftige Maßnahmen Überprüfung der Sicherheitsstandards

Die wichtigsten Punkte:

  • Polizei rückte mit 11 Beamten an
  • Büffel zurück in ihre Weide geleitet
  • Ermittlungen wegen Sachbeschädigung aufgenommen
  • Wurstrower Park als Lebensraum
  • Regelmäßige Kontrollen nötig
  • Ökologischer Nutzen unbestritten
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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